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Der Bahnhof in Niederstotzingen wird versteigert

Erst vor rund zwei Jahren veräußerte die Deutsche Bahn das alte Bahnhofsgebäude von Niederstotzingen an eine private Käuferin. Jetzt kommt das sanierungsbedürftige Bauwerk erneut auf den Markt: Am 11. Dezember soll es in Berlin versteigert werden. Das festgesetzte Mindestgebot beläuft sich auf 18 000 Euro zuzüglich Auktions-Courtage.

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Bahnhof Niederstotzingen  Foto: 

Angekündigt hat die private Grundstücksversteigerung das in der Bundeshauptstadt ansässige Auktionshaus Karhausen AG. Als Grund dafür, dass sich die jetzige Eigentümerin von dem Objekt wieder trennen will, nennt Karhausen „persönliche Gründe“. Matthias Knake, Diplom-Wirtschaftjurist und Mitglied der Geschäftsleitung des Auktionshauses, spricht davon, dass der Investor Pläne mit dem Bahnhofsgebäude hatte, diese aber mittlerweile wieder aufgegeben habe. Außerdem lebe der Eigentümer auch nicht in der Nähe zu dem historischen Bauwerk.

„Vom jetzigen Eigentümer wurden bereits einige Maßnahmen zur Vorbereitung der Sanierung durchgeführt, der Bahnhofsvorplatz von der Gemeinde neu gestaltet. Jetzt wird ein neuer Käufer gesucht, der diesem Schmuckstück neues Leben einhaucht“, so Auktionator Knake.

Im Auktionshaus-Exposé zu dem leerstehenden Gebäude ist von einem Altbau mit Baujahr etwa 1875 die Rede, das unter Denkmalschutz steht. Es handele sich um „sehr solides Sand- und Klinkermauerwerk“, einen zweigeschossigen Bau mit ausgebautem Dachgeschoss sowie Dachboden und Teilunterkellerung. Die Ausstattung sei einfach. „Insgesamt sanierungs- und modernisierungsbedürftiger Zustand.“

Im Kellergeschoss befinden sich den Angaben zufolge Keller- und Lagerräume, im Erdgeschoss die ehemaligen Diensträume der Bahn (DB), die Wartehalle und ein Öltankraum. Das Obergeschoss beinhaltet eine Vier-Zimmer-, das Dachgeschoss eine Sechs-Zimmer-Wohnung mit Feuchtigkeitsschäden. Die Wohn- bzw. Nutzfläche wird mit etwa 400, die Grundstücksgröße mit etwa 844 Quadratmeter angegeben.

Einem textlichen Hinweis des Auktionshauses zufolge gelten für das Objekt die „Besonderen Bedingungen“ der DB. Gemäß den weiteren Erläuterungen ist dies unter anderem die Erlaubnis des Käufers, dass die DB ihre Anlagen „dauernd und unentgeltlich auf dem Kaufgegenstand“ belassen, betreiben und unterhalten und zu diesem Zweck das Objekt betreten kann. Immissionen von den Bahn- oder vorhandenen Telekommunikationsanlagen sind „entschädigungslos zu dulden“. Zu beachten sind unter anderem verschiedene Dienstbarkeiten und Leitungsrechte. Mitgeteilt wird, dass das Objekt aufgrund der einstigen Nutzung zu Bahnzwecken verunreinigt sein kann.

Überrascht von der Nachricht, dass der Bahnhof zur Versteigerung steht, zeigt sich Niederstotzingens Bürgermeister Gerhard Kieninger. Es sei bei der Stadt nicht bekannt gewesen, dass das Gebäude wieder verkauft werden soll. Erstmals habe die Bahn das Haus im Dezember 2013 veräußert. Die anderen zum Verkauf stehenden Bereiche beim Bahnhof seien schon zuvor – teils an die Stadt – verkauft worden.

Mit der gegenwärtigen Eigentümerin habe es vor deren Erwerb des Gebäudes Gespräche gegeben, was bei dem Haus aus baurechtlicher Sicht so alles möglich wäre, so Kieninger. Eine Anfrage für eine konkrete Nutzung habe aber bislang nicht vorgelegen.

Die Stadt habe selbst vor ein paar Jahren Interesse am Bahnhofsgebäude gehabt – trotz „gewaltigen Sanierungsaufwands“. Die Kosten seien schon damals nicht das Problem bei einem Kauf gewesen, erläutert der Bürgermeister im Hinblick auf das nicht allzu hoch angesetzte Mindestgebot von 18 000 Euro bei der Versteigerung. Als kritisch seien von der Stadt einst die Bedingungen der Bahn beurteilt worden, die unter anderem auch eine eventuelle Altlasten-Problematik auf den neuen Eigentümer übertragen würden. Es seien Auflagen auf dem Grundstück, die „Einschränkungen für die Stadt“ bedeuten. Darüber hinaus dürfe man in Bezug auf den Denkmalschutz die Finanzsituation Niederstotzingens nicht außer Acht lassen.

Nach gegenwärtigem Stand sehe er die Stadt nicht als Bieter bei der Versteigerung, sagt Kieninger – „zumindest nicht im ersten Zug“. Die Vertragsbedingungen würden sich durch eine private Versteigerung nicht ändern und so werde ein Kauf des Gebäudes „nicht attraktiver“ als zuvor. Allerdings bekennt der Bürgermeister auch: „Ein Bahnhofsgebäude zu erwerben ist für eine Stadt immer interessant.“ Man werde daher im Gemeinderat diskutieren, ob sich an Auffassungen oder Situation etwas verändert habe. Kieninger hat hier auch die öffentliche Meinung in der Stadt im Blick, bei der er durchaus von Aussagen weiß, dass mit dem Bahnhof etwas geschehen müsse.

Das Niederstotzinger Bahnhofsgebäude soll am Freitag, 11. Dezember, im Auditorium Friedrichstraße im Quartier 110 in Berlin durch das Auktionshaus Karhausen AG zur Versteigerung aufgerufen werden.
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