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Wehmut und Vorfreude: Das letzte Kulturprogramm in der Bibliothek

Die Heidenheimer Stadtbücherei hat für ihr letztes Halbjahres-Programm im Elmar-Doch-Haus wieder ein reizvolles Angebot für erwachsene wie kindliche Leser vorbereitet.

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Autor Tilman Rammstedt soll im Abschiedsprogramm der Stadtbücherei im Elmar-Doch-Haus für das „literarische Highlight“ sorgen.

Das ist unser letztes Kulturprogramm im alten Haus – und im alten Stil“: Längst läuft für die Mitarbeiter der Heidenheimer Stadtbibliothek der Countdown für den langersehnten und akribisch vorbereiteten Umzug ins neue Haus, terminiert auf den 10. November. Und lächelnd ergänzt Klaus-Peter Preußger, das als Einladung verstehend zum Erstbesuch im neuen „Bürgerzentrum“: 18 Uhr.

Für den unmittelbaren Zeitraum danach bereite man „ein attraktives Kulturprogramm vor, um die Möglichkeiten des neuen Hauses vorzustellen“. Auch dafür sei längst schon einiges auf den Weg gebracht: „Das wird umfänglicher werden als das jetzige, klar.“ Danach gebe es wieder „ein ganz normales Frühjahr- und Sommerprogramm“. Wird das dann auch deutlich zulegen im Vergleich zum bisherigen? „Man wird sehen, das wird sich ergeben“, meint Klaus-Preußger.

„Was dann geboten werde, sei freilich auf jeden Fall „anders“: Wir haben ein anderes grafisches Erscheinungsbild. Wir haben bestimmte Farben und Grafiken.“ Und auch die Lesungen selber werden einen anderen Charakter haben, ist Preußger überzeugt: „Wir können jeweils einen Raum angemessen wählen.“

Einzigartiger Saal

Jetzt, auch noch einmal zum Abschluss beim letzten Programm, „sitzt man zwischen Bücherregalen. Wir müssen jedes Mal die Bücherei umstellen“. Das Ambiente sei für manche Literaturliebhaber zwar womöglich „auch ganz nett“ – aber die Konzentration auf einen Autor könne in spezifischen Räumen besser gewährleistet werden. Auch für den Veranstalter werde es dann einfacher: „Ich weiß nicht, wieviel tausend Stühle ich geschleppt habe in den letzten 20 Jahren.“

Künftig stehen „eine Handvoll Räume“ zur Verfügung. Preußger verweist, natürlich, an erster Stelle auf den „großen Saal“, der bis zu 160 Personen fasse – und in dieser Größe der einzige sei im Umkreis mit auditoriumsartig ansteigenden Sitzreihen: „Man sieht besser und man hört besser.“

Auch für musikalisch geprägte Veranstaltungen sei das bestens geeignet; es habe auch, lange schon vor der Fertigstellung, Anfragen und Interessensbekundungen zur Nutzung gegeben. Black-box-artige Gestaltung werde eine gute Konzentration aufs kulturelle Geschehen ermöglichen; außerdem sei moderne Technik eingebaut: „Die Zeit ausfallender Mikrophone dürfte dann überwunden sein.“

Weiter gebe es einen kleinen, kompakten Saal, der für geringer nachgefragte „Nischenautoren oder Lyriker“ geeignet sei, auch für Literaturkreise oder Ähnliches. Und noch andere Möglichkeiten werden vorgehalten, etwa mittels „Lernstudios“, die ansonsten für Schüler, Studenten oder kleinere Gruppen zur Verfügung stehen.

„Es ist einfach toll“, freut sich Preußger, „wenn man so viele Möglichkeiten hat – und nicht schon beim Ideenhaben ausgebremst wird: Das geht ja eh' nicht!“

Es herrscht also große Vorfreude auf die neuen bibliothekarischen und kulturellen Möglichkeiten. Doch man will sein angestammtes Publikum auch im letzten Halbjahr natürlich nicht vernachlässigen.

Vieles war möglich

Außerdem hat das Team der Stadtbibliothek in den letzten Jahrzehnten mit Herzblut das Elmar-Doch-Haus lebendig gehalten: „Wir haben uns seit den 90er Jahren reingearbeitet“, blickt Preußger zurück, „anfangs mit einfachsten Mitteln.“ Und das habe sich seither „doch ganz gut entwickelt“, weshalb Preußger auch eine gewisse Wehmut nicht verleugnet.

„Wer hat sich da nicht alles eingefunden im Laufe der Jahre“, schwärmt Preußger: „Da kam schon was zusammen.“ Und beispielhaft memoriert er die Lesung von Herbert Rosendorfer: „sensationell toll“, gibt er ein Höchstlob; das sei wahrscheinlich schon rund 20 Jahre her, „doch unvergessen!“

Man wolle also fürs anstehende Halbjahr, mit wieder zwei mal vier Veranstaltungen, für „einen guten Ausstieg“ sorgen.

Den Auftakt der Autorenbegegnungen für Erwachsene macht eine Erfolgsautorin, die gar noch eine versierte Jazzsängerin mitbringt. Wäre das im neuen Saal nicht womöglich besser untergebracht? Preußger zuckt die Schultern: „Es gibt so viele reizvolle Angebote.“ Die beiden Damen hätten nun halt das „Pech“, nicht die Möglichkeiten des Neuen nutzen zu können. Und gleichzeitig das „Glück“, zu einem „schönen Abschluss“ beitragen zu können.

Am Dienstag, 14. März, 20 Uhr, kommt also Elisabeth Kabatek und stellt ihren neuen Roman „Kleine Verbrechen erhalten die Freundschaft“ vor. Seit ihren Erfolgsbüchern „Laugenweckle zum Frühstück“ oder „Brezeltango“ hat die bei Stuttgart geborene und lebende Autorin einen festen Stamm von Lesern, „die sich eine Lesung auch mal bei uns gewünscht haben“, sagt Preußger. Sie sorge für einen „schwäbischen Ton“ und beherrsche „die nicht einfache Kunst, Beziehungschaos heitere Seiten abzugewinnen“.

Mit dabei hat Kabatek, als musikalischen Partner bei der Autorenbegegnung, die Sängerin und Musikpädagogin Susanne Schempp, einem weiteren Kreis bekannt durch Auftritte mit Klaus Wagenleiters SWR Bigband.

Auch wenn man glaubt, alle Verse und Scherze von Heinz Erhardt schon zu kennen, lohnt ein Abend mit Hans Joachim Heist immer. Der Parodist, bekannt etwa aus der „Heute Show“, tritt am 1. April, 20 Uhr, im Lokschuppen auf: „Unsere traditionelle Kooperation mit der städtischen Reihe ,Kulturschiene'“, meint Preußger: „Die wollen wir auch künftig aufrecht erhalten.“

„Unser literarisches Highlight im Frühjahr ist die Lesung von Tilman Rammstedt am Donnerstag, 6. April, der schon einmal, vor vier Jahren bei „littera X“, einen bemerkenswerten Auftritt hatte: damals mit seinem Bankerroman bei der Volksbank. Jetzt kommt er mit „Morgen mehr“ – ein zweideutiger Titel, der auch auf den experimentellen Charakter dieses Romans anspielt: Rammstedt versprach, diesen Roman so zu verfassen, dass jeden Tag zwei neue Seiten, vom gestressten Lektor durchgesehen, im Netz veröffentlicht werden. Damit war der Text sukzessive festgelegt – und nachträglich und auch vom Ende her nicht mehr revidierbar. Sogar interaktive Anteilnahme abonnierender Leser war möglich. So ein Konzept kann natürlich gewaltig in die Hose gehen“, schmunzelt Preußger, der Rammstedt schätzt als einen „Meister skurriler Erfindungen“.

Jungleser nicht vernachlässigen

Dann kommt eine regionale Autorin: Marita Ruess, Neu-Ulmerin und Besitzerin einer historischen Datscha in Fleinheim, liest aus ihrem neuen Roman „Grenzüberschreitungen“, in dessen Mittelpunkt der Heidenheimer Kommissar Marco Fois steht.

Nicht minder wichtig als ihre erwachsene Kundschaft ist den Stadtbibliothekaren die kindliche und jugendliche Leserschaft, die auch wieder mit vier Veranstaltungen bedacht wird.

Am Donnerstag, 9. März, 15 Uhr, kommt Alice Pantermüller mit ihrer Band „Mein Lotta-Leben und Superhelden“ zu einer „Autorenbegegnung mit Kindern“. Dürften sich dabei eher weibliche Jungleser angesprochen fühlen („auch für Jungs interessant“, urteilt Preußger), kommt wohl eher das männliche Pendant ins Doch-Haus, wenn am Donnerstag, 27. April, 15 Uhr, Christian Jaksch aus „Tim Robber“ liest.

Kindertheater gibt's ebenfalls

Auch Kindertheater gehört zum gepflegten Programm der Stadtbücherei: Am Sonntag, 7. Mai, 15 Uhr, lässt das hier bereits bekannte und geschätzte „Theater en miniature“ die beliebten Figuren Findus und Petterson lebendig werden.

Und auch bereits zum wiederholten Male eingeladen wurde das Neu-Ulmer Topolino Figurentheater, das mit seiner Erfolgspuppeninszenierung „Alles rabenstark. Oder hauen, bis der Milchzahn wackelt“ am Sonntag, 16. Juli, 15 Uhr kommt.

„Das dürfte dann beide Male ausverkauft sein“, schätzt Preußger die Anziehungskraft der beiden Puppentheater ein. „Wir sind gespannt, für welche von beiden zuerst keine Karten mehr zu bekommen sind.“

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