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Auf in den Sattel, ab über den Albuch

Das Felsenmeer kennt jeder. Aber die Weiherwiesen? Schon schwieriger. Mathias Ostertag hat die Orte mal mit dem Rad erkundet.

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Wentalweible, Windräder bei Lauterburg, Staudamm Gnannental und die Kreuzung am Grenzstock (von oben links im Uhrzeigersinn): Die Vielseitigkeit des Albuch lässt sich problemlos per Rad erkunden – sofern man bereit ist, 30 Kilometer am Stück zu radeln.  Foto: 

Ja klar, Bartholomä kennt jeder. Zumindest jeder, der aus dem Raum Steinheim-Königsbronn-Gerstetten-Heidenheim kommt. Einerseits sicher auch aufgrund der kurvenreiche Wegstrecke in Richtung Schwäbisch Gmünd bzw. wenn's weitergehen soll, über die B 29 nach Stuttgart. Aber darüber hinaus? Der „sagenhafte Albuch“? Das Wentalweible? Der Staudamm im Gnannental? Ganz ehrlich, da müssen viele passen. Ich auch. Mehr als das Wental und dessen beeindruckende Hinterlassenschaften in Form des Felsenmeers kennen die meisten Kreisbewohner wohl nicht.

Und das kann ein Fehler sein. Denn ohne Zweifel lässt sich behaupten, dass es da am nördlichen Rand des Landkreises landschaftlich reizvolle Orte gibt, die sich bequem erwandern oder auf dem Rad erkunden lassen. So wie vor Kurzem einige Mitglieder der „Touristikgemeinschaft Sagenhafter Albuch“ – dazu gehören die Gemeinden Steinheim, Königsbronn, Bartholomä, Heubach, Essingen) – die zu einer Radtour auf dem Albuch eingeladen hatte. Was ich als Redakteur damit zu tun habe? Einfach mal einen solchen etwas anderen Termin wahrnehmen – fernab von Grußworten, Lobeshymnen und Spatenstichen.

Der Dresscode? Radfahreroutfit. Die zeitliche Vorgabe? Keine. Allenfalls, dass alle gesund am Dorfhaus in Bartholomä bzw. an der Wental-Gaststätte ankommen. Doch erst einmal führt die vorgesehene Tagestour, die unter dem Titel „Raderlebnis pur“ firmiert, durch das Bartholomäer Neubaugebiet raus in die Natur. Die leichte Steigung lässt sich gut treten, es geht entlang von Feldern und vorbei am Windpark Lauterburg mit seinen fünf Windkraftanlagen. Ein fast schon typischer Anblick in unserer Region, gibt es doch die imposanten Windräder inzwischen in fast jeder Ecke Ostwürttembergs. Erinnert fast ein bisschen an Nordsee-Urlaube.

Aber die Ostalb steht doch weniger für Deiche, Dünen und Gezeiten. Sondern eher schon für Wacholderheiden, große Mischwaldgebiete, Hochflächen und ein stetiges Auf und Ab. Und auch für die Weiherwiesen, ein Naturschutzgebiet in der Nähe des Örtchens Tauchenweiler zwischen Bartholomä und Essingen. Die Weiherwiesen, ein echtes Kleinod, bestehen aus einer großen Lichtung mit einem großen und kleinen Weiher und sind Heimat artenreicher Vegetation. Seltene Pflanzen wie die Trollblume sind hier zu finden. Dorthin kommt man nur über einen dicht bewachsenen Wiesenpfad, was mit dem Mountainbike zwar noch einfach zu bewältigen, sich für Besitzer anderer Fahrradtypen aber als deutlich schwerer zu bezwingen herausstellt. Details zum Ort wusste auch Thomas Kuhn, Bürgermeister von Bartholomä: so wurden in einem der Weiher im 19. Jahrhundert bis zu 20 000 Schafe vor der Schur gewaschen wurden. 1860 waren die beiden Weiher dann trockengelegt worden, bevor sie mit hohem finanziellen Aufwand wieder aufgestaut und in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurden. Seit 1978 sind die Weiherwiesen Naturschutzgebiet.

Weiter geht's im Sattel, quer durch den Wald. Ohne die ortskundigen Radfahrer der Radsportfreunde Bartholomä hätte sich unsereins irgendwo im Wald zwischen Bartholomä, Essingen und Zang verfahren. Doch irgendwie führen alle Wege zum Ziel und das heißt nun „Beim Grenzstock“. Dieser Kreuzungspunkt direkt auf der Markungsgrenze von Königsbronn und Bartholomä ist allein deshalb besonders, weil er sich gleich in fünf verschiedene Wege gabelt, die jeweils in eine andere Richtung führen. Von dort geht's weiter nach Zang bei kurzer Erfrischung im Biergarten von „Widmann's Löwen“, bevor die rasante Abfahrt hinab in den Meteorkrater Steinheims führt. Da kommt der mitradelnde Bürgermeister Olaf Bernauer nicht umhin, den historischen Boden ausreichend zu würdigen, dem er als Gemeindeoberhaupt vorsteht.

Von Steinheim aus führt die Wegstrecke durchs Hirsch- und Gnannental (mit dem beeindruckend großen Staudamm) – bei leichter Steigung und ständig wechselnder Vegetation. Der Staudamm war in den Jahren 1954 und 1958 als eine von vielen Maßnahmen gegen Hochwasser gebaut worden. Die Dammhöhe beträgt 16 Meter, das Staubecken fasst 1 350 000 Kubikmeter, erfährt man. Und dass das Becken bisher noch nie vollgelaufen ist. Was natürlich auch mit den Aufforstungsbemühungen im Wental vor mehr als einem Jahrhundert zu tun haben dürfte.

Auf dem Wentallehrpfad führt die Radtour, an der neben den Bürgermeistern Kuhn und Bernauer unter anderem auch der Heubacher Amtskollege Frederick Brütting samt Sohnemann im Fahrradanhänger teilnahm, nun bei sanfter Steigung und vorbei am Wentalweible zum Landgasthof Wental, wo die Fahrt nach dreieinhalb Stunden und rund 30 Kilometern in den Beinen endet. Das kühle Bier haben sich jetzt alle mehr als verdient.

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