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Neue Pflanze für Biogas wird in Gussenstadt getestet

Die sogenannte Durchwachsene Silphie könnte eine echte Alternative zum Mais sein: Sie erfordert weniger Aufwand bei fast gleichem Ertrag.

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Karl-Heinz Bosch ist Vorsitzender der Energiegenossenschaft Gussenstadt.  Foto: 

Wer mit wachem Blick in den vergangenen Wochen rund um Gussenstadt unterwegs war, wird sich vielleicht gewundert haben: Gegen Ende des Sommers, wenn das Getreide schon geerntet und der Mais fast reif ist, wenn es in der Landschaft nur noch wenige Farben außer Grün und Braun gibt, strahlen hier immer wieder ein paar leuchtend gelbe Felder.

Es sind aber weder Sonnenblumen noch Raps, die hier ein Leuchten in den Spätsommer bringen, sondern die Durchwachsene Silphie. Die Staude mit dem ungewöhnlichen Namen – bei den Gussenstadter Nutzern klingt das fast zärtlich wie „d'Silvie“ - ist auf den Äckern der Ostalb noch recht neu, ihr Anblick könnte aber bald Gewohnheit werden.

Ortstermin mit Karl-Heinz Bosch Der Nebenerwerbslandwirt ist Vorsitzender der örtlichen Energiegenossenschaft. Als er und seine Kollegen vor einigen Jahren eine Anlage in Hermaringen besuchten, sah Bosch die Durchwachsene Silphie zum ersten Mal, angebaut als Energiepflanze, die, ähnlich wie der Mais, am Sommerende gehäckselt und ins Silo eingebracht wird, um später in der Biogasanlage vergoren zu werden. Nur dass die Silphie im Vergleich zum Mais etliche Vorteile versprach.

Boschs Interesse war geweckt. Er las sich ein und bestellte schließlich 2015 ausreichend Schößlinge für einen 20 Ar großen Ackerstreifen am Ortsrand. Mittels einer alten Gemüsepflanzmaschine brachten sie die Silphie in den Boden, dann wurde es trocken und heiß, sie mussten die Pflanzung gießen.

Bosch schüttelt heute den Kopf über den Aufwand, den sie vor zwei Jahren trieben. Dennoch: Auch wenn Bosch unsicher ist, ob sich die hohen Investitionen auf diesem schmalen Streifen Land je rechnen werden – das Ergebnis ist sehenswert. Übermannshoch stehen die Stauden mit ihren kräftigen vierkantigen Stängeln in der Sonne, so dicht, dass es am Boden praktisch dunkel ist.

Weit weniger Arbeit als Mais

Darüber summt und brummt es, an fast jeder Blüte tummeln sich Bienen oder Schmetterlinge. Kein Wunder, dass die Durchwachsene Silphie aus ökologischer Sicht Punkte macht, und zum Beispiel von Imkern sehr geschätzt wird, denn üblicherweise finden Bienen so spät im Sommer nur noch wenig Nahrung. Somit erlangt die Silphie quasi aus dem Stand eine höhere Akzeptanz, als sie der großflächig angebaute Mais derzeit noch hat.

Bosch weiß aber noch von mehr Vorzügen zu berichten: Zum einen erbringe die Pflanze nur unwesentlich weniger Gasertrag als Mais. Im Gegenzug erfordert die aus Nordamerika stammende Staude in der Summe weit weniger Arbeit. Während die Silphie im ersten Jahr nur ein niedriges Büschel Blätter ausbildet, die sogenannte Bodenrosette, geht sie ab dem zweiten Jahr immer wieder in die Höhe.

Offenbar wurde die Durchwachsene Silphie auch schon in der einstigen DDR als Viehfutter angebaut, setzte sich aber nicht durch.

Die Gussenstadter rechnen mit mindestens zehn bis 15 Jahren, in denen sie die Silphie immer wieder ernten können. Dabei, so Bosch, könnten sie auf Bodenbearbeitung verzichten. Und ist sie erst einmal etabliert, ist nach Expertenmeinung auch kaum noch Unkrautbekämpfung nötig. Als Dünger kommt beispielsweise der Gärrest aus der Biogasanlage in Frage.

Über ihre Lebenszeit hinweg bildet die Silphie zudem ein sehr dichtes und bis tief in den Boden reichendes Wurzelwerk aus, das sogar in Hanglagen die Bodenerosion bei Starkregen unterbinden soll. Zudem kann die Pflanze offenbar auch der vieldiskutierten Nitrat-Auswaschung ins Grundwasser entgegenwirken. Ob und wie genau das funktioniert, erforschen Wissenschaftler des Braunschweiger Julius-Kühnen-Instituts derzeit.

(K)eine Wunderpflanze?

Von einer „Wunderpflanze“, wie beisweilen schon zu hören war, möchte Karl-Heinz Bosch freilich nicht sprechen. Die Biogas-Genossen möchten aber nach und nach ein Viertel bis ein Drittel des bislang eingesetzten Maises durch Silphie ersetzen. Aktuell bauen neben Bosch bereits sechs weitere Genossen die Staude an, auf insgesamt 18 Hektar Fläche. Nächstes Jahr wollen sich wohl weitere Bauern beteiligen, sagt Bosch.

Mittlerweile sind auch die Anfangsinvesitionen gesunken: Seit 2016 lassen sie die Silphie von einem Betrieb aus dem Bodenseeraum säen, was die Kosten auf ein Viertel drückt. Noch klappt längst nicht alles perfekt. Bosch zeigt auch ein Feld, auf dem er wohl zu wenig gedüngt habe, weshalb einiges an Unkraut schneller wuchs als die Silphie. Dort will er nächstes Jahr nachpflanzen, wohl wissend, dass Pioniergeist eben manchmal auch Rückschläge vertragen können muss. „Wenn es funktioniert, ist es eine gute Investition“, so Bosch.

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