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Wer heilt, hat Recht?

Naturheilkundliche Medizin ist auf dem Vormarsch. Ingrid Maier-Regel weiß das. Sie war 25 Jahre lang Vorsitzende des Vereins für Homöopathie und Lebenspflege in Nattheim. Jetzt gibt sie den Vorsitz ab. Mario Hopp soll ihr Nachfolger werden. Ein Gespräch über Vorteile und Vorbehalte.

Annika Sinnl | 2 Meinungen
Frau Maier-Regel, Sie waren jetzt 25 Jahre lang Vorsitzende des Nattheimer Vereins für Homöopathie und Lebenspflege. Zudem waren sie acht Jahre lang Vorsitzende des Bezirks Brenz. Präsidentin des Dachverbandes Hahnemannia sind Sie auch noch. Sie müssen es also wissen: Sind Homöopathie und Naturheilkunde Scharlatanerie?

Ganz im Gegenteil. Körper, Geist und Seele müssen immer als Einheit betrachtet werden. Und das tun wir Naturheilkundler. Nur so kann dem Menschen ganzheitlich geholfen werden. Man muss die Einheit betrachten.

Hören wir da Kritik an der Schulmedizin?

Nein, wir akzeptieren die Schulmedizin. Wir brauchen sie auch. Wir Heilpraktiker sind schon gesetzlich begrenzt in unserem Handeln. Infektionskrankheiten etwa dürfen wir gar nicht behandeln. Es ist aber auch so, dass wir uns mehr Zeit für die Patienten nehmen. Allein das erleichtert die Menschen oft.

Wissenschaftler konnten bisher keine Wirksamkeit nachweisen. Dennoch hört man immer wieder, dass die Homöopathie den Menschen hilft. Glaube? Placebo-Effekt?

Nein, ein Baby oder ein Kleinkind kann auch noch nicht glauben. Naturheilkunde hat also definitiv nichts mit Glauben zu tun. Und zum Placebo-Effekt sage ich nur: Wer heilt, hat Recht. Dennoch: Ziel wäre, dass Schulmedizin und Naturheilkundler zusammenarbeiten. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Klingt ja alles schön und gut. So mancher kann sich eine homöopathische Behandlung aber schlichtweg nicht leisten.

Ja, kaum eine Kasse übernimmt die Kosten, das stimmt. Hier käme die Politik ins Spiel. Problem ist aber, dass diese uns nicht anerkennt. Unsere Methoden kann man nicht wissenschaftlich messen. Es gibt keine Studien dazu. In den Augen der Politik zählt das also nicht. Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zeigt eine zunehmende Tendenz, und das bestehende Gesundheitssystem kommt irgendwann an seine Grenzen. Dann stehen hoffentlich wir in den Startlöchern.

Ihr Dachverband setzt sich mit anderen europäischen Institutionen sehr dafür ein, dass Naturheilverfahren anerkannt werden. Gibt es schon Erfolge?

Die Vertreterin der homöopathischen Patientenverbände in Europa, Enid Segall aus Großbritannien, ist sogar im Europaparlament initiativ geworden. Wir werden aber nicht gehört.

Herr Hopp, Sie gelten als potenzieller Nachfolger von Ingrid Maier-Regel. Sie praktizieren seit 2010. Haben Sie in dieser Zeit schon etwas bemerkt: Verspürt die Homöopathie in vergangener Zeit einen Aufwind?

Ja, das kann man so sagen. Der Trend geht eindeutig wieder hin zu Naturheilverfahren. Ich glaube, die Schulmedizin hat ihre besten Jahre hinter sich. Es fühlen sich auch vor allem immer mehr jüngere Menschen angesprochen.

Die Vereinsstruktur sagt anderes. Der Verein für Homöopathie und Lebenspflege hat vor allem ältere Mitglieder.

Das stimmt. Sollte ich tatsächlich gewählt werden, habe ich es mir aber auch zum Ziel gesetzt, mehr jüngere Mitglieder zu gewinnen. Dass wird eine schwierige Aufgabe für mich, die ältere und jüngere Generation zusammenzubringen. Aber ich bin zuversichtlich, einen guten Weg zu finden. Wenn ich gewählt werde, möchte ich in den nächsten Wochen zudem eine Homepage gestalten. Sie soll auch eine Plattform darstellen, auf der die Mitglieder des Vereins neue Themen für Vorträge einbringen können. Ein weiterer Schritt wird sein, auch die Menschen auf dem Härtsfeld für die Homöopathie zu begeistern und sie in den Verein zu integrieren.

Zurück zum Fachlichen: Sie haben sich auf den Bewegungsapparat spezialisiert. Herr Hopp, ist es denn nicht gerade in diesen Fällen sinnvoll, einen Schulmediziner aufzusuchen?

Bei Brüchen, Bandscheibenvorfällen oder dergleichen sicherlich. Oft haben Menschen aber Probleme, die die Schulmedizin nicht regeln kann. Wenn man dann mal genauer hinschaut, merkt man, dass es häufig seelische Probleme sind, die sich auf den Körper auswirken. Man kann es auch ganz sprichwörtlich nehmen: Wer Rückenprobleme hat, auf dessen Schultern lastet häufig viel.

Kritiker mahnen immer wieder, dass Homöopathie auch gefährlich sein kann. In erster Linie dann, wenn sich Menschen partout gegen eine schulmedizinische Behandlung wehren. Was sagen Sie diesen Menschen?

Erstens: Die Homöopathie ist eine nebenwirkungsfreie Medizin, von gefährlich kann hier keine Rede sein. Zweitens: Als Homöopathen wissen wir, dass durchaus eine schulmedizinische Behandlung, ein ärztlich verordnetes Arzneimittel oder sogar ein operativer Eingriff bei bestimmten Krankheiten notwendig sein können. Das würden wird dann auch empfehlen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft. Was meinen Sie, wie geht es mit der Homöopathie weiter?

Wir erleben ganz klar einen Aufwärtstrend und ich sehe meine Aufgabe darin, die Homöopathie den Menschen zu vermitteln.

2 Kommentare

28.01.2013 19:41 Uhr

Unwissend

Kaum zu glauben, wie wenig "Heilpraktiker" über Homöopathie und Placebo-Effekte wissen:

http://blog.gwup.net/2013/01/28/placebos-und-glaube-der-immerselbe-homoopathen-denkfehler/

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25.01.2013 20:49 Uhr

Lesestoff zum Thema

zu diesem Thema gibt es einen sehr empfehlenswerten Lesestoff:
http://www.christian-weymayr.de/homoeopathie.html/

kurz: für den einzelnen ist Homöopathie egal - jeder darf glaubven woran er möchte - es gibt auch Menschen die glauben an Voodoo-Heilkräfte.
problematisch ist es nur wenn es zur Last für die Allgemeinheit geht. also im Bereich der Kassenärzte, Apotheken bzw. allgemein die Krankenkassen.

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