Partner der

Zwickmühle: Bus- und Bahnfahren spürbar teurer

Es hat schon seine Tradition. Wie jedes Jahr um diese Zeit wird das Fahren mit Bus und Bahn wieder teurer, wobei die aktuell wirksam werdende Tarifanhebung ziemlich deutlich ausfällt: Das Plus hat fast eine Fünf vor dem Komma.

|
Ab 1. August: Nahverkehrs-Fahrgäste müssen mehr Geld in die Hand nehmen.  Foto: 

Genau sind's 4,9 Prozent, um die sich der Gemeinschaftstarif der im Heidenheimer Tarifverbund (HTV) zusammengeschlossenen Nahverkehrsunternehmen ab 1. August erhöhen wird. Betroffen sind die Fahrgäste der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft (HVG), der DB-Tochter Regionalverkehr Alb Bodensee (RAB), der Omnibusunternehmen Grüninger in Gerstetten und Rupp in Neresheim sowie der Regional Bus Stuttgart. Sie werden seit Jahren schon mit wachsenden Preissteigerungsraten konfrontiert: 2010 waren die Unternehmen noch mit drei Prozent ausgekommen, hatten dann 2011 dreieinhalb Prozent mehr verlangt und im August vorigen Jahres schließlich um 4,65 Prozent aufgeschlagen.

Dass der öffentliche Personennahverkehr in den privaten Portemonnaies immer stärkere Bremsspuren hinterlässt, hat mit einer sich seit zwei Jahren verstärkenden Entwicklung zu tun, die den Tarifverbund rote Zahlen schreiben lässt. Zum einen weisen die Kalkulationen der ÖPNV-Unternehmen wachsende Positionen für Treibstoff, Personal, Reifen und Fahrzeugbeschaffungen auf – zum anderen rutschen die Fahrgastzahlen weiter ins Minus, was zu Mindereinnahmen führt. „Eine ungesunde Mischung,“ wie Hans Bendele, Leiter der im Landratsamt angesiedelten Verbundgeschäftsstelle, treffend konstatiert.

Bendele hatte es schon dem Kreistag vorgerechnet. Müssten nur die von den Unternehmen geltend gemachten Kostensteigerungen ausgeglichen werden, reichte eine Tariferhöhung von 3,9 Prozent. Um aber zusätzlich die rückläufige Inanspruchnahme der ÖPNV-Dienstleistungen aufzufangen, müssten die Preise sogar um 8,1 Prozent anwachsen. Mit dem vom Kreistag im Mai dieses Jahres beschlossenen Kompromiss von 4,9 Prozent liegt man zwar hoch, doch unterm Strich wird nur ein Teil des durch den Fahrgastrückgang verursachten Defizits auf die Kunden umgelegt.

Allen Beteiligten ist klar, dass damit das Grundproblem vieler Verkehrsverbünde allenfalls auf Zeit gelöst ist. Fast schon mit Wehmut erinnert sich Verkehrsexperte Bendele an die noch gar nicht so lange zurückliegenden Zeiten, als der HTV noch voll in Fahrt war, in der Spitze einen bei satten 18 Prozent liegenden Fahrgastzuwachs erzielt hatte. Seit den auch den Nahverkehrsunternehmen die Demographie in die Qeuere gekommen ist, geht's kontinuierlich abwärts. Allein im Jahre 2012 ist die Zahl der von den fünf im HTV zusammengeschlossenen Verkehrsbetriebe beförderten Personen um mehr als 180 000 auf 6,683 Millionen gesunken.

Und eine Wende ist nicht in Sicht. Dass in den Bussen alles in allem immer mehr Platz ist, hat hauptsächlich mit den schwindenden Schülerzahlen zu tun – was um so schwerer wiegt, als der Schülerverkehr mit mehr als 70 Prozent Anteil am Fahrgastaufkommen eine Schlüsselrolle auf der Einnahmenseite spielt. Da die Zukunft neben den weiter schwindenden Kinderzahlen auch von den Akzenten der Schulpolitik und sich damit verändernder Schulstandorte und Schülerströme mitbestimmt wird, ist eine Prognose kaum möglich. Hans Bendele jedenfalls lässt sich nicht darauf ein: „Das wäre Kaffeesatzleserei.“ Klar ist, dass es schlicht unmöglich ist, den Verlust beim Schülerverkehr durch Zuwächse in anderen Tarifbereichen aufzufangen.

Von der aktuellen Preiserhöhung sind die einzelnen Fahrscheinarten in unterschiedlicher Weise betroffen. Zwei Beispiele: Für den nach Fahrstrecke berechneten Einzelfahrschein muss ab 1. August im Minimum zehn Cent mehr, also 2 Euro, bezahlt werden. Die Schülermonatskarte wird – je nach Preisstufe – zwischen zwei und 3,50 Euro teurer.

Der angenehme Effekt: Im Zuge der Änderung des Gemeinschaftstarifs wird auch eine Tarifbestimmung neu gefasst. Das eröffnet Fahrgästen die Möglichkeit, neben Handgepäck und anderen Utensilien auch Klappräder unentgeltlich mitzunehmen. In geklapptem Zustand, versteht sich.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Vor 75 Jahren meldete der „Grenzbote“ die Stadt Heidenheim als „judenfrei“

Es war das Ende einer mörderischen Vorgeschichte, von der später niemand etwas gewusst haben wollte. weiter lesen

22YUI