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Zugverkehr auch ohne Züge: abenteuerliche Woche im Mai

Weil die Triebwagen zu einer Prüfung abgezogen werden und Alternativen ausfallen, muss Anfang Mai improvisiert werden – Schättere inklusive.

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Wagenmaterial – auf der Brenzbahn Ulm-Aalen schreibt sich das schon seit Jahren mit einem Bindestrich und dem Wort „Probleme“. Seit die Regio-Shuttles 2015 aufs Abstellgleis sollten, riss die Reihe der Missgeschicke und Zugausfälle kaum noch ab.

Doch was der Brenzbahn nun Anfang Mai ins Haus steht, dürfte der Höhepunkt der Pannenserie werden: Ironischerweise (und womöglich nicht zufällig) nur einen Tag nach Bekanntwerden der Zugvergabe an die Hohenzollerische Landesbahn ab 2019 hat die Bahn gestern einen „Sonderverkehr“ in der ersten Maiwoche angekündigt, der es in sich hat: Teils abenteuerlich improvisierte Lösungen, wie man sie so seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr sah.

Eilige Einführung rächt sich

Der Reihe nach: Erst mit viel Verspätung waren im März 2016 die sieben „neuen“ Dieseltriebwagen der Baureihe 644 in den Brenzbahn-Betrieb gegangen. Zwar waren die Fahrzeuge zuvor schon jahrelang im Raum Köln im Einsatz, doch fehlte eine notwendige Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes. Trotz größter Eile dauerte es Monate, diese zu erhalten.

Ironie des Schicksals: Eben diese Eile rächt sich nun. „Die für die Personenbeförderung vorgeschriebene RBV-Prüfung wurde nicht absolviert“, so Dipl.-Ing. Ulf Ungemach vom Brenzbahn-Betreiber DB Zug-Bus Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB). Die RBV-Abnahme (das Kürzel steht für „Reiß-Beiß-und Verschleißprüfung“) testet alle Innenraumoberflächen auf Vandalismusresistenz. „Bundesweit wird die RBV nur im Bahnausbesserungswerk Berlin-Schöneweide abgenommen“, so Ungemach: Alle sieben Triebwagen müssen im Mai also nach Berlin. „Das wird inklusive der Prüfung und der Rückreise rund eine Woche dauern“.

Diesel-Tabu für alte Triebwagen

Schlimm genug – doch richtig ins Schlamassel gerät die Bahn, weil ihr die bisherigen Ersatzfahrzeuge nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Regio-Shuttles der Baureihe 650 wurden bekanntlich im Januar in die Ukraine verkauft. Und die uralten Lückenbüßer der Baureihe 628.2 fallen wegen einer Behördenposse aus: „Die Betriebserlaubnis der Fahrzeuge ist erloschen“, so Ungemach knapp – mehr will die RAB dazu nicht sagen.

HZ-Informationen zufolge soll die RAB aber schlicht vergessen haben, eine Sondergenehmigung zu verlängern: Nun müssen die Baureihen 628 in Rente, weil ihre MTU-Dieselmotoren nur die Schadstoffklasse Euro3 erfüllen und darum vom Umweltministerium des Landes verboten wurden. Das bestätigt der HZ ein Bahnsprecher in Stuttgart: „Die Züge wären einsatzbereit, doch die Abgasuntersuchung fehlt“. Und das Umweltministerium will hart bleiben: Keine weiteren Ausnahmen mehr.

„In Deutschland stehen nicht einfach überall Züge herum, die man mal eben aus der Garage holen könnte“, erklärt RAB-Ingenieur Ungemach: „Erst Recht nicht, wenn es nur um eine einzige Woche geht“. Bis in die Slowakei habe man nach Ersatz gesucht, und dort immerhin drei Dieseltriebwagen für die Stoßzeiten sichern können. Aus einem Eisenbahnmuseum bei Cottbus will man zudem alte Personenwagen („Silberlinge“) organisieren, die man mit Rangierloks schleppt.

Auch die Schättere springt ein

Doch selbst mit diesen Hilfen reicht es noch nicht für den gesamten Fahrplan – weshalb die RAB zu geradezu kuriosen Mitteln greift: „In den Randstunden des Fahrplans werden wir auf Züge der Härtsfeld-Museumsbahn zurückgreifen“, so Ungemach.

Das bestätigt seitens der Museumsbahn auch Stefan Steinkohler : „Die Schättere wird auch im Schülerverkehr fahren, zwischen Oberkochen und Sontheim“, so Steinkohler: „Wer hätte das gedacht“. Zulassungstechnisch gebe es keine Probleme: „Wir fahren ja nicht mit Diesel, sondern mit Dampf“.

Am Feiertag selbst strampeln

Und bei der RAB geht man noch weiter: „Am Maifeiertag und am Wochenende des 6. und 7. Mai werden wir die erfahrungsgemäß am schwächsten genutzten Zugverbindungen mit Fahrrad-Draisinen realisieren“, so die RAB: 30 der kuriosen, viersitzigen Gefährte werde man aus einem Freizeitpark leihen – Anfang Mai sei es in der Regel warm und trocken genug.

Alles gut auch ohne Züge? Landrat Thomas Reinhardt übt Kritik: „Auf der Brenzbahn gibt es ja schon mit den regulären Zügen Pannen – und nun soll es mit Museumszügen und Draisinen klappen?“.

Besonders stößt Reinhardt auf, dass die Bahn nicht daran denkt, in der abenteuerlichen Woche im Mai die Fahrpreise zu senken – in den Verträgen sei nicht geregelt, mit welchen Fahrzeugen die Passagiere befördert werden müssten, so die Bahn. „Selber strampeln und dann noch den vollen Preis zahlen ist ein Unding!“, schimpft der Landrat.

Sonderverkehr vom 1. bis 7. Mai auf einen Blick

Von „Sonderverkehr“ spricht die Bahn für den Brenzbahn-Betrieb in vom 1. bis zum 7. Mai. Ab 8. Mai sollen wieder die üblichen Triebwagen fahren. „Wir hoffen es zumindest“, so die RAB.

„Fahrplanmäßig“ soll es laut der Bahn laufen – trotz Dampfloks und Fahrrad-Draisinen. „Das haben wir im Griff.“ Darum sei auch kein Schienenersatzverkehr mit Bussen nötig.

Ein Info-Telefon ist ab dem heutigen 1. April eingerichtet. Unter 0732.134-7202 können sich Fahrgäste über alle Fragen zum Sonderverkehr informieren. (Teils fallen Gebühren an).

Von „Sonderverkehr“ spricht die Bahn für den Brenzbahn-Betrieb in vom 1. bis zum 7. Mai. Ab 8. Mai sollen wieder die üblichen Triebwagen fahren. „Wir hoffen es zumindest“, so die RAB.

„Fahrplanmäßig“ soll es laut der Bahn laufen – trotz Dampfloks und Fahrrad-Draisinen. „Das haben wir im Griff“. Darum sei auch kein Schienenersatzverkehr mit Bussen nötig.

Ein Info-Telefon ist ab dem heutigen 1. April eingerichtet. Unter 0732.134-7202 können sich Fahrgäste über alle Fragen zum Sonderverkehr informieren. (Teils fallen Gebühren an).

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