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56 Tonnen reines Gold können nicht geborgen werden

Reines Gold in den Gesteinen des Steinheimer Beckens, das vom Meteoriten zur Erde gebracht wurde: Neue Forschungsergebnisse aus dem Steinheimer Becken lassen aufhorchen. Goldwäscher werden allerdings enttäuscht.

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Künstlerische Darstellung des Steinheimer Beckens im Vordergrund und des Nördlinger Rieses kurz nach dem Einschlag des Doppelasteroiden.  Foto: 

Das Steinheimer Becken stand gemeinsam mit seinem größeren Bruder, dem Nördlinger Ries, in den 1960er bis Ende der 1980er Jahre im Zentrum des Interesses der Erforschung der Einschläge außerirdischer Körper auf der Erde. Die beiden Krater waren mit die ersten, die auf der Erde entdeckt wurden. Mittlerweile sind rund 180 solcher Krater weltweit.

In vielerlei Hinsicht stellen die beiden Meteoritenkrater jedoch eine weltweite Besonderheit dar: sie entstanden vermutlich zeitgleich durch den Einschlag eines Doppelasteroiden vor knapp 15 Millionen Jahren.

Das Steinheimer Becken gilt als der am besten erhaltene Krater mit Zentralhügel, und die Strahlenkegel von Steinheim sind wegen ihrer außerordentlichen Qualität weltberühmt. Im Gegensatz zur anhaltenden Forschungstätigkeit im Ries stand Steinheims Krater seither im Schatten des größeren Bruders.

Im Jahr 2010 berichteten die Stuttgarter Wissenschaftler, Privatdozent Dr. Elmar Buchner und Dr. Martin Schmieder, von Neufunden im „Steinheimer Suevit“, der mutmaßlich Reste des Meteoriten enthält, der den Krater von Steinheim schuf.

Buchner, mittlerweile an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Neu-Ulm tätig, und Schmieder (jetzt an einem renommierten Forschungsinstitut in Houston, Texas) waren 2013 die Herausgeber des Sonderhefts „Impaktkrater in Deutschland“ der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften.

„Im Steinheimer Becken kam es in den letzten Jahren zu spektakulären Überraschungen, die das Einschlagsereignis von Steinheim in einem neuen Licht erscheinen lassen“, berichtete Buchner.

Weitere Publikationen der beiden Impaktforscher zum Steinheimer Becken in einschlägigen internationalen Wissenschaftsjournalen folgten. Eine erst kürzlich erschienene Arbeit klärt auf, warum es in der Umrandung des Steinheimer Beckens keine Decke von Auswurfmassen gibt, wie sie für die Umgebung des Rieskraters so charakteristisch ist. Buchner: „Das vom Einschlag betroffene Gestein war bereits so porös, dass der Meteorit das Gestein im Wesentlichen verdichtete und nur wenig Gestein herausgeschleudert wurde.“

Die neueste Entdeckung der beiden Forscher stellte Buchner Anfang August bei einem Vortrag an der Universität von San Francisco vor. Bei der Konferenz der Meteoritical Society, bei der sich Impaktforscher aus aller Welt trafen, wurde von dem Fund seltener Elemente wie Nickel und Kobalt in den Gesteinen des Steinheimer Beckens erzählt, die in der Kombination mit Eisen typischerweise Eisenmeteoriten aufbauen. Die Elemente sind überraschenderweise auf den Oberflächen von Strahlenkegeln in besonderem Maß angereichert und es kommt sogar pures Gold vor. „Bei der Größe des vermuteten Eisenmeteoriten von etwa 150 Metern und einem Gewicht von etwa 14 Millionen Tonnen brachte der Asteroid neben Eisen, Nickel und Kobalt auch etwa 56 Tonnen Gold mit zur Erde, von denen heute noch einige Tonnen feinst verteilt im Gestein enthalten sein dürften“, formulierte Buchner und warnte: „ambitionierten Goldwäschern sei gesagt, die Goldpartikel sind mikroskopisch klein und darüber hinaus ist das Steinheimer Becken Naturschutzgebiet. Gold waschen ist daher nicht nur sinnlos sondern auch verboten“.

Auch die Forschungstätigkeit zur Lebewelt im Kratersee des Steinheimer Beckens erfährt derzeit deutlichen Aufschwung. Privatdozent Dr. Michael Rasser (Naturkundemuseum Stuttgart) veröffentlichte seit 2012 eine Reihe von Aufsätzen, die sich mit der lokalen Entwicklung der Süßwasserschnecken im Kratersee beschäftigen und erneut die außerordentliche Bedeutung dieser „endemischen Fauna“ für die Evolutionstheorie herausstellen.

Buchner und Rasser planen im Frühjahr 2016 eine wissenschaftliche Grabung im Steinheimer Becken, welche die Grenze zwischen den zertrümmerten Impaktgesteinen (Beckenbrekzien) und den darüber einsetzenden Seesedimenten erschließen soll.

Mit der radiometrischen Methode wollen die Wissenschaftler klären, „ob das Nördlinger Ries und Steinheimer Becken gleichzeitig als Doppeleischlag entstanden sind oder nicht“.

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