Kahlert-Licht aus Sontheim auf der Spielwarenmesse Nürnberg
Noch bis kommenden Montag dauert die 63. Internationale Spielwarenmesse in Nürnberg. Die Firma Kahlert-Licht aus Sontheim an der Brenz hat in diesem Jahr ihren 60. Messeauftritt.
Spielsachen erfinden immer (nur) Erwachsene. Und die trifft man in der Franken-Metropole in Massen auf der Spielwarenmesse. Sie hat nur fürs Fachpublikum geöffnet. Kinder, die mal das eine oder andere ausprobieren würden, sucht man vergebens. Aber eines sieht man: Wie bei den Kindern strahlen bei den Erwachsenen die Augen, je nach dem, was sie auf dieser Messe an einem der knapp 2700 Messe-Ständen zu sehen bekommen.
Spielwaren sind nicht bloß etwas für Kinder. Auch Erwachsene spielen gerne. Beispiel: Brettspiele, Modell-Eisenbahnen unterschiedlichster Spurweiten; Modellflugzeuge oder gar Schiffe, die wie von Geisterhand per Funksteuerung durchs Wasser pflügen.
Claudia Eckelt wirkt zufrieden auf dem Messestand, den sie sich erstmals mit den Firmen Dora Kuhn (Fischbach am Schliersee) und Holzspielzeug Rülke aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen) teilt. Das war ein naheliegender Schritt, schließlich baut Kahlert alles, was in einer Puppenstube oder in einem Puppenhaus vollends die Wohnung komplettiert. Stehlampen, Tischlampen oder Deckenlampen, flackerndes Kaminfeuer, Waschmaschine oder Küchenherd mit dem jeweils richtigen „Sound“. Dazu kommt aus Sontheim, was man auf einer richtigen Weihnachtskrippe braucht, damit das Jesuskind nicht im Dunkeln liegen muss und den Hirten und den drei Königen auch das richtige Licht leuchtet. Ergänzend im Sortiment ist Gegenständliches, das man auf einer Krippe so braucht: Tische und Bänke, Lagerfeuer und das eine oder andere Handwerkszeug.
40 Prozent des Umsatzes macht Kahlert mit Krippenbeleuchtung; 60 Prozent mit dem Spielwarenhandel. Da passt es gut, dass man heuer auf dem Messestand zeigen kann, wie sich Kahlert-Produkte in einem Puppenhaus machen.
Man müsste glatt noch einmal Kind sein. Claudia Eckelt lacht und nickt. Ihr kleiner Betrieb hat sieben Vollzeitbeschäftigte und zwischen 25 und 40 Heimarbeiterinnen. Die Messe 2012 bestimmt die Auftragsentwicklung für das Geschäft im Herbst 2012. „Unsere Arbeit ist ein typisches Saisongeschäft. In den Monaten zwischen April und Juli haben wir Zeit für Urlaub und Freizeitausgleich“, sagt Claudia Eckelt. Bevor am 1. Februar die Spielwarenmesse in Nürnberg startet, war sie in der Woche davor auf der „Christmas-World“ in Frankfurt. Dort geben sich die Marktkaufleute der Weihnachtsmärkte ein Stelldichein, in Nürnberg ist es der Spielwarenhandel.
Solides Handwerk und die eine oder andere Neuentwicklung zeichnen die Firmen Kahlert, Rülke und Dora Kuhn aus. Mit einem gewissen Unverständnis reagierte Claudia Eckelt auf die Tatsache, dass in Nürnberg der Toy-Award 2012 für einen Gameboy vergeben wurde, mit dem schon ein Jahr alte Kinder „spielen“ können. Dabei zeigt doch die Messe, was Kinder wirklich wollen.
Froh ist die Sontheimerin, die im Ehrenamt als Gemeinderätin die Belange der Mitbürger im Rathaus vertritt, dass sie wieder mit Lehmanns Garteneisenbahn im Geschäft ist. Das Nürnberger Unternehmen war nach der Insolvenz vom Modelleisenbahnhersteller Märklin übernommen worden. Kahlert sorgt dafür, dass bei den Lokomotiven das Dreilichtspitzensignal leuchtet oder schöne alte Kandelaber auf Bahnsteige gestellt werden können. Ohne Kahlert würden an den Signalen auch nicht die roten oder die grünen Scheiben hinterleuchtet.
Bei Kahlert kaufen auch Händler ein, die Schulen Lernmittel bereitstellen. Mit dem, was Kahlert baut, lernen Kinder einen Stromkreis zu schalten.
Was bei Osram die gute alte „Glühbirne“ war, die es auf dem Lichtmarkt nimmer gibt, ist in den Puppenstuben immer noch ein Glühlämpchen alter Prägung. Das wird es noch lange geben. LED-Licht hält jedoch auch hier Einzug. Wer Strom sparen will, stellt um. Der Grund: Eine Flachbatterie mit 4,5 Volt ist nach zwei Stunden verbraucht, wenn eine Glühlampe strahlen muss. Mit LED-Licht hält die Batterie hingegen vier Wochen durch. Zu den Neuheiten zählt unter anderem eine Mehrfach-Steckdose für die Puppenstube, ein Kronleuchter, moderne Hängeleuchten und natürlich der Küchenherd, auf dem man es brutzeln hört.
60 Jahre Messeerfahrung hat Kahlert. Was hat sich geändert?
Nach kurzem Überlegen sagt Claudia Eckelt: „Das Kauf- und Order-Verhalten: Bei den ersten Messen haben wir noch dicke Aufträge geschrieben. Heute kommen die Kunden aus dem In- und Ausland, schauen sich dieses oder jenes an und stellen viele Fragen. Den Katalog nehmen sie mit und irgendwann im Lauf des Jahres kommen sie auf ihren Messebesuch zurück und bestellen.“ 80 Prozent der Besucher zählen zur Gruppe der treuen Kunden. Die Zahl der Neukunden ist gering. Der Internethandel ständig zu.
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Autor: Klaus-Dieter Kirschner | 03.02.2012
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