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Untersuchung bestätigt: Zehntstadel ist tatsächlich 400 Jahre alt

Eine Untersuchung hat nun bestätigt, dass das älteste Gebäude Steinheims vor 400 Jahren errichtet wurde.

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Der Zehntstadel ist das älteste Gebäude in Steinheim. Das haben die Steinheimer schwarz auf weiß nach einer entsprechenden Untersuchung von Holzproben, die aus dem imposanten Dachstuhl entnommen wurden. Danach steht zweifelsfrei fest, dass das Bauholz im Jahr 1617 geschlagen worden ist. Den 400. Geburtstag des Bauwerks will nun der Heimatverein am Sonntag, 20. August, ab 11 Uhr mit einem Hock auf dem Hof vor der Zehntscheuer feiern.

Es ist das Verdienst des Heimatvereins unter seinem Vorsitzenden Rudolf Maier, dass in der Zehntscheuer vor etwas mehr als zehn Jahren eine große Entrümpelung stattgefunden und das Bauwerk, vor allem in seinem südlichen Teil, in wesentlichen Teilen auf Vordermann gebracht wurde. Weit mehr als 2000 Arbeitsstunden stecken darin. 26 Vereinsmitglieder und 13 Nichtmitglieder hatten zwei Jahre lang gearbeitet und dafür auch Lob von höchster Stelle, nämlich vom Landesdenkmalamt, bekommen.

Viele Pläne für das Gebäude

Vor zehn Jahren waren auch erste Überlegungen angestellt worden, wie man die Zehntscheuer mehr für die Bürgerschaft öffnen könnte. Der damalige Bürgermeister Rainer Schaller hatte beim Tag der offenen Tür anlässlich des Abschlusses der Arbeiten davon gesprochen, dass in rustikaler Umgebung durchaus auch Trauungen vorstellbar wären. Auch ließe sich unter dem wuchtigen Gebälk sehr wohl der eine oder andere Adventsmarkt veranstalten.

Es gab viele gutgemeinte Pläne, sagte Steinheims jetziger Bürgermeister Olaf Bernauer. Sogar Zuschussanträge an das EU-Förderprogramm Leader Plus wurden gestellt. Allein, es floss aus europäischen Töpfen kein Geld nach Steinheim. Es hätte einiges an Euro bedurft, um die Vorgaben für Brandschutz, Barrierefreiheit und Fluchtwege befriedigend umzusetzen.

Da aber in der Gemeinde dringlichere Vorhaben anstanden, wurde die Causa Zehntstadel erst einmal auf die Seite gelegt. Altbürgermeister Dieter Eisele betonte im Ausblick auf das Hockfest: „Es bleibt am Zehntstadel immer etwas zu tun.“ Und dabei geht der Blick nach oben: Das große Dach darf kein Loch bekommen.

Dachstuhl wird untersucht

In der Zwischenzeit blieb man aber nicht untätig. Experten aus Hannover untersuchten aus dem Dachstuhl entnommene Holzkerne. Das Ergebnis der sogenannten dentrochronologischen Untersuchung ist eindeutig: Die Balken wurden aus Bäumen gezimmert, die 1617 geerntet worden waren. Damit überstand der Zehntstadel den 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen Krieg offenbar unbeschädigt.

Die Experten des Landesdenkmalamtes bescheinigten dem eher schmucklosen Gemäuer ein Kulturdenkmal zu sein, das sowohl wissenschaftlich als auch heimatgeschichtlich doch von großem Wert sei.

Das mittelalterliche Dachgebälk, das dreigeschossig ist, sei stabil und sehr gut erhalten. Kein Wunder: Der Heimatverein hatte viele morsche Trittbretter gegen neue ersetzt und die Etagen zugänglich gemacht. Eine große Treppe wurde eingebaut und dort jenes restaurierte, schmiedeeiserne Treppengeländer aus dem alten Rathaus installiert, das dem Holzschwamm und der Abrissbirne zum Opfer gefallen war.

Nun sind dort auch landwirtschaftliche und handwerkliche Gerätschaften, darunter eine Wagnerwerkstatt, zu besichtigen. Der Landauer der Gemeinde hat einen würdigen Platz gefunden, ebenso ein Fluchtwagen der heimatvertriebenen Donauschwaben. Auch erinnern sich die „alten“ Steinheimer an den Leichenwagen, der bis 1969 von Pferden gezogen durch das Dorf zum Friedhof fuhr. Für kleine Gruppen steht dieses Kutschenmuseum bei Bedarf offen.

An einer der Wände befindet sich noch eine Holztafel, auf der festgehalten war, wann der Gemeindebulle Deckzeiten hat und die Bauern ihre Kühe vorbeibringen konnten. Ein Teil der Zehntscheuer war Farrenstall, bis zunehmend die künstliche Besamung die Vatertierhaltung überflüssig machte.

Dendrochronologie: Was Bäume zu erzählen haben

Die Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, die die Geowissenschaften anwenden. Die Jahresringe der Bäume sind je nach Jahr und Witterung unterschiedlich breit ausgeprägt.

Sie lassen sich einer bestimmten Wachstumsperiode zuordnen. Die Dendrochronologie ist Teil der allgemeinen Holzkunde. Erfunden hat sie der US-Astronom Andrew Ellicott Douglass (1867 - 1962). Er stellte einen Zusammenhang her zwischen Erdklima und dem elfjährigen Zyklus der Sonnenflecken.

Die Bohrkerne der Tannen und Fichten ergaben, dass die Bäume im Wachstum besonders auf Wassermangel und Temperaturschwankungen reagieren.

Inzwischen ist die Forschung so verfeinert, dass die Datierung über 12 480 Jahre (Hohenheimer Holzkalender) zurückreicht und dass per Computertomografie dreidimensionale Modelle der Holzstruktur gefertigt und beurteilt werden können. kdk

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