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Tödliche Schüsse in Lokal: Vom Schützen keine Spur

Die Soko „Palma“ ist aufgelöst, doch die Fahndung läuft weiter. Muss man den 34-Jährigen in Griechenland suchen, ist er noch hier – oder hat er sich umgebracht?

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Suchaktion: Bei Oggenhausen war die Polizei gestern erneut mit Leichenspürhunden unterwegs. Dass sich der Todesschütze umgebracht haben könnte, ist freilich nur ein sehr vager Verdacht.  Foto: 

Die Suche nach dem flüchtigen Mann, der am 18. September in der Kneipe „Palma“ seinen Schwager erschossen hat, geht unvermindert weiter: wenngleich ohne die im Polizeipräsidium Ulm gebildete Soko „Palma“, aber mit zusätzlicher Hilfe des Landeskriminalamts Baden-Württemberg.

Die Sonderkommission war kurze Zeit nach den tödlichen Schüssen gebildet worden, mit denen ein 34-jähriger Grieche seinen 24 Jahre alten Schwager in dem Lokal in der Erchenstraße niedergestreckt hatte. Der Einsatz dieser besonderen Ermittlungseinheit schien allein schon wegen grundsätzlich nicht auszuschließender Folgetaten des Flüchtigen angezeigt. Über die Täterschaft herrschte bei den Ermittlern von Anfang an kein Zweifel. Gesucht – und dies mittlerweile per internationalem Haftbefehl – wird Manolis Karatzaidis, der seinen Wohnsitz in Giengen hat, aber seit dem blutigen Geschehen, dem nach bisherigen Erkenntnissen ein Familienstreit, genauer ein Eifersuchtsdrama, zugrunde liegt, spurlos verschwunden ist.

Eben weil Tatumstände und -zusammenhänge ziemlich klar sind, das Motiv erkannt ist und die Aussagen unmittelbarer Zeugen inzwischen vorliegen, hat man beim Polizeipräsidium Ulm bereits am vergangenen Freitag die Auflösung der Sonderkommission erklärt. „Wir haben jetzt eine Fahndungslage“, sagt Thomas Friedrich, Chef der für Kapitalverbrechen zuständigen Kriminalinspektion 1, der schon als Leiter der mittlerweile in eine Ermittlungsgruppe überführten Soko „Flagge“ im Mordfall Maria Bögerl tätig war.

Nach seiner Darstellung braucht es jetzt keine besondere Aufbau-Organisation mehr, da es einzig um die Ergreifung des mutmaßlichen Täters geht. Die Rolle des Präsidiums liege nunmehr darin, den beim Kriminalkommissariat in Heidenheim angesiedelten Hauptsachbearbeiter mit Support – also lösungsorientierter Beratungstätigkeit – zu unterstützen. Das regionale Präsidium wiederum arbeitet mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg zusammen, das seinen Teil dazu beiträgt, die internationale Suche nach dem Todesschützen doch noch zu einem Erfolg zu führen.

Die Chancen stehen freilich nicht besonders gut. Aus Sicht der Ermittler gibt es keinen definitiven Aufenthaltsort, von dem man ausgehen könnte. Hat er in der näheren Umgebung einen Unterschlupf gefunden, versteckt er sich irgendwo in Deutschland oder hat er sich ins Ausland abgesetzt? Einen Ansatz für eine schlüssige Antwort gibt es offenbar nicht, sodass alle Optionen offengehalten werden müssen – eben auch die, dass der in Georgien geborene Grieche längst in Griechenland ist. Die Hauptbezüge immerhin, so heißt es, scheinen in diese Richtung zu gehen.

Aber auch andere Möglichkeiten schließt man bei der Polizei nicht aus. Bereits vor einer Woche hatte ein großes Polizeiaufgebot aus Streifenbesatzungen und Beamten des Polizeipräsidiums ein Waldstück bei Oggenhausen durchkämmt, wobei auch Leichensuchhunde eingesetzt worden waren. Dieses Szenario wiederholte sich dort gestern ein weiteres Mal – weil man nicht ausschließen kann, dass sich der Täter inzwischen umgebracht hat. Die Annahme, dass dies geschehen sein könnte, steht nach Angaben von Kriminaloberrat Friedrich zumindest latent im Raum und knüpft sich an den Ort, an dem man am Abend des Tattages das Auto des Flüchtigen samt Shirt und Jeans gefunden hatte. Dieser Platz nahe des Industriegebiets Vohenstein in Herbrechtingen ist nach Einschätzung des polizeilichen Chef-Ermittlers so abgelegen, dass sich andere Fragen zumindest stellen: „Dort hinzufahren, um von dort wegzukommen, macht gar keinen Sinn“, urteilt Friedrich, nachdem er sich den Ort angeschaut hat.

Doch die Faktenlage ist dünn. Sehr dünn. Das Hinweisaufkommen wird polizeilicherseits als „relativ gering“ beschrieben, und in der Tat waren es bislang gerade mal um die zehn Personen, die sich nach dem Fahndungsaufruf von sich aus gemeldet haben. Da und dort soll der Gesuchte gesichtet worden sein, doch erhärten ließ sich nichts. Friedrich: „In keinem der Fälle hat das zu irgendeinem Erfolg geführt.“ Auch nicht in Neu-Ulm, wo zwei Jugendliche vorigen Freitagnachmittag glaubten, den mit einem Fahndungsfoto gesuchten Mann auf einem Firmengelände erkannt zu haben, und einen Großeinsatz auslösten. Schwerbewaffnete Beamte umstellten das Gebäude und trafen bei der Durchsuchung tatsächlich auf einen Mann: der aber nicht der Gesuchte war.

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