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Erstmals seit acht Jahren: 100 Tonnen- Walze in Königsbronn gegossen

Im Werk Königsbronn der SHW CT schlug gestern nach acht Jahren mal wieder die Geburtsstunde eines Super-Schwergewichtes für die Papierindustrie.

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Gerade mal zwei Minuten und 45 Sekunden dauerte es, und dann war sie fertig gegossen, die neue Super-Walze, die gestern Mittag im Werk Königsbronn der SHW CT entstand.

Dass ein derart schwerer Brocken für die Papierindustrie hier hier hergestellt wurde, liegt nun schon acht Jahre zurück. Immerhin gut 100 Tonnen Flüssigeisen wurden gestern verarbeitet, 2009 waren es 105 Tonnen. Bravo-Rufe und Beifall hallten durch die Werkhalle, und die an dem spektakulären Produktionsprozess beteiligten Mitarbeiter freuten sich sehr darüber.

Das traditionsreiche Unternehmen, bekanntlich ein Sanierungsfall in Eigenverwaltung, kann Zuspruch und Anerkennung gut gebrauchen. An Arbeit und Aufträgen für neue Walzen fehlt es wahrlich nicht.

Allerdings ging kürzlich das Geld aus, so dass nach 2013 erneut Insolvenz beantragt werden musste.

Einstellungen geplant

Das Verfahren läuft bisher sehr gut und auch die weiteren Aussichten für das Unternehmen sind durchweg positiv - so gut, dass man zusätzliche Leute einstellen werde, um die Auftragsflut bewältigen zu können.

Das bestätigten im Gespräch nach dem Walzenguss sowohl Sanierungschef Michael Pluta als auch Prof. Dr. Martin Hörmann, vorläufiger Sachwalter im Verfahren. Die Liquidität sei gesichert und die Mitarbeiter sollen keinen Schaden leiden.

Auch durch die Anwesenheit aller Führungskräfte beim gestrigen Produktionsprozess habe man gegenüber den Mitarbeitern die verdiente Wertschätzung ausdrücken wollen. Deren Einsatzwille und technisches Knowhow seien beeindruckend. „Die Motivation trägt hier alles“, anerkannte Michael Pluta ausdrücklich, auch im Blick auf die Verantwortung, die auf jedem Einzelnen laste.

30 Mitarbeiter seit 3 Uhr aktiv

Schon um 3 Uhr hatten die Vorbereitungen für das Gießen des 100-Tonners begonnen, für den in Summe 30 Mitarbeiter im Einsatz waren. Etwa 60 Megawattstunden Strom brauchte es, um das Eisen zu verflüssigen und auf 1350 Grad zu erhitzen. Etwa 10 000 Euro, so rechnete Geschäftsführer Markus Hüter vor, werden also an Stromkosten fällig. Und was bringt die neue Super-Walze an Verkaufserlös? „Der Neupreis liegt bei etwa einer halben Million Euro“, lautete die Antwort. Doch bis dieses Geld auf dem Konto der SHW CT verbucht werden kann, bleibt noch viel zu tun.

So muss die gegossene, zwölf Meter lange Rohwalze erstmal auskühlen, was etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen wird. Und dann geht es los mit der aufwendigen Bearbeitung des Gußkörpers – was Monate dauern wird. Denn hier ist absolute Präzision gefragt, wofür Königsbronn auch gerade steht. Etwa ein Drittel des ursprünglichen Gewichtes werden bei diesem Prozess auf der Strecke bleiben.

Ausgeliefert wird sie mit einem Gewicht von noch 66 Tonnen, einer Länge von 10,15 Metern und einem Außendurchmesser von 1,425 Metern. Und: in ihrem Inneren werden insgesamt 650 Einzelteile verbaut sein. Schließlich soll die Walze immerhin 20 bis 30 Jahre lang ihren Zweck erfüllen. Und der besteht darin, bei einem „Kunden in Europa“ 2000 Meter Papier pro Minute herzustellen.

Konjunkturaufschwung, Aufwind auch in der Papiernidustrie und in der Folge volle Auftragsbücher bei der SHW Casting Technologies geben den Verantwortlichen Anlass zu Optimismus und Zuversicht. Ziel ist nach wie vor der Erhalt und nicht die Verwertung des Unternehmens

„Keine Verluste mehr machen“

Allerdings, und daran ließ Michael Pluta auch in Abstimmung mit den Gläubigern nicht den geringsten Zweifel: „Es dürfen keine Verluste mehr gemacht werden“. Was die weitere Sanierung in Eigenverwaltung betreffe, werde wohl das Hauptverfahren zum 1. Oktober hin eröffnet werden, was bedeutet, dass dann die Gläubiger ihre Forderungen anmelden können.

Einig sei man sich auch, einen externen Berater mit der Suche nach einem geeigneten Investor zu beauftragen, der auch über das für Investitionen notwendige Kapital verfüge. Ob es einen solchen gebe oder nicht, werde man wohl bis zum 1. Januar 2018 wissen.

Kunden halten die Treue

Werkleiter Eberhard Geissler und Vertriebsleiter Bernd Eppli bestätigten für das Walzenwerk seit Überwindung des finanziellen Engpasses wieder volle Produktionsmöglichkeit, sowohl hinsichtlich Material als auch Mitarbeitern und Maschinen.

Sanierungsgeschäftsführer bei der SHW CT ist Marcus Katholing Auch er zeigt sich von dem hoch motivierten SHW-Teram beeindruckt. Im Papierbereich sei man derzeit voll ausgelastet und plane schon für 2018. Auch in den anderen Bereichen gingen die Geschäfte sehr gut. „Wir haben volle Auftragsbücher. Das sind beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung. Die Kunden halten uns die Treue“, so Katholing. Als vorläufiger Sachwalter begleitet und überwacht Prof. Dr. Martin Hörmann von anchor Rechtsanwälte die Eigenverwaltung als gerichtliches Sanierungsverfahren.

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