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Zwei Ärzte weniger in Heidenheim und wie sieht’s in Giengen aus?

Die Stadt Heidenheim verliert zum Jahresende gleich zwei Hausarztsitze, weil Nachfolger Mangelware sind. Die Patienten sollen jetzt auf die Kollegen verteilt werden.

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Kurz vor dem Ruhestand: Dr. Thomas Bünnigmann und Dr. Peter Müller (von rechts) hören zum Jahresende auf. Christoph Bauer, Leiter des Gesundheitsamts (links), und Dr. Jörg Sandfort, Vorsitzender der Kreisärzteschaft, sorgen sich um die Versorgung.  Foto: 

Peter Ulrich Müller geht zum Jahresende in den Ruhestand, nachdem er 35 Jahre lang Hausarzt in Schnaitheim war. „Es tut weh, nach so langer Zeit die Patienten gehen zu lassen“, sagt der Allgemeinarzt. Neben der persönlichen Komponente hat Dr. Müllers Praxisschließung aber auch noch eine gesundheitspolitische: Müller hat genauso wie sein Kollege Dr. Thomas Bünnigmann keinen Nachfolger für seine Praxis gefunden.

Deshalb gehen der Stadt Heidenheim zum Jahresende zwei Arztsitze verloren. „Ich habe zwei Jahre lang intensiv versucht, die Nachfolge zu regeln“, erzählt Bünnigmann. Während üblicherweise mehrere 10 000 Euro für die Übernahme einer Praxis bezahlt werden, hätte Bünnigmann den Arztsitz auch verschenkt - selbst davon ließ sich kein potenzieller Nachfolger anlocken.

Warum finden sich keine Nachfolger?

„Jetzt wird's akut“, sagt Christoph Bauer, leitender Medizinaldirektor im Landratsamt Heidenheim. „Die Überversorgung mit Hausärzten im Stadtgebiet bröckelt ab“, so Bauer, es finden sich nur schwer Nachfolger. Viele Mediziner würden das unternehmerische Risiko scheuen und sich geregelte Arbeitszeiten wünschen, so der Leiter des Gesundheitsamtes.

Jedoch hätten sich die Arbeitsbedingungen aufgrund der zentralen Notfallpraxis, die die Nacht- und Wochenenddienste für die Hausärzte übernimmt, sehr verbessert, gibt Dr. Müller zu bedenken. Trotzdem: Junge Ärzte könnten sich heute aussuchen, wo und auf welchem Fachgebiet sie arbeiten wollen, bei der Hausarztversorgung stünden zudem die Städte und Landkreise in Konkurrenz zueinander, so Bauer.

Auf dem Papier bleibt Heidenheim noch überversorgt, das Verhältnis Einwohner pro Arzt erhöhe sich zum neuen Jahr von 1373 auf 1454. Da die Kassenärztliche Vereinigung ein Soll von 1647 Einwohner pro Arzt vorgebe, sei die Situation noch nicht dramatisch.

Die Stadt bleibt überversorgt

In Heidenheim geht es nun in erster Linie um die Versorgung der rund 2100 Patienten, die aus den Praxen Müller und Bünnigmann kommen. Rein rechnerisch sollten die niedergelassenen Kollegen pro Arztsitz 66 Patienten übernehmen, was aber nicht in jeder Praxis möglich ist. Deshalb trafen sich vor kurzem die Hausärzte auf Einladung des Vorsitzenden der Kreisärzteschaft Dr. Jörg Sandfort, um einen Handlungsplan zu entwickeln.

Bei diesem Treffen wurde beschlossen, eine Liste derjenigen Hausarztpraxen zu erstellen, die noch Patienten aufnehmen. Diese Liste ist in den Praxen Müller und Bünnigmann erhältlich, sie soll jede Woche aktualisiert werden, wenn sich Änderungen ergeben. „Von den Patienten wird eine gewisse Mobilität erwartet“, sagt

hierzu Dr. Sandfort. Denn klar ist auch, dass die benachbarten Praxen der beiden Ruheständler als erste angefragt werden und natürlich nicht alle Patienten übernehmen können.

Konzentration wird erwartet

Auf längere Sicht gesehen werde es ohnehin zur Konzentration bei den Hausarztpraxen kommen, meint Christoph Bauer. Denn der Leiter des Gesundheitsamtes ist sich auch sicher, dass nur Gemeinschaftspraxen oder medizinische Versorgungszentren als Organisationsformen Zukunft haben. „Dort, wo mehrere Ärzte zusammenarbeiten, sind auch Teilzeitmodelle möglich“, meint er.

Diese werden in Zukunft noch mehr gebraucht, weil 70 Prozent der Absolventen des Medizinstudiums inzwischen Frauen seien, sagt Dr. Sandfort. Dieser zeigt in seiner eigenen Praxis in Steinheim, wie es funktioniert, wenn mehrere Hausärzte mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen zusammen tätig sind. „Der Vorteil einer größeren Praxis ist auch, dass mehr nichtärztliches Personal eingestellt werden kann, das beispielsweise Hausbesuche übernimmt und die Ärzte entlastet,“ so Sandfort.

Im „Atlas hausärztliche Versorgung“ haben Gesundheitsamt und Kreisärzteschaft festgestellt, dass der Generationswechsel in den Hausarztpraxen in Heidenheim 2017 beginne. Bis 2027 gehen 20 Hausärzte in den Ruhestand. Ab 2020 werde die derzeitige Überversorgung in eine Unterversorgung umschlagen. Problematisch wird auch die Situation in Giengen und Herbrechtingen gesehen, allerdings gebe es in beiden Städten bereits runde Tische, in denen das Problem diskutiert werde. „In Heidenheim ist das politisch noch kein Thema“, bedauert Bauer.

Ärztliche Versorgung in Giengen zukünftig gesichert?

Die medizinische und pflegerische Versorgung in Giengen – ist sie in Zukunft noch gesichert? Zu dieser Frage veranstaltet der CDU-Stadtverband am Montag, 20. November, um 19 Uhr im Heilig-Geist-Zentrum, Heilbronner Str. 2 in Giengen, ein Informations- und Diskussionsforum.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der in diesem Jahr von der Landkreisverwaltung herausgegebene Hausärzte-Atlas, der perspektivisch aufzeigt, mit welchem Mangel an hausärztlicher Versorgung jede Kommune im Landkreis, darunter auch Giengen, in den nächsten Jahren zu rechnen hat. Die Studie zeigt auf, dass sich die ärztliche und pflegerische Versorgungslandschaft entscheidend verändern wird und den Gesundheitsbereich nicht nur in Giengen vor große Herausforderungen stellt. Dies nicht nur durch den demographischen Wandel der Bevölkerung, sondern auch aufgrund des Generationswechsels in der Ärzteschaft und den Ärztemangel in bestimmten Fachgebieten, vor allem im ländlichen Bereich.

Generationswechsel in Giengen

„In Giengen beginnt der Generationswechsel vor allem bei den Hausärzten in diesem Jahr. Bis 2020 ist eine ärztliche Unterversorgung zu erwarten. Bis zum Jahr 2027 werden knapp 90 Prozent der Hausärzte aus Altersgründen ausscheiden“, so Jörg Wolff, Vorstandsmitglied des CDU-Stadtverbands. Er weist darauf hin, dass Nachfolgelösungen gefunden und über unkonventionelle Modelle der ärztlichen Versorgungslandschaft nachgedacht werden müsse.

„Entscheidend wird sein, ob es gelingt, den nachrückenden Haus- und Fachärzten attraktive Perspektiven zu bieten und die Einführung von alternativen Versorgungssituationen, wie Ärztehäuser und medizinische Versorgungszentren umzusetzen“, so Rudolf Boemer seitens des CDU-Stadtverbands.

„Das Forum bietet der Bevölkerung die Möglichkeit, aus erster Hand Entwicklungen, Trends und Handlungsoptionen der ärztlichen Versorgungssituation zu erfahren“, sind sich Jörg Wolff und Rudolf Boemer sicher. Gestalten werden den Abend hochrangige Referenten und Experten, mit denen über die Zukunft der Giengener ärztlichen Versorgungssituation diskutiert werden kann: Es referieren Dr. med. Jörg Sandfort, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Heidenheim, und Christoph Bauer, leitender Medizinaldirektor und Leiter des Fachbereichs Gesundheit im Landratsamt Heidenheim.

An der Podiumsdiskussion mit dem Publikum beteiligen sich darüber hinaus Kai Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Michael Svoboda, stellv. Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg und Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle. Das Forum wird von Jörg Wolff moderiert.

Auf der Facebookseite der Heidenheimer Zeitung wird über das Thema Ärztemangel diskutiert:

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