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Wenn's alleine nicht mehr geht

Wenn ein Mensch aufgrund einer Demenz oder Behinderung rechtliche und finanzielle Angelegenheiten nicht mehr selbst erledigen kann, helfen oft ehrenamtliche Betreuer. Der Betreuungsverein Heidenheim macht sie fit für diese Aufgabe – und benötigt hierfür finanzielle Unterstützung.

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Auf Hilfe angewiesen: Immer mehr Menschen benötigen im Alter oder aufgrund psychischer Probleme einen Betreuer.  Foto: 

Johannes Kuminek ist ehrenamtlicher Betreuer. Vor kurzem erhielt er einen Anruf – am anderen Ende der Leitung das Klinikum. Eine Dame, für die er die Betreuung übernommen hat, ist gestürzt. Oberschenkelhalsbruch – sie müsste operiert werden. Doch bevor dies geschehen kann, muss Kuminek im Krankenhaus erscheinen und einwilligen.

Dieses Beispiel zeigt: Die Aufgaben der rund 160 ehrenamtlichen Betreuer im Landkreis umfassen weit mehr als das Ausfüllen von Formularen oder das Nachschlagen von Rechtsverordnungen. „Es sind wichtige Entscheidungen, die man für andere Menschen treffen muss“, sagt Kuminek. Seit 2006 tut er dies. Derzeit betreut er fünf Personen, darunter Senioren mit Demenz, aber auch junge Menschen mit schweren Behinderungen. Kuminek hat ihre Finanzen im Blick, kümmert sich darum, dass Heim- und Pflegekosten beglichen werden und besorgt bei Bedarf sogar neue Kleidung. Auf die Frage, warum er diesen Job übernommen hat, antwortet er: „Es gibt viel Not und Elend auf der Welt. Aber hier vor Ort kann ich selbst etwas dagegen unternehmen – und ich kann sehen, wie meine Hilfe wirkt.“

Hilfe für Helfer: beim Betreuungsverein

Nicht immer aber kann der 77-jährige Maschinenbauingenieur alle Angelegenheiten im Alleingang lösen. Wenn er an seine Grenzen stößt – etwa bei sehr komplizierten Anträgen oder wenn sich die finanzielle Situation eines Betreuten als besonders kompliziert erweist, holt er sich Hilfe. Er bekommt sie beim Betreuungsverein Heidenheim.

Der Verein rekrutiert die ehrenamtlichen Helfer und steht ihnen mit Informationen zur Seite. Jeder, der sich entscheidet, diese Aufgabe zu übernehmen, bekommt einen dicken Ordner mit Infomaterial und wird bei Workshops geschult. Bevor aber tatsächlich ein Mensch betreut werden darf, benötigt es einen Termin beim Notar. Dieser stellt eine Urkunde aus und bestellt den Helfer zum Betreuer. Der Betreute wiederum muss einwilligen, dass er die Betreuung durch diesen Helfer auch möchte.

Die Zahl der Fälle, in denen dies im Landkreis passiert, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Übernahm der Betreuungsverein Mitte der 1990er Jahre pro Jahr noch weniger als 100 Betreuungen, ist diese Zahl im Jahr 2013 auf über 200 gestiegen. Insgesamt ist der Bedarf noch weit größer: Etwa 1200 Menschen benötigen Betreuung. Stefan Kauffmann, Vorsitzender des Betreuungsvereins, weiß, warum dies so ist: „Es wird nicht nur die Gesellschaft insgesamt älter, es gibt auch immer mehr Menschen, die schwere psychische Krankheiten haben und ihr Leben nicht mehr selbst regeln können.“

Rechtsverordnungen werden immer komplizierter zu verstehen

Hinzu komme, das Rechtsverordnungen und Antragsvoraussetzungen in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden seien, so Kauffmann. Ob aufgrund einer Demenz, einer schweren Suchterkrankung oder Depression – die Betroffenen verlieren den Überblick über Rechnungen, Kreditraten oder Versicherungen. Leben sie in einem Heim, benötigen Sie auch dort Hilfe. Auch im Heim müssen Rechnungen bezahlt und Anträge gestellt werden.

Ehrenamtliche Betreuer finden und sie auf ihre Aufgabe vorbereiten – das macht der Betreuungsverein seit 1995. Anlass für seine Gründung war eine Gesetzesänderung im Jahr 1992, welche die Vormundschaft über erwachsene Personen abschaffte und stattdessen die Betreuung einführte. Die Betroffenen werden also nicht mehr entmündigt, sondern bekommen nur dort Unterstützung, wo sie Hilfe brauchen – etwa bei Finanzen, Gesundheit und bei Behördengängen.

Finanziert wird der Verein, der in Räumen des Landratsamts sein Zuhause hat, überwiegend aus Kreis- und Landesmitteln. Diese reichen angesichts des stetig steigenden Betreuungsaufwands und -bedarfs jedoch kaum aus, um die Kosten zu decken. Schulungen für die Helfer, Materialkosten und der steigende Zeitaufwand für die Beratungen reißen jedes Jahr ein Loch in die Kasse, das meist trotz nachträglicher Zuschüsse nicht ganz gefüllt werden kann. Aus diesem Grund bittet der Verein über das HZ-Spendenportal „Unsere Hilfe zählt“ um Unterstützung. Und: Wer sich vorstellen könnte, selbst ehrenamtlicher Betreuer zu werden, kann sich informieren auf www.btv-hdh.de oder telefonisch unter 07321.943060.

Spenden: So geht's

Online-Spenden sind möglich unter www.unsere-hilfe-zählt.de

Spenden per Banküberweisung: An „Unsere Hilfe zählt“, Konto 842 842, BLZ 632 500 30, Kreissparkasse Heidenheim, Verwendungszweck: 16164

Jede Spende wird zu 100 Prozent weitergeleitet, die Kreissparkasse Heidenheim trägt die Transaktionskosten.

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