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Betrug an Flüchtlingen bei der Wohnungssuche?

Erst abkassieren, dann keine Wohnung vermitteln: Auf die Art wurden wohl Flüchtlinge in mehreren Camps hintergangen.

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Beim Freundeskreis Asyl wurden in mehreren Orten Fälle gemeldet, bei denen Personen als vermeintliche Wohnungsvermittler in Flüchtlingsunterkünften Geld kassiert haben sollen.  Foto: 

Hundert Euro zahlen, damit jemand anderes eine passende Wohnung für einen findet – das klingt erst einmal gar nicht so schlecht, könnte man sich doch viel Stress ersparen. Vor allem, wenn man beispielsweise aus Syrien geflohen ist, die deutsche Sprache noch nicht hundertprozentig beherrscht und auch die Gepflogenheiten im neuen Land noch nicht kennt.

Genau das haben sich wohl auch andere gedacht und die Situation für sich genutzt: Bei Helfern der Freundeskreise Asyl in Nattheim, Heidenheim und auch in Gerstetten wurde bekannt, dass sich in den vergangenen Wochen Personen scheinbar als eine Art Immobilienmakler ausgegeben und die verschiedenen Flüchtlingscamps besucht haben.

100 Euro im Voraus zahlen

„Dort bieten sie den Flüchtlingen Wohnungen an, die sie wohl selbst aus der Zeitung oder dem Internet herausgesucht haben. Die Flüchtlinge müssen im Voraus um die 100 Euro zahlen und dann schaut man sich die Wohnung an“, so Jürgen Skaruppe vom Freundeskreis Asyl in Nattheim. Das Problem dabei: Ein Mietvertrag komme so gut wie nie zustande, da meist noch zahlreiche andere Interessenten bei der Besichtigung seien. Und ein solches Abkassieren im Voraus ist laut Wohnungsvermittlungsgesetz nicht erlaubt, sofern kein Mietverhältnis zustande kommt.

Sich eigene Wohnungen suchen dürfen nur diejenigen Flüchtlinge, die anerkannt sind und eine Aufenthaltserlaubnis haben – was bei einem Großteil der Syrer der Fall ist. Und auf diese Personengruppe scheinen es die Betrüger abgesehen zu haben. „Auch in Heidenheim werden die Flüchtlinge auf der Suche nach einer Wohnung auf diese Weise hintergangen“, sagt Gisela Moukam, Integrationstrainerin in Heidenheim. Sie wisse von einem konkreten Fall, bei dem ein Syrer seine Landsleute betrogen habe – mit genau dieser Masche: „Meist hat er die syrischen Flüchtlinge angesprochen, die in der Waldkirche untergebracht waren“, so Moukam. Einen Gewerbeschein habe er ihres Wissens nach nicht, zudem habe er wohl noch nicht eine Wohnung vermittelt.

Helfer informieren über Risiken

In Giengen als auch in Herbrechtingen hat man seitens des Freundeskreises Asyl bislang noch nicht von Fällen dieser Art gehört. „Auch in Gerstetten ist das, zumindest was die Anschlussunterbringungen betrifft, noch nicht vorgekommen“, sagt Dr. Helga Ströhle vom Freundeskreis Asyl Gerstetten. Jedoch habe es vor Wochen einen Syrer gegeben, der in der Behelfsunterkunft als Wohnungsvermittler aufgetreten sei und ebenfalls im Voraus Geld von den Flüchtlinge verlangt habe. „Die Behelfsunterkunft wird nun ja aufgelöst, viele kommen ins Heidenheimer Integrationszentrum. Dort muss man dann umso mehr auf so etwas achten“, sagt Dr. Ströhle.

Auch dem Landratsamt ist die Problematik bekannt. Die Sozialpädagogen vor Ort informieren und klären die Bewohner der Unterkünfte entsprechend auf, so Pressesprecherin Pia Helmle. Auch die ehrenamtlich tätigen Helfer informieren die Flüchtlinge über das Risiko. Nachdem jedoch die Besucher in den Unterkünften ein- und ausgehen können, hat das Landratsamt keine Handhabe, diesen „Maklern“ einen Riegel vorzuschieben oder den Zutritt zu verbieten.

„Als ich mitbekommen habe, dass diese Abzocke auch in Heidenheim vorgekommen ist, wollte ich das Ganze zuerst im Guten regeln und Gespräche führen. Doch es sind ja mehrere und nicht nur eine Person – alleine kann ich da nichts bewirken“, sagt Moukam. Inzwischen wurde zwar auch die Polizei eingeschaltet, doch dort, so teilt Polizeihauptkommissar Wolfgang Jürgens als Sprecher der Ulmer Polizeidirektion mit, war der Sachverhalt bislang nicht bekannt. „Wir prüfen das jetzt und schauen, was dran ist“, so Jürgens.

Gesetzliche Regelungen zur Wohnungsvermittlung

Immobilienmakler oder Wohnungsvermittler ist, wer gewerbsmäßig Grundstücke oder Wohnräume vermittelt.

Der Vermittler darf laut dem Wohnungsvermittlungsgesetz kein Geld für den Vermittlungsversuch oder die Wohnungsbesichtigung verlangen, wenn anschließend kein Mietvertrag zustande kommt. Nur, wenn ein Mietverhältnis eingegangen wird, darf der Vermittler eine Provision verlangen

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