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Tierbesitzer fürchten Gift-Köder

Rattengift und Schneckenkorn sind für Haustiere hochgiftig. Regelmäßig müssen Hunde und Katzen mit Vergiftungserscheinungen in Tierarztpraxen behandelt werden. Auch die Yorkshire-Terrier-Hündin Bella. Wurde ein vergifteter Köder ausgelegt oder hat sie das Rattengift „nur“ aufgeschnappt? Ihre Halter sind besorgt.

Christine Weinschenk |

Eigentlich hatte der Tag ganz normal begonnen. Samstag, 5.30 Uhr morgens, die kleine Hundedame Bella wird von ihrem Frauchen in den Garten gelassen. Keine fünf Minuten später ist der acht Monate alte Yorkshire Terrier zurück. Aber das kleine Fellbündel ist anders als sonst. „Sie hat sich sofort hingelegt, war apathisch, ist nicht wie sonst um uns herumgewuselt“, sagt ihr Frauchen Sabine, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Den ganzen Vormittag über änderte sich das Verhalten von Bella nicht. Mittags ging die Familie auf das örtliche Kinderfest. „Bella machte ihr großes Geschäft und der ganze Stuhlgang war voller Blut“, sagt Sabine.

Sofort wurde der kleine Hund ins Auto gepackt und die Tierklinik Zöller in Heidenheim angesteuert. Die Diagnose der Tierärztin schockte Sabine: eine Vergiftung mit Rattengift. „Mir sind nur noch die Tränen runtergelaufen“, sagt die junge Frau. Da Bella an diesem Morgen den Garten überhaupt nicht verlassen habe, müsse das Gift – möglicherweise in einen Köder aus Wurst oder Käse eingewickelt – in den Garten geworfen worden sein. „Wir haben den ganzen Garten abgesucht, aber nichts gefunden.“

Dennoch habe man zwei Nachbarn im Verdacht. „Die stört alles, der Hund, die Kinder, einfach alles.“ Und dabei sei Bella ein völlig pflegeleichter Hund. „Sie kläfft nicht, ist zu jedem freundlich.“ Allerdings habe man keine Beweise, auch eine Anzeige bei der Polizei habe man nicht erstattet. „Wir dachten, da kommt ohnehin nichts dabei raus. Außerdem haben wir Angst, dass danach wieder jemand gezielt Gift auslegt.“

Hätte die Familie nicht so schnell reagiert, wäre Bella gestorben. Ein qualvoller Tod, denn Rattengift zersetzt die Organe, sie wäre innerlich verblutet. Das bestätigt auch Tierärztin Dr. Maria Zöller. Regelmäßig würden Tiere, die an Vergiftungssymptomen wie Erbrechen, Durchfall und Krämpfe leiden, behandelt. „Wir haben viele solcher Fälle, leider. Vor ein paar Wochen hatten wir drei Hunde gleichzeitig, die Infusionen bekommen mussten.“ Zeigt ein Hund oder eine Katze die Symptome müsse sofort gehandelt werden. „Ein Tier kann innerhalb von Stunden sterben.“ Der chemische Nachweis von Rattengift sei aber schwierig – binnen sechs Stunden sei es im Blut nicht mehr nachweisbar. „Die Laboruntersuchung abzuwarten würde auch viel zu lange dauern“, sagt Dr. Zöller. „Man muss schnell handeln.“

Dass hinter jeder Vergiftung ein Tierhasser stecke, der für Haustiere appetitlich verpackte Giftköder auslege, glaube sie nicht. „Vor etwa zwei Jahren hat aber auch unser Praxisteam vergiftete Köder im ganzen Stadtgebiet gefunden.“ Dennoch: „Auch wenn ein Hund eine vergiftete Maus frisst, kann das reichen.“ Ein neugieriger Hund fresse das Gift vielleicht auch ohne Köder.

Sie warnt daher vor unvorsichtigem Umgang mit Rattengift, Schneckenkorn und anderen so genannten Pflanzenschutzmitteln. Schneckenkorn verursache Krämpfe, die Tiere trocknen aus, die Nieren versagen. Stuhlgang oder Erbrochenes verfärbe sich grün. Je nach Größe und Gewicht des Tieres könne schon eine kleine Menge lebensbedrohlich sein. „Am besten sollte man solche Gifte überhaupt nicht kaufen und verwenden. Auch nach jahrzehntelanger Lagerung sind diese Mittel noch hochgiftig.“ Treten bei einem Haustier Vergiftungssymptome auf, müsse schnell gehandelt werden. „Tierhalter sollten solche Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen. Je länger das Gift im Körper ist, desto schwieriger wird es, dem Tier zu helfen.“

Bei Hündin Bella sind Spätfolgen des Gifts nicht auszuschließen. Zudem sei ihre Vergiftung nicht der einzige Vorfall, der Tierfreunde in der Gegend aufschrecken lässt, sagt ihr Frauchen Sabine. Im Nachbargarten habe ein Unbekannter Glasscherben verstreut – die Katze des Nachbarn trat hinein und schnitt sich die Pfoten auf.

Selten wird nach solchen Vorfällen Anzeige erstattet. „Es ist immer die Frage, ob man das nachweisen kann“, sagt Horst Baur, Pressesprecher der Polizei. Bei einem konkreten Verdacht, rät er dennoch zur Anzeige. Wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund töte oder ihm erhebliche Schmerzen oder Leiden zufüge, begehe nach Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes eine Straftat. Die Vorschrift sehe hierfür eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Hundehalterin Sabine sitzt der Schock jedenfalls noch immer in den Knochen: „Es ist beunruhigend, dass man den Hund nicht mal mehr unbeobachtet im eigenen Garten laufen lassen kann. Auch die Kinder waren entsetzt und konnten es überhaupt nicht glauben, dass Menschen einem Tier so etwas antun können.“

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