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Öffentliche Müllentsorger gehen gegen den Container-Wildwuchs vor

Altpapier, gebrauchte Textilien und Schuhe kann man in Dischingen seit November gemeinsam vor die Haustür stellen. Ein Pilotprojekt. Geht es nach dem Kreisabfallwirtschaftbetrieb soll das bald im ganzen Landkreis möglich sein. Man will eine Flut von gewerblichen Sammlungen verhindern.

Christine ... |

Das Pilotprojekt ist recht zufriedenstellend gestartet. Zwei Mal wurden in Dischingen Altkleider, Schuhe und Altpapier gleichzeitig vom Kreisabfallwirtschaftsbetrieb eingesammelt. „Das hat gut funktioniert“, sagt Franz Bareth, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs. Bei der ersten Sammelaktion im November kamen vier Tonnen Altkleider und Schuhe zusammen, bei der zweiten Aktion waren es drei Tonnen. „Das überrascht uns nicht“, sagt Bareth. „Es war nicht zu erwarten, dass jeder Haushalt monatlich Altkleider vor die Tür stellt.“ Auch wenn, so Bareth, pro Einwohner und Jahr in Deutschland rund 25 Kilogramm neue Kleider gekauft würden. Und gut eine Million Tonnen alte Kleidung rangieren die Deutschen jedes Jahr wieder aus.

An der Logistik habe sich – zumindest in der Gemeinde Dischingen – nicht viel verändert. Ortsansässige Vereine, die sonst nur Altpapier eingesammelt haben, nehmen zusätzlich noch Schuhe und Altkleider mit. Die Dienstleistung werde in gleicher Weise wie bei der Papiersammlung vergütet.

Am 20. April will man die parallele Sammelaktion zunächst auf Schnaitheim (ohne Mittelrain) ausweiten. Hier sieht es logistisch etwas anders aus. Dort wird von Mitarbeitern des Abfallwirtschaftsbetriebs ein Pressfahrzeug für das Altpapier eingesetzt. Eine gemeinsame Sammlung mit Altkleidern sei daher nicht möglich, so Bareth. Voraussichtlich müsse die Tour mit Kleintransportern zusätzlich gefahren werden.

So schnell wie möglich möchte der Abfallwirtschaftsbetrieb die parallele Sammlung auf den ganzen Landkreis ausdehnen. Man möchte damit dem „Wildwuchs privater Sammlungen“ Herr werden. In den vergangenen Monaten seien im Kreisgebiet zu viele Sammel-Container aus dem Boden geschossen. „Dabei wird zwar oft an die Milde und Barmherzigkeit der Spender appelliert, aber letztlich geht es ums Geld“, so Bareth. Mit einer Tonne Altkleider könnten derzeit etwa 300 bis 400 Euro gemacht werden.

Teilweise werde illegal gesammelt, Container ohne Genehmigung aufgestellt. Der kleinste Teil, der im Landkreis gesammelten Kleider, wandert in die hiesigen Kleiderkammern. Der größte Teil wird an Sortierbetriebe verkauft. Diese Firmen exportieren die Kleidung ins Ausland und erzielen damit hohe Erlöse.

Altkleider gehen nach Litauen und Rumänien

Derzeit liegen der Unteren Abfallrechtsbehörde mehr als 45 Anzeigen für gewerbliche Sammlungen vor. „Es könnte also sein, dass man bald jeden Tag über eine Tonne vor der Haustür stolpert“, so Bareth. Nach dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz können gewerbliche Sammlungen aber verhindert werden, wenn eine sogenannte entsorgungspflichtige Körperschaft eine Sammlung vornimmt. Das heißt: „Wenn der Landkreis Sammlungen vornimmt, können nicht noch gleichzeitig 20 gewerbliche Sammlungen stattfinden“, so Bareth. „Und Erlöse aus unseren Sammlungen kommen den Abfallgebührenzahlern zu Gute.“

Gemeinnützige Sammlungen sollen aber ausdrücklich weiter miteinbezogen werden. Es sei beabsichtigt, vorrangig mit gemeinnützigen Sammlern aus dem Landkreis wie dem DRK zu kooperieren.

Die vom Abfallwirtschaftsbetrieb eingesammelten Schuhe und Altkleider werden der Erdtex Textil-Recycling Handels GmbH in Bächingen geliefert. Erdtex verkauft sie dann weiter nach Litauen, in die Slowakei, nach Rumänen und Italien. Etwa 40 Prozent der gesammelten Altkleider gehen in den Second-Hand-Verkauf. 55 Prozent werden zu Putzlappen oder Dämmmaterial verarbeitet, fünf Prozent werden als Restmüll entsorgt.

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