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Der Porzellanmalerin über die Schulter geschaut

Eine besondere Attraktion wartete auf die Besucher des Königsbronner Kannenmuseums am Sonntagnachmittag in der Alten Pfisterei. Eine waschechte Porzellanmalerin hatte sich eingefunden und ließ sich bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken.

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Eine waschechte Porzellanmalerin ließ sich bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken.  Foto: 

Mit jedem Pinselstrich ist sich Michaela Kießlich bewusst, dass sie mit ihrer Kunst und Fingerfertigkeit einem aussterbendem Gewerbe angehört. Zwar steht den Menschen immer noch der Sinn nach feinem und bemalten Porzellan – den Preis indes für diese diffizile Handarbeit ist kaum noch einer gewillt zu bezahlen.

Diffizile Handarbeit hat ihren Preis

So ist aus dem produzierenden Gewerbe, das Kießlich einst in Meißen von der Picke auf gelernt hatte, inzwischen mehr und mehr ein historisches geworden. Die Porzellanmalerin arbeitet inzwischen im Haus der Kunst in Grunbach bei Stuttgart an der Restaurierung besonders wertvoller und edler Stücke. Eine wesentlich interessantere Arbeit für Kießlich, als damals in der Produktion, denn dies war knochenharte Akkordarbeit, bei der das Kreative mitunter zu kurz kam. Für die Besucher des Königsbronner Kannenmuseums ging es aber um die Demonstration der Aufglasurmalerei am Gebrauchsgeschirr. Zuerst entsteht eine Zeichnung des zu malenden Motivs. Dann werden die Farben auf das Porzellan aufglasiert. Die Farben bestehen aus Metalloxiden und werden in fester Form angeliefert. Erst durch die Hinzumischung von Terpentinöl, Feldspat und Quarz bekommen sie die notwendige Flüssigkeit und Konsistenz, um aufgetragen zu werden. Die genaue Mischung macht den Meister.

Da sie als Kind bereits gern malte und zeichnete, stand für Kießlich bald fest, dass ihr Beruf damit etwas zu tun haben werde. So landete sie in der weltberühmten Porzellanmanufaktur in Meißen. Mittlerweile ist die Porzellanmalerin in ihrer Werkstatt aber seit über 20 Jahren spezialisiert auf die Restaurierung besonders alter und edler Einzelstücke.

"Porzellan ist eine Krankheit"

Ständig anwesend in ihrem Kannenmuseum war am Sonntag auch Elisabeth Hug, Chefin, Sammlerin und Porzellanexpertin, sodass so mancher Besucher in den Genuss einer Privatführung durch die Räumlichkeiten kam: „Porzellan ist eine Krankheit“, meint die alte Dame und bezieht sich damit auf das Sammelfieber, das diese Krankheit auslösen kann.

Und in der Tat hat Elisabeth Hug ihre Sammlung schon wieder um ein paar alte gute Stücke aus der Sächsischen Porzellanmanufaktur Dresden erweitert. Als Besonderheit gibt es in einem Schaukasten römische Keramik aus dem ersten Jahrhundert nach Christus zu sehen, die bei Sontheim/Brenz ausgegraben worden ist.

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