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Brauchtum-Pfelger bekommen Grundstück

Die Interessengemeinschaft Sontheim (IGS), die sich dem Brauchtum und dem Bewahren alter landwirtschaftlicher Geräte verschrieben hat, bekommt von der Gemeinde pachtweise ein Grundstück und kann dort eine große Lagerhalle errichten. Die stand einst auf dem Gelände der Firma Gardena (Niederstotzingen).

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Ein sogenannter „Glaskasten“ zog als Lokomotive den „Gähsmetzger“. Das Bayrische Bähnle zwischen Sontheim und Gundelfingen wurde 1956 stillgelegt. Die Nachbildung dieser Lok hatte die Interessengemeinschaft Sontheim als Festwagen für den Umzug 150 Jahre TV Brenz gestaltet.  Foto: 

Bislang sind die Schätze der Interessengemeinschaft auf viele Schultern, respektive Scheunen in Sontheim verteilt. Bäuerliches Kleingerät gehört ebenso dazu, wie uralte Dresch- und Mähmaschinen und Gerätschaften zum Beispiel zum Verarbeiten von Flachs. Neuerdings besitzt IGS eine kleine Rangierlok, einen ehemaligen Waggon eines Bauzugs und die Kurzausgabe eines Niederbordwagens. Sie stehen auf dem Rumpfgleis, das vom „Gähsmetzger“, der einstigen Bayrischen Bahn, noch übrig sind.

Einen Gleisanschluss an die Brenzbahn wird es nicht mehr geben. Der alte Schienenstrang ist seit den 1960er Jahren entwidmet. Eine Wiederinbetriebnahme wäre ein schwieriges Unterfangen; eine Weiche am Bahnübergang Niederstotzinger Straße wegen der heute üblichen elektronischen Vernetzung im Grund für einen Verein unbezahlbar. Außerdem erfordert so eine Weiche hohe Wartungskosten, die die Deutsche Bahn nicht schultern will, weil sie mit der kurzen Museumsbahn kein Geld verdienen kann. Enorm hoch seien auch die Hürden, die zu nehmen sind, wollte man mit dem kleinen Zügle Passagiere befördern, sagte Erich Wykydal, der IGS-Vorsitzende gegenüber unserer Zeitung am Rande der Feiern zum 150-jährigen Bestehen des Turnvereins Brenz. Das Bundesbahn-Eisenbahnamt in Minden und andere Behörden würden mitreden wollen.

In einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats war das Grundstück für die Interessengemeinschaft Sontheim für Brauchtum und Technik ein wichtiges Thema. Zwischen der Bayrischen Bahn und der Brenzbahn, südwestlich der Hermann-Eberhardt-Halle ist ein Grundstück mit dreieckigem Zuschnitt vorhanden. Es gehört in Teilen der Gemeinde und in Teilen einem Sontheimer.

Die Lagepläne wurden kurz vor dieser Sitzung noch einmal überarbeitet, der geplante Hallenbau weiter weg von der Brenzbahn verschoben. Bürgermeister Matthias Kraut erklärte das damit: „Die Brenzbahn könnte eines Tages zweigleisig ausgebaut sein und dann wollen wir nicht mit dem IGS-Bau in die Quere kommen.“ Die „Zuwegung“ zu dem Grundstück erfolgt über ein Sträßchen bei der Gemeindehalle. IGS habe sich bereit erklärt, die Kosten für die Anschluss- bzw. Versorgungsleitungen (Strom, Wasser und Abwasser) zu übernehmen. Auch würde sich der Verein der Pflege von Zufahrt und Grundstück annehmen.

Die Aussichten, für dieses Vorhaben, Geld aus dem europäischen Förderprogramm Leader zu bekommen, nannte Bürgermeister Kraut „nicht schlecht“. An den Gemeinderat gerichtet, sagte er: Die Verträge sollten nun so gestaltet sein, dass eines Tages – bei Bedarf – IGS von der Gemeinde das Grundstück kaufen könne.

Die Debatte am Ratstisch war ungewöhnlich kurz: Bernd Moser (CDU) äußerte, dass die Gemeinde die Option sich offen halten sollte, dass sie doch noch auf das Grundstück zugreifen kann, sollte an dem Bahnübergang vielleicht eine Unterführung gebaut werden. Kraut: „Wir als Gemeinde wären bereit, das Grundstück zu verkaufen. Wir müssen es aber nicht... So sollte das vertraglich niedergelegt werden.“

Nach der Höhe des Pachtpreises erkundigte sich Walter Unseld (FWV). Er wurde hier auf die nicht-öffentliche Sitzung vertröstet. „Eine gute Lösung, die sich hier abzeichnet,“ kommentierte SPD-Fraktionschef Reiner Lindenmayer und freute sich mit IGS: „Dort kommt ein Schmuddeleck weg.“

Einstimmig fassten die Gemeinderäte den Beschluss, das Gelände-Dreieck der Interessengemeinschaft zu überlassen. Erich Wykydal, der als Zuhörer in der Sitzung war, freute sich mächtig. Das Areal ist groß genug, um dort Brauchtum zu pflegen oder vorzuführen.

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