Partner der

Stiftung Orgeltest (14): Helmut Bornefelds Liebling steht in Dettingen

Die Orgel ist die Königin der Instrumente. Und Königinnen gewissermaßen ganz privat präsentieren wir im Rahmen einer Serie, die unsere Orgeltester heute nach Dettingen führt, wo sie einem leibhaftigen Lieblingsinstrument begegnen. Und zwar der Lieblingsorgel von Helmut Bornefeld.

|
Vorherige Inhalte
  • Diese erklingt seit dem Jahr 1975 in der Peterskirche. Und sie passt sich dort nicht nur optisch in den Raum ein, sondern sie wurde von Helmut Bornefeld zusammen mit der Giengener Firma Link für diese Kirche geradezu maßgeschneidert 1/5
    Diese erklingt seit dem Jahr 1975 in der Peterskirche. Und sie passt sich dort nicht nur optisch in den Raum ein, sondern sie wurde von Helmut Bornefeld zusammen mit der Giengener Firma Link für diese Kirche geradezu maßgeschneidert Foto: 
  • Bemerkenswert in und an der Dettinger Peterskirche ist freilich nicht nur die Orgel, sagt Pfarrer Ralf Sedlack. 2/5
    Bemerkenswert in und an der Dettinger Peterskirche ist freilich nicht nur die Orgel, sagt Pfarrer Ralf Sedlack. Foto: 
  • Bornefeld ließ sich seinerzeit selbstverständlich die Chance nicht entgehen, für diesen wunderbaren Raum, der auch unglaublich gut klingt, ein Instrument ganz nach seinen Vorstellungen zu planen. 3/5
    Bornefeld ließ sich seinerzeit selbstverständlich die Chance nicht entgehen, für diesen wunderbaren Raum, der auch unglaublich gut klingt, ein Instrument ganz nach seinen Vorstellungen zu planen. Foto: 
  • Die Orgel ist mit 19 Registern für eine Dorfkirche sehr groß, ja eigentlich riesig, wenn man bedenkt, dass sie in einer Gemeinde mit 1200 evangelischen Christen erklingt. 4/5
    Die Orgel ist mit 19 Registern für eine Dorfkirche sehr groß, ja eigentlich riesig, wenn man bedenkt, dass sie in einer Gemeinde mit 1200 evangelischen Christen erklingt. Foto: 
  • In Dettingen steht die Lieblingsorgel von Helmut Bornefeld. 5/5
    In Dettingen steht die Lieblingsorgel von Helmut Bornefeld. Foto: 
Nächste Inhalte

Diese erklingt seit dem Jahr 1975 in der Peterskirche. Und sie passt sich dort nicht nur optisch in den Raum ein, sondern sie wurde von Helmut Bornefeld zusammen mit der Giengener Firma Link für diese Kirche geradezu maßgeschneidert, auch rein optisch. Kein Wunder also, dass nicht nur Pfarrer Ralf Sedlak froh darüber ist, ein solches Instrument gewissermaßen ständig in Hörweite zu haben. „Wir haben hier einige interessierte Musiker in unserer Gemeinde, die das Instrument nutzen.“ Und selbstverständlich genießt Dettingen wegen dieser Orgel auch einen weithin hallenden Ruf in Organistenkreisen.

Die Orgel ist mit 19 Registern für eine Dorfkirche sehr groß, ja eigentlich riesig, wenn man bedenkt, dass sie in einer Gemeinde mit 1200 evangelischen Christen erklingt. Aber Bornefeld ließ sich seinerzeit selbstverständlich die Chance nicht entgehen, für diesen wunderbaren Raum, der auch unglaublich gut klingt, ein Instrument ganz nach seinen Vorstellungen zu planen. Bornefeld für Bornefeld, wenn man so will.

Bornefeld selber bezeichnete die Orgel als Erfüllung eines langgehegten Wunsches, da es einem nicht oft vergönnt sei, ein Instrument in einen akustisch so hervorragenden Raum zu integrieren. Dass man die Dettinger Orgel als Kleinod bezeichnet kann, wird niemand bestreiten. Und folgerichtig wurde sie im Jahr 2003 auch in eine Liste schützenswerter Kulturdenkmale aufgenommen.

Schon ein Blick auf das Design des Spieltisches genügt, um zu wissen, dass hier Bornefeld im Spiel war, der, von der Größe der Orgelpfeifen bis zu den Jalousien des Schwellwerks nichts dem Zufall oder gar anderen überlassen hat, sondern die Hand auf alles legte.

Und der Klang der Orgel spiegelt Bornefelds Welt in Reinkultur wider. „Die Klangkultur bei Bornefeld“, erläutert Thomas Haller, „ist sehr steil“. Dies bedeutet, dass die Orgel in den tiefen Frequenzen, die in der Romantik etwa fast das ganze Instrument beherrschen, sich eher zurückhaltend gibt, und sich hier das meiste in hohen und höchsten Frequenzen abspielt. „Hell, silbrig und vielleicht auch ein wenig bodenlos“, sagt Haller.

Trotzdem hat man in ihrem Inneren auch mit dem Schimmel zu kämpfen. Thomas Haller nutzt den Besuch deshalb, um eine Probe zu nehmen. In Dettingen will man jetzt wissen, woran man ist. Allerdings hat Haller nach einem Blick auf die befallenen Stellen eine gute Nachricht zu verkünden: „Das sieht bereits viel besser aus.“ Offenbar haben die Lüftungsmaßnahmen schon etwas geholfen.

Bemerkenswert in und an der Dettinger Peterskirche ist freilich nicht nur die Orgel. Denn die Kirche selbst wurde 1769 nach den Plänen von Joseph Dossenberger gebaut, dem Baumeister des fürstlichen Hauses Thurn und Taxis, der uns bereits als Erbauer der Dischinger Pfarrkirche St. Johannes Baptist auf unserer Orgeltour begegnet ist. Dass dieser auch in Dettingen bauen konnte ist, wenn man weiß, dass Dossenberger Katholik war, durchaus eine kleine Sensation. Es gab denn auch heftige Querelen im Vorfeld, die wohl der aus der Vergangenheit herrührende direkte Draht des damaligen Dettinger Pfarrers Philipp-Ulrich Moser zu Herzog Karl-Eugen beendete.

Dieser Philipp-Ulrich Moser wiederum, Pfarrer in Dettingen von 1767 bis 1792, war ebenfalls eine recht schillernde Gestalt, wenn man bedenkt, dass er als furchtloser Pastor Moser einen Auftritt im Schlussakt von Friedrich Schillers 1781 erstmals veröffentlichten und 1782 in Mannheim uraufgeführten Drama „Die Räuber“ hatte und immer noch hat. Schiller setzte damit seinem ehemaligen Hauslehrer, der ihn in Latein und Griechisch unterrichtet hatte, ein ewiges Denkmal – und Dettingen, wenn man so will, mit auf die literarische Weltkarte.

Auf dieser, und auch nicht auf einer handelsüblichen Landkarte, fällt hingegen nicht auf, was jeder sieht, der sich Dettingen von Westen her nähert: wie hoch die Peterskirche über der Szenerie des Albuchs thront. Ralf Sedlack berichtet davon, dass, wenn man weiß, wohin man schauen muss, die Kirchturmspitze sogar von der A 7 bei Memmingen kurz zu sehen ist.

Und aus dem Kirchturm begleitet den Auszug der Orgeltester das Geläut der sogenannten Herrenglocke, die 1518, also vor bald 500 Jahren und kurz nach Martin Luthers Thesenanschlag gegossen wurde. Draußen dann die nächste Überraschung: Denn von der Turmspitze der Peterskirche grüßt, höchst passend zum in dieser Serie ja immer wiederkehrenden musikalischen Thema, tatsächlich der im Choral besungene Morgenstern.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Stiftung Orgeltest

Die Orgel ist die Königin der Instrumente. Und Königinnen hautnah kennenlernen kann, wer sich von uns zum Orgeltest im Rahmen einer neuen Serie anstiften lässt. In deren Verlauf wollen wir in und um Heidenheim herum jene Orgeln genauer beleuchten, die zum Beispiel aufgrund ihres historischen Wertes oder ihrer stilistisch solitären Stellung herausragen und, wenn man so will, sogar als Königinnen unter Königinnen durchgehen. Als Orgeltester unterwegs sind der Kirchenmusikdirektor Thomas Haller, seines Zeichens Orgelsachverständiger der evangelischen Landkirche, Kulturredakteur Manfred Kubiak und Online-Redakteur Arthur Penk.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Vor 75 Jahren meldete der „Grenzbote“ die Stadt Heidenheim als „judenfrei“

Es war das Ende einer mörderischen Vorgeschichte, von der später niemand etwas gewusst haben wollte. weiter lesen

22YUI