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Abschied vom Schaffer für Dorf und Gemeinde

Der Dischinger Gemeinderat ohne Harald Scherbaum? Kaum vorstellbar und dennoch Tatsache. Vor wenigen Tagen wurde der 61-jährige Ballmertshofener aus Gemeinde- und Ortschaftsrat verabschiedet - nach fast 30-jähriger Zugehörigkeit.

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So ganz freiwillig ist Harald Scherbaums Abschied aus seinen kommunalpolitischen Ämtern freilich nicht erfolgt. Nachdem er ursprünglich an ein Ausscheiden aus den Gremien gedacht hatte, entschloss sich der gebürtige Heidenheimer, der 1974 nach Ballmertshofen gezogen ist, dieses Jahr doch dazu, noch einmal zu kandidieren. „Ich sagte mir: Mach halt noch die fünf Jahre bis zum richtigen Ruhestand.“ Dass es dann von der Stimmenzahl nicht mehr ganz reichte, habe ihn schon überrascht und auch etwas enttäuscht. 34 Stimmen hätten ihm im Endeffekt bei der Gemeinderatswahl gefehlt. Scherbaum: „Entweder wissen die Leute, was man für sie getan hat, oder sie wissen es nicht. Aber das ist Demokratie.“

Das Dorf Ballmertshofen verfügt im Gemeinderat über zwei Sitze. Jahrzehntelang war Harald Scherbaum das einzige Gremiumsmitglied der CDU-Fraktion aus dem Dischinger Teilort. Im Ortschaftsrat habe es bei der Kommunalwahl 2014 kurzfristig zwei Listen gegeben und weil dann kumuliert werden konnte, habe er auch hier nicht genügend Stimmen bekommen.

Aktiv gegen das Kirchturmdenken

Die Bilanz seiner fast 30-jährigen Tätigkeit als Kommunalpolitiker sieht Scherbaum äußerst positiv: „Ich bin stolz darauf, dass ich einen großen Beitrag dazu geleistet habe, dass man miteinander schafft und dass das Kirchturmdenken weniger eine Rolle spielt. Ich habe immer die Allgemeinheit im Auge gehabt und persönliche Interessen nie favorisiert.“

Die kommunalpolitische Arbeit habe ihm gefallen. „Ich habe es gern gemacht. Es ist eine spannende Aufgabe. Man lernt viel dazu – auch in Bereichen, bei denen man als Normalbürger keinen Einblick hat.“

Rückblickend sieht Scherbaum den Anfang seines ehrenamtlichen Engagements in den Räten beim Wunsch nach einem Kindergarten in Ballmertshofen. 1983 habe man das in Dischingen nicht für nötig gehalten. Er gründete mit anderen den Ballmertshofener Kindergartenverein und wurde für acht Jahre dessen Vorsitzender. 1984 kandidierte er für den Ortschaftsrat, weil er erkannt hatte, dass man in den Gremien aktiv sein muss, wenn man etwas erreichen will. So sei es gelungen, dass die Gemeinde dem Vorhaben eines Kindergartenbaus im Teilort zustimmte.

Er selbst habe damals den Bauplan entworfen, der dann genehmigt worden sei, erzählt der 61-Jährige. An der Organisation und den vielen Eigenleistungen für den Bau wirkte er kräftig mit. 1985 war der Kindergarten fertig, der bis zum Umzug ins neue Dischinger Kinderhaus 2013 in Betrieb war. Und 1986 habe der Ministerpräsident den Kindergartenverein Ballmertshofen als vorbildliche kommunale Bürgeraktion ausgezeichnet, schildert Harald Scherbaum stolz.

Am 20. Mai 1985 begann dann auch sein Engagement als Gemeinderat in Dischingen. Scherbaum trat das Amt in der CDU-Fraktion als Nachrücker für Dieter Zandel an. Bei den folgenden Kommunalwahlen 1989 bis 2009 wurde er stets wiedergewählt. Zahlreiche Ämter kamen hinzu – vom Ausschussmitglied über die Mitgliedschaft in der Versammlung diverser Zweckverbände bis zum stellvertretenden Bürgermeister. Während diese Aufgaben jetzt endeten, gehört der 61-Jährige dem Gutachterausschuss der Gemeinde weiterhin an.

Im Gemeinderat habe er sich immer bei den Bautätigkeiten einbringen können, so Scherbaum. Als ein Ereignis, das ihn als Gemeinderat besonders beeindruckt und geprägt habe, nennt er die gemeinsame Feier mit der befreundeten Gemeinde Mittelherwigsdorf anlässlich der Wiedervereinigung 1990. Auf Ballmertshofen bezogen hebt er unter anderem die Mitwirkung bei der 850-Jahr-Feier 1989 und die Gründung des Feuerwehrvereins 2001 hervor. Und auch bei der jetzt am 29. August anstehenden 875-Jahr-Feier ist er beteiligt: Derzeit stellt er eine Ausstellung historischer Bilder aus dem Teilort zusammen.

Im Ehrenamt allgegenwärtig

Harald Scherbaum ist über die Jahrzehnte auch im gesellschaftlichen Leben immer einer der aktivsten Einwohner gewesen. Zum bereits genannten Einsatz für die Vereinswelt gehört auch, dass er mehr als zehn Jahre Vorsitzender des SV Dischingen, 14 Jahre Chef des Dischinger Tennisclubs und zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender des Ballmertshofener Gesangvereins war bzw. ist. Besonders hervorzuheben ist seine mittlerweile seit 20 Jahren andauernde Tätigkeit als Leiter der Volkshochschule Dischingen. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde zeichnete Bürgermeister Alfons Jakl Scherbaum 2014 für seine Verdienste mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg aus.

Aber auch wenn der Kommunalpolitiker im Ruhestand jetzt über mehr Zeit verfügen dürfte, geht die Arbeit nicht aus. Scherbaum, ausgebildeter Sonderschullehrer und seit 43 Jahren im öffentlichen Dienst, leitet seit 2011 die Förderschule Giengen. 72 Schüler werden hier unterrichtet. Und hinzu kommen weitere zwölf Schüler, die das Kollegium als Inklusionskinder an anderen Schulen betreut. Die Inklusion sieht er durchaus als Herausforderung, aber auch als gute Sache, für die man allerdings eine gute Ausstattung brauche. Ständig wechselnde Aufgaben gelte es als Rektor zu meistern und: „Die Personalsituation ist angespannt.“ Ein Vorruhestand ist für den 61-Jährigen jedoch kein Thema.

Zuhause wartet auf ihn täglich ein treuer vierbeiniger Gefährte: „Mecki“ ist ein aus Griechenland stammender, sanfter Straßenhund, der seit März 2014 seine neue Heimat in Ballmertshofen hat. „Mein Fitnesstrainer“, lacht Harald Scherbaum im Hinblick auf die jeden Tag notwendigen anderthalb Stunden Auslauf.

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