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Bibliothekar Jentsch macht Sparvorschläge für Bücherei

Der Gemeinderat hatte Thomas Jentsch ins Gremium zitiert. Ein steigender Zuschussbedarf der Stadtbücherei war einigen Stadträten sauer aufgestoßen. Deren Leiter hatte am Donnerstagabend aber nicht nur gute Begründungen mitgebracht, er zeigte zugleich Einsparmöglichkeiten auf. Dafür gab es durch die Sitzungsbänke großes Lob.

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Hat selbst Vorschläge gemacht, wie die Stadtbücherei finanziell besser ins Lot kommen könnte: Bibliothekar Thomas Jentsch.  Foto: 

Um rund 30 000 Euro auf 308 000 wird der Zuschussbedarf der Stadtbücherei im kommenden Jahr steigen – so sieht es der Haushaltsplan 2016 vor. Nach den jetzt getroffenen Beschlüssen des Gemeinderats wird es nicht so kommen. Gleich eine handvoll Vorschläge zum Sparen hatte Jentsch zur Sitzung mitgebracht zur, die allesamt von den Stadträten gebilligt wurden. Demnach werden ab 2016 die Jahresgebühren von 15 auf 17 Euro angehoben, die Stadtbücherei will rascher mahnen und es wird keine Azubi-Stelle mehr geben. Das schon angelaufene Bewerbungsverfahren soll unverzüglich abgebrochen werden. Ursprünglich, so Jentsch, sei diese Stelle geschaffen worden, um Jugendlichen am Ort eine Ausbildungsmöglichkeit zu geben. Unter den 23 eingegangenen Bewerbungen sei aber keine einzige auf der Stadt, nur drei aus Giengen und Heidenheim und alle übrigen von weit außerhalb der Region. Ersetzt werden soll die Azubi-Stelle von einer technischen Kraft mit einem 20%-Arbeitsauftrag. Unterm Strich bleibt eine dauerhafte Einsparung von 8500 Euro.

Korrigieren konnte Jentsch seinerseits den Zuschussbedarf, weil er seit Jahren unverändert eine Einnahme von 1500 Euro im Haushaltsplan für die von der Bücherei organisierten Lesungen hatte stehen lassen. Realistisch seien mittlerweile Einnahmen von 4500 Euro. Zudem denkt Jentsch daran, die Eintrittsgebühren bei prominenten Autoren zu erhöhen. Ein Vergleich bei den Lesungen von Roger Willemsen, zu dem in Herbrechtingen 400 Besucher gekommen waren, habe gezeigt, dass andernorts ein deutlich höherer Eintritt verlangt worden sei.

Überraschend war der Vorschlag von Jentsch, für Herbrechtingen die Gelben Säcke ausgeben zu wollen. Hintergedanke: Jeder Herbrechtinger solle möglichst einmal im Jahr in die Bücherei kommen. Immer noch, zum Bedauern von Jentsch, sei das Kulturzentrum Kloster eine unterschätzte Größe, sei nicht jedem bewusst, dass hier eine Bücherei sei und es sei auch nicht jedem bewusst, welche Angebote diese heute machen könne.

Seitens der Räte müssten aber nicht gerade die Behältnisse für den Verpackungsmüll zum Zugpferd für die Stadtbücherei werden. Jentsch sei frei, sich einen anderen Publikumsbringer einfallen zu lassen.

Dass Bibliothekar zu sein mehr bedeutet, als die Bücher in den Regalen staubfrei zu halten, illustrierte Jentsch mit einer Fülle von Aktivitäten, aus denen besonders das Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche heraussticht. So hilft man im Hause nicht nur Schülern bei Referaten, indem man auf passende Literatur verweist, auch Lehrer lassen sich ganze Kisten Lese- und Anschauungsmaterial für ihren Unterricht liefern. „Für uns zählt das dann als eine Ausleihe.“ Kinder aber, so Jentsch, seien nun mal „das Publikum von morgen.“

Die rückläufigen Ausleihen in der Bücherei entsprechen laut Jentsch einem bundesweiten Trend, der auch mit dem Geburtenrückgang zu tun haben können. E-Books sieht der Bibliotheksleiter nicht als große Konkurrenz. Untersuchungen bei der On-Leihe zeigten, dass deren Kunden vorher kaum Buchausleiher gewesen seien.

Jentsch, seit nunmehr über zwölf Jahren Leiter der Stadtbücherei, konnte aus dieser Perspektive auch darlegen, dass der Etat der Bücherei für alle Anschaffungen und Veranstaltungen kaum gestiegen sei: in den letzten sieben Jahre gerade um 10 000 auf 48 000 Euro. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier prasse.“.

Auch nicht beim Personal: fünf Mitarbeiter bündeln sich zu drei Vollstellen. „Zudem haben wir einen legendär niedrigen Krankenstand.“ Er und seine Stellvertreterin hätten seit 2009 nicht einen Tag gefehlt.

21 000 Besucher pro Jahr zählt man in der Bücherei, die dort gut gefüllte Regale vorfinden. Die Richtlinie zwei Medien pro Einwohner erfüllt die Herbrechtinger Einrichtung nahezu. Unschlagbar ist sie im Vergleich mit den Einrichtungen in Giengen, Heidenheim und Gerstetten, was den Umsatz der Bücher, Hörbücher, CDs, DVDs und Spiele anlangt. Die Zahl der Entleihungen geteilt durch die Zahl der Einwohner bringt für Herbrechtingen einen Wert von 7,42. Selbst Heidenheim ist mit 3,65 schon weit abgeschlagen, Giengen mit 1,45 Schlusslicht.

Um knapp 15 000 Euro könnten die jetzt beschlossenen Maßnahmen den Zuschussbedarf der Bibliothek verringern. Bürgermeister Dr. Bernd Sipple stärke Jentsch deutlich den Rücken. „Wir wissen, was wir an Ihnen haben.“ Auch Hermann Mader (Freie Wähler), der mit einen Rechenschaftsbericht der Bücherei eingefordert hatte, attestierte dass die Leitung der Bücherei „in besten Händen“ sei. „Mein Kompliment“, meinte Manfred Strauß (CDU), der sich vor allem dafür bedankte, dass Jentsch von sich aus Vorschläge gemacht hatte, um die Zuschüsse zu senken. „Sie haben unseren Willen verstanden.“

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