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"Frideruchingen": Wo die Einwohner am jüngsten sind

Altes Dorf mit jungen Bürgern: "Frideruchingen" wurde schon im neunten Jahrhundert erwähnt, sagt Ortsvorsteher Gerhard Baum.

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Schon im neunten Jahrhundert erwähnt: "Frideruchingen".  Foto: 

Das Durchschnittsalter der Einwohner liegt in Frickingen am niedrigsten von allen Teilorten der Flächengemeinde Dischingen. Die Männer seien durchschnittlich 38 Jahre alt, die Frauen 42, schildert der Ortsvorsteher. In der Gesamtgemeinde stehe der Durchschnitt bei 44 Jahren.

Insgesamt zählt Frickingen heute 480 Bürger – 282 davon leben in Frickingen selbst, in den zugehörigen Weilern Iggenhausen 75 und Katzenstein 123. Die Einwohnerzahl lag zuvor schon höher, aber auch deutlich niedriger. So habe das Dorf 1969 über 500 Bürger gehabt und aufgrund von Abwanderung bis 1991 einen Rückgang auf nur noch 429 erlebt, so Gerhard Baum. Zuwanderung wegen des Balkankriegs habe den Stand 1996 dann nochmals über 500 steigen lassen. Seitdem schwanke man zwischen 470 und den aktuellen 480.

Als „Frideruchingen“ wurde Frickingen im neunten Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Dies sei der früheste Hinweis im Vergleich aller Teilorte. Und auch Hinweise auf Iggenhausen – als „Higenhusen“ – reichen ins neunte Jahrhundert zurück. Der Weiler Katzenstein sei wohl erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts um die damals schon lange bestehende Stauferburg herum entstanden, sagt Baum. Als zugehörig zur Burg Katzenstein sei Frickingen einst zu den Fürsten von Oettingen gekommen. 1806 habe das Dorf zu Bayern und ab 1810 zu Württemberg gehört. Zum 1. Januar 1974 wurde Frickingen nach Dischingen eingemeindet.

„Die Frickinger sind nicht hintenrum“, charakterisiert Baum seine Mitbürger. „Sie sagen, wie es ist, und das ist auch gut so. Wenn es um etwas geht, ist der Zusammenhalt da und es wird auch durchgezogen.“ Ein Beispiel dafür ist sicherlich die alljährlich Mitte September gefeierte Sichelhenke. Für das zweitägige und von einigen hundert Gästen besuchte Fest zum Abschluss der Erntezeit packen zahlreiche Einwohner an, um die Veranstaltungshalle zu schmücken. Federführende Organisatoren in der Festgemeinschaft Sichelhenke sind die ortsansässige Maschinengemeinschaft und der Schützen- und Gesangverein.

Überhaupt gibt es eine ganze Reihe von Vereinen und Organisationen im Dorf. Neben den bereits genannten sind das die Feuerwehr, die Landjugend, der Obst- und Gartenbauverein, die Jagdgenossenschaft, der Wasserverband Baldert, die Senioren-Gymnastikgruppe und die beiden in Kooperation betriebenen Vereine FC Dunstelkingen-Frickingen sowie VdK Dunstelkingen-Frickingen. „Den Vereinen geht es gut“, sagt der Ortsvorsteher. Wie allerorten sei die Gesangsabteilung ein wenig überaltert – Bestrebungen, einen jungen Chor zu gründen, seien notwendig. Doch es stehe ja auch ein Dirigentenwechsel an: „Dann sieht man weiter.“

Von einer „gesunden Entwicklung in einem Ort mit bis zu 500 Einwohnern“ spricht Baum im Hinblick auf das Baugebiet Hofwiesen: In den vergangenen 40 Jahren seien hier 40 neue Häuser entstanden. Aktuell gebe es noch zwei Bauplätze. Gleichzeitig zum Gebiet Hofwiesen sei es aber auch zu 50 innerörtlichen Umnutzungen von Hofstellen zu neuem Wohnraum gekommen. „Es steht im Moment kein Haus leer, das man nutzen könnte.“

Im neuen Baugebiet Kappelesäcker sei der erste Bauabschnitt erschlossen. Drei Grundstücke seien bebaut bzw. die Bauvorhaben genehmigt. Vor weiteren Bauten müsse der zweite Bauabschnitt angegangen werden, für den bereits eine Bauplatznachfrage vorliege. Baum: „Sollte noch eine weitere Anfrage eingehen, wird sich der Gemeinderat in seiner Klausurtagung Gedanken machen müssen.“

Hinter den vielen Umnutzungen ist natürlich eine Veränderung in der Struktur im Dorf erkennbar. Wie der Ortsvorsteher berichtet, hätten in der Zeit vor dem Krieg nahezu alle Einwohner in der Landwirtschaft gearbeitet. Rund 40 Vollerwerbsbetriebe habe es damals in Frickingen gegeben, schätzt Baum. Vor 30 Jahren habe immerhin noch die Hälfte im Vollerwerb gestanden, während heute gerade noch vier Vollerwerbslandwirte mit Viehhaltung, Biogaserzeugung und Feldanbau sowie etwa ein Dutzend Nebenerwerbsbetriebe vorhanden seien. Damit, dass ganz Frickingen im Wasserschutzgebiet III liegt, hätten sich die Bauern arrangiert.

Verschwunden aus dem dörflichen Leben sind auch manche Handwerks- und Gewerbebetriebe wie zum Beispiel ein Wagner, ein Lebensmittelgeschäft oder die Filialen der beiden Banken. Die Gaststätten waren früher ebenfalls zahlreicher – Baum erinnert hier an den „Hirsch“, der von etwa 20 Jahren in Frickingen geschlossen hat. Noch vorhanden sind die „Einkehr“ in Iggenhausen und seit jüngerer Zeit die Gastronomie in der Burg Katzenstein.

Doch eine ganze Reihe von Betrieben sind heute ansässig: Kunstschmiede, Zimmerer, Schlachthaus mit Wurstverkauf, Cateringbetriebe, Schreinerei, Kfz-Werkstatt sowie der mit 130 bis 150 Arbeitsplätzen größte Arbeitgeber Frickingens, die Härtsfelder Holzindustrie Konold in Katzenstein. Eine Arztpraxis habe es dagegen noch nie gegeben – die gesundheitliche Versorgung laufe über Dischingen, Neresheim und andere Orte.

Im Blick auf die Infrastruktur seines Dorfs zieht der Ortsvorsteher eine weitgehend positive Bilanz. Das frühere Problem mit der schlechten Breitbandversorgung sei in jüngerer Zeit durch neue Anbindung gelöst worden. Und gut sehe es auch bei der Bestandssicherheit von Schule und Gemeindekindergarten im Ort aus. Bis Mai werde im Kindergarten mit 19 Kindern, davon fünf unter drei Jahre, gerechnet. Die Grundschule werde zusammen mit der in Demmingen in Kombiklassen geführt.

Weniger zufrieden ist Baum dagegen mit der Verkehrsanbindung und beanstandet die geringe Zahl der Busse Richtung Heidenheim: „Mit den heutigen Arbeitszeiten ist das fast für keinen Arbeitnehmer möglich zu nutzen.“

Und natürlich gehen die wichtigen Aufgaben nicht aus. Für den Ortsvorsteher sind das unter anderem die voraussichtlich für 2017 geplante Fertigstellung der Außenanlagen beim Bürgerhaus – weitgehend wohl wieder in Eigenleistung –, die Planungen für den Anschluss Frickingens an die Sammelkläranlage Dattenhausen und das Herrichten maroder Feldwege und Gemeindeverbindungsstraßen.

Frickingens Ortsvorsteher Gerhard Baum

An der Spitze der Ortschaftsverwaltung steht Gerhard Baum seit 1. März 1989. Ortschaftsrat in Frickingen und Gemeinderat in Dischingen für die Fraktion CDU-Wählervereinigung wurde der heute 66-Jährige im Herbst 1989. Während er dem Ortschaftsrat bis heute angehört, hat er bei der Kommunalwahl 2014 auf eine weitere Kandidatur für den Gemeinderat verzichtet und hat seitdem einen Sitz als beratendes Mitglied.

Der gebürtige Frickinger war von 2000 bis 2010 CDU-Mitglied, ist derzeit aber parteilos. Aktuell fungiert er unter anderem auch als Schöffe in Jugendsachen am Amtsgericht Heidenheim und machte dies zuvor auch schon am Landgericht Ellwangen.

Von Beruf ist Baum Vermessungsingenieur und Beamter, seit 2013 aber im Ruhestand. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und sieben Enkel. In fast allen örtlichen Vereinen ist der Ortsvorsteher Mitglied. Bis 2015 spielte er über 50 Jahre hinweg als Musiker im Musikverein Dunstelkingen. Gerhard Baum wirkte außerdem 13 Jahre lang als Kassierer im 2012 aufgelösten Förderverein Burg Katzenstein mit.

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