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Die Weihnachtsmacher: Andrea Brezger kocht

Weihnachten bedeutet auch in der Gastronomie die absolute Hochsaison. Das gilt für das Hotel und für den großen Landgasthof - und es gilt auch für das "Häusle" in Dettingen, wo Andrea Brezger auf nur 4,2 Quadratmetern für maximal 25 Gäste kocht.

Claudia Hammer-Rehm |

Nach dem Essen sollst du ruhn oder tausend Schritte tun. Und vor dem Essen? Wie wäre es mit einer Kutschfahrt? Hinter zwei starken Gäulen durch die Hügel und Täler traben, sich frische Luft (und Pferdeduft) um die Nase wehen lassen und danach gepflegt einkehren: in „s'Häusle“ in Dettingen. Roland Bretzger schwingt auf dem Kutschbock die Peitsche, seine Frau Andrea in der winzigen Küche des kleinen Restaurants den Kochlöffel. Kutsche und Restaurant sind im Doppelpack zu bekommen, können aber auch separat gebucht werden.

Andrea Bretzger hat sich mit ihrem Lokal einen Traum erfüllt. Gekocht hat die gelernte Hauswirtschaftsleiterin schon immer gerne. Aber Kantinenessen lässt meist nicht viel Raum für Kreativität und sorgt nicht unbedingt für kulinarische Überflüge.

50 Jahre alt musste die gebürtige Mannheimerin werden, bis ihr Traum Wahrheit wurde. Im Herbst 2012 eröffnete sie ihr Restaurant und nannte es: „s€Häusle“. Der Name passt! Ein kleines Haus in einer Reihe anderer kleiner Häuser. Vorgarten an Vorgarten, Dach an Dach. Bescheiden und unauffällig. 237 Jahre alt ist das Häuschen.

Drinnen aber, da ist alles neu, alles strahlend, alles ganz wunderschön. „Mein Mann Roland hat hier alles umgebaut“, erzählt die Wirtin sichtlich stolz. „Er ist handwerklich unheimlich geschickt.“ Ein Jahr lang verbrachten Ehemann und Schwiegervater den Feierabend im kleinen Häuschen in der Wagenburgstraße 35 in Dettingen, rissen Wände heraus und legten Holzbalken hinein, legten Fliesen und verputzten, installierten Toiletten und eine Küche. Und aus dem steinalten Haus wurde „s'Häusle“ – warm und geschmackvoll möbliert und phantasievoll dekoriert von Restaurantchefin Bretzger. „Manche Gäste sagen: hier fehlen nur noch die Hausschuhe“, freut sie sich.

Für ihre maximal 25 Gäste kocht die 53-Jährige auf winzigen 4,2 Quadratmetern – in anderen Restaurants sind schon die Kühlräume weit größer. Selbstgemachte Maronennudeln mit Pilzen gibt es hier, Hähnchenbrustfilet in Orangen-Chili-Sauce, Rinderroulade „Hausfrauen Art“ mit Kartoffelstampf oder Arme Ritter mit Vanillesauce.

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, entscheiden viele Gäste mit, was sie essen wollen. Andrea Bretzgers Terminkalender ist in den Wochen vor dem Fest fast voll mit geschlossenen Veranstaltungen. Kleine Betriebsfeiern, Familienessen – da wünschen sich die Besucher gerne mal etwas Besonderes: Wild in Zimtrotwein, Schweinefilet mit Maronenfüllung oder Lebkuchen-Tiramisu.

 

Essen kochen für 25 Personen in einer Miniküche, wie geht das denn? Die Wege sind kurz, das wird's wohl sein. Andrea Bretzger muss sich nur umdrehen, um vom Herd zum Arbeitstisch zu wechseln. Drehung: Kühlschrank. Drehung: Spülmaschine.

Mann und Schwiegervater stemmten den Umbau, die Schwiegermutter hilft bei der Tischwäsche und im Lokal beschäftigt Andrea Bretzger abwechselnd vier Frauen aus dem Dorf. Sie sind in den gemeinsamen drei Jahren zu Freundinnen geworden. Einmal im Jahr fahren Chefin und Personal zusammen zur Wellness. Eine kleine Auszeit für Andrea Bretzger vom anstrengenden Alltag. Normalerweise hat „s'Häusle“ montags und dienstags geschlossen, aber in der Vorweihnachtszeit nimmt die Wirtin so viele Termine wie möglich mit.

„Der Dezember ist der beste Monat im Jahr“, weiß sie aus Erfahrung. Umsatz, den sie dringend braucht, denn ihr kleines Restaurant ist keine Kneipe, kein Wirtshaus, in dem sich die Dorfbewohner abends auf ein Bierchen treffen. Kunstvoll gefaltete Stoffservietten, polierte Weingläser, Whisky-Verkostungen – da scheuen die Dettinger Nachbarn.

Viel Arbeit also für Andrea Bretzger in der Vorweihnachtszeit. Ihr Mann Roland trägt es gelassen. Zum Glück ist er ziemlich mit seinen Pferden beschäftigt. Die beiden süddeutschen Kaltblüter müssen jeden Tag bewegt werden, und so fährt Roland Bretzger – im Wechsel mit einem Bekannten – zwei bis drei Stunden mit dem Gespann durch Feld, Wald und Wiesen, mal mit Gästen vom Häusle, mal ohne.

Allerdings bekommt der pferdebegeisterte Ehemann seine Frau auch unterm Jahr kaum zu sehen. Wenn sie die letzten Teller weggeräumt hat und ins Bett kriecht, schläft er schon längst. Und wenn der Maschinenbauer um halb sechs das Haus verlässt, dreht sie sich unter der warmen Decke nochmal um. „Es ist schon ein bisschen schade, dass wir so wenig Zeit füreinander haben“, bedauert sie. „Früher haben wir oft zusammen gekocht. Das war schön.“

Die gemeinsamen Zeiten werden aber wieder kommen, und das nicht nur irgendwann. Mit 60 soll Schluss sein, das hat sie sich vorgenommen. Sieben Jahre noch: Drehung rechts, Drehung links.

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