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Aberglaube Thema bei Ausstellung im Ursulastift

Kein Jahrhundert war abergläubischer als das Achtzehnte - so belegen es Strafakten aus dieser Zeit und so sieht es die Volkskunde. Eine Sonderausstellung im Ursulastift widmet sich unter dem Titel "Donnersteine, Teufelsfinger, Votivbilder" diesem heiklen Thema.

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Objekte des Glaubens und des Aberglaubens zeigt bis 3. Oktober die Ausstellung „Donnersteine, Teufelsfinger, Votivbilder“ in Gussenstadt.  Foto: 

Heikel ist das Thema auch deshalb, weil es eine Trennlinie zwischen abergläubischer und probater Anwendung damals nicht gab. So galt es lange Zeit als abergläubisch und deshalb verwerflich, sich gegen Rheuma von Bienen stechen zu lassen. Heute werden Präparate aus Bienengift mit Erfolg angewendet.

Die Grenzen zwischen Glaube, Aberglaube und überliefertem Brauch sind je nach Zeit, Gebiet und Konfession fließend, schreibt eine Historikerin. Noch im Mittelalter soll Karl der Große seinen Untertanen befohlen haben, die Hauswurz gegen Blitzschläge aufs Dach zu pflanzen. Mit „Ratschlägen“ ähnlicher Art befasst sich die auf drei kleinere Räume verteilte Ausstellung im Obergeschoss des Ursulastifts.

Der Heimatforscher und Geologe Dr. Anton Hegele hat Steine und Fossilien als Zauber-, Heil- und Amulettsteine gesammelt, von denen im Volksglauben einst Heilwirkungen ausgegangen sein sollen. Besonders geformte Steine wie etwa Lochsteine, schlangenförmige Ammoniten oder geschossförmige Belemniten hätten schon in der Steinzeit die Aufmerksamkeit der Menschen hervorgerufen, berichtet Hegele. Der Glaube daran, dass sich die Gestaltungskräfte auf den Menschen übertragen ließen, sei auch heute noch bei vielen Zeitgenossen verbreitet.

Abwehrende Kräfte gegen Albträume schrieb man hingegen dem Fuß eines Gockels zu, wenn er am Bett oder auch nur im Zimmer angebracht wurde. Im Ursulastift ist das Relikt ausgestellt, dient aber lediglich als Anschauungsobjekt.

Anschauungsobjekte sind auch die vielfältigen Zeugnisse religiöser Volkskunst, mit denen Jürgen Kettenmann die Ausstellung bereichert. Mit Aberglaube haben die kleinen Kunstwerke zumeist nichts zu tun. Beliebt waren, zumal auf der Alb, liebevoll gefertigte Hinterglasbilder. Auch Segenssprüche über der Stubentür sind nicht selten. In katholisch geprägten Häusern gab es den „Herrgottswinkel“ – Heiligenbildnisse und Andenken an Wallfahrten, die sich dem Reisenden in besonderer Weise eingeprägt haben. Dazu gehört auch das weit über Gussenstadt hinaus bekannte Bildnis von Christus als Apotheker, das den Gottessohn als Heilsbringer verehrt. Eine Kopie des Gemäldes verleiht der Ausstellung einen besonderen Akzent.

Die Ausstellung im erst kürzlich renovierten Stift ist bis zum 3. Oktober jeweils an Sonn-und Feiertagen von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet.

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