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Voith: 150 Jahre und eine neue Duale Hochschule

Das Unternehmen spendet zwölf Millionen Euro und schiebt so die nötige Erweiterung der Dualen Hochschule an. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Ministerpräsident Winfried Kretschmann würdigen die Firma.

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    Zukunftsvision: So oder so ähnlich könnte der neue „Würfel“ der Dualen Hochschule in Heidenheim aussehen. Foto: 
  • Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis moderierte den Festakt. 2/4
    Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis moderierte den Festakt. Foto: 
  • Die Ansprachen wurden simultan auf Englisch, Chinesisch, Portugiesisch und Spanisch übersetzt. 3/4
    Die Ansprachen wurden simultan auf Englisch, Chinesisch, Portugiesisch und Spanisch übersetzt. Foto: 
  • Dr. Hubert Lienhard spricht: Das Bühnenbild ist so mächtig wie ein wie ein mehrstöckiges Mietshaus. 4/4
    Dr. Hubert Lienhard spricht: Das Bühnenbild ist so mächtig wie ein wie ein mehrstöckiges Mietshaus. Foto: 
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Für Feuerwerk war es eigentlich zu früh um Viertel nach Sieben im Congress Centrum – doch auch Inhalte können krachen: Als Höhepunkt des Festaktes zum 150-jährigen Bestehen von Voith hat Konzernchef Dr. Hubert Lienhard verkündet, dass die Firma dem Land zwölf Millionen Euro für die Erweiterung der Dualen Hochschule auf dem WCM-Areal spendet.

Gleichzeitig sagte Oberbürgermeister Bernhard Ilg eine Bürgschaft über weitere acht Millionen Euro von Stadt, Kreis und anderen Firmen zu. Macht 20 Millionen Euro – und angesichts dieser Summe versicherte Ministerpräsident Winfried Kretschmann, das Land werde weitere zehn Millionen Euro drauflegen.

Macht also 30 Millionen Euro – und das dürfte für einen weiteren Hochschulneubau auf dem WCM-Areal genügen. Auf seiner Geburtstagsfeier hat Voith so eines der drängendsten Probleme der DH in Heidenheim beseitigt.

Fast in die USA ausgewandert

Nur der Höhepunkt einer perfekt inszenierten Jubiläumsfeier vor über 400 geladenen Gästen aus der ganzen Welt. „Stolz und Dank“ empfinde er, so Hubert Lienhard, angesichts der eineinhalb Jahrhunderte Voith-Geschichte, die einst beinahe nicht in Heidenheim gespielt hätte: Im Zwist mit seinem Vater Johann Matthäus hatte Friedrich Voith vor 151 gar in die USA auswandern wollen. Er einigte sich aber, übernahm die Schlosserei und schuf einen Weltkonzern.

„Friedrich Voith wäre stolz darauf, dass der Betrieb bis heute in Familienhand ist“, so Lienhard. Und womöglich würde sich ein Pionier wie Voith auch in die vierte industrielle Revolution stürzen, jene Industrie 4.0, die eine ungeheure Chance gerade für Baden-Württemberg sei. „Wir freuen uns auf die Zukunft!“, so Lienhard.

In Zukunft blickte die ganze Feier. Nur selten waren in den Filmbeiträgen schwarz-weiße Rückblicke zu sehen, lieber zeigte man Voithianer und ihre weltweite Arbeit. Wichtiger: Zukunftsweisende Traditionen, über die auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Festredner sprach: Schwäbisch und solide sei Voith, so Schäuble. „Das ist nicht altmodisch, sondern zukunftsträchtig“.

Die Welt brauche nicht nur angelsächsische Unternehmensmodelle, sondern auch Werteorientierung und Nachhaltigkeit. Das nehme er auch auf den G-20-Gipfel mit, so Schäuble mit einem Verweis auf US-Präsident Trump: „Wer den Klimawandel bezweifelt, hat die vergangenen Jahrzehnte nicht recht mitbekommen“. Im Namen der Bundesregierung bedankte sich Schäuble für die „ungeheure Leistung“ der Voithianer.

Nach Schäuble konnte Voith-Aufsichtsratschef Hans-Peter Keitel Ministerpräsident Kretschmann auf die gewaltige Bühne bitten. Der sprach von einem „Vorzeigeunternehmen“ und einer der „großartigsten Erfolgsgeschichten dieses Landes“. Doch auch Kretschmann blickte vor allem nach vorne. Die erste Halbzeit in der vierten industriellen Revolution habe man eher verschlafen, so Kretschmann, die Pioniere der Digitalisierung kämen aus Kalifornien oder Asien. Doch die zweite Halbzeit werde jetzt angepfiffen. „Es geht um das Internet der Dinge, und die Dinge haben wir!“. Es sie die Frage, ob IT-Firmen nun die Industrie eroberten oder die Industrie die IT. Dafür habe Baden-Württemberg seine Allianz Wirtschaft 4.0 geschmiedet. „Das werden wir schaffen, und dafür ist Voith ein leuchtendes Beispiel“.

Industrie 4.0 als Riesenschance

Und als Grünem leuchte ihm auch ein, dass Voith an vielen Punkten von der Wasserkraft bis zur Ressourcenschonung oder dem digitalen Handel mit Altpapier für Ressourcenschonung stehe.

„Wir sind nicht Shareholder, sondern Bewahrer“, so Dr. Ophelia Nick, die als Enkelin von Hanns Voith für die Familie sprach. Dankbar seien die Gesellschafter für 150 Jahre, dankbar für die Unterstützung der Stadt Heidenheim, dankbar aber vor allem für die Arbeit der Voithianer. „Wir hatten schwere Jahre, aber jetzt geht es wieder richtig gut“.

„Alles, was wir gesagt haben, sind keine Sonntagsreden, sondern es stimmt eben“, so Winfried Kretschmann, nachdem er den symbolischen 20-Millionen-Scheck für die erweiterte DH erhalten hatte: „ Das tut richtig gut!“

Was wünscht Voith-Chef Lienhard dem Unternehmen für die nächsten 150 Jahre? „Ich wünsche mir, dass Voith immer Voith bleibt, und sich immer dem Wandel stellt“. Darum sei ihm nicht bange.

Firmenfeiern gab es in Heidenheim schon viele, die 150-Jahr-Feier von Voith setzte aber ganz neue Maßstäbe vor Ort.

Als Moderatorin des Abends fungierte „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis, und ihre Parts und alle Reden wurden wie bei den UN simultan ins Englische, auf Mandarin, Portugiesisch und Spanisch übersetzt.

Die Bühne hatte die Maße eines Mehrfamilienhauses, bot LED-Technik und als Clou selbstfahrende Rednerpulte, die wie von Geisterhand gezogen ins Rampenlicht glitten.

Musik gab es von Musikern der Capella Aquileia, eine Band samt Chor intonierte die eigens komponierte Voith-Jubiläumshymne „Hello Tomorrow“.

260 Feste feiert Voith über das ganze Jahr 2017 an seinen 167 weltweiten Standorten. In Heidenheim steht nach dem gestrigen Festakt ein Mitarbeiterfest am 13. Juli sowie ein großer Familientag im Werk am 15. Juli an.

Für gute Zwecke spenden Voithianer weltweit im Rahmen der Aktion „150 Good Causes“.

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Kommentare

05.07.2017 20:48 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Festredner weichen der zentralen Frage aus””””

Ihre falsche Scheu, Herr Blum, etwas Eigenes zu sagen und sich auf diese Weise wenigstens mir gegenüber als ernstzunehmend auszuweisen, vereitelt bereits im Ansatz, Ihnen jemals antworten zu können. Bedenken Sie bitte, dass ich inzwischen bald 3 Stunden darauf warte, Ihnen nichts schuldig bleiben zu müssen. Herr Dr. Lienhard räumt Ihnen vermutlich dafür die anstehenden anderthalb Jahrhunderte ein, mich hier im Leserforum der SÜDWEST PRESSE über die wirtschaftlichen Aussichten des von ihm geleiteten Unternehmens mit Ihnen auszutauschen. Indes meine Lebensspanne erwiesenermaßen endlich ist, fällt es mir schwer, die bei Voith in Heidenheim obwaltende Geduld aufzubringen.

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05.07.2017 18:02 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Festredner weichen der zentralen Frage aus”””

WOW! Herr Rath! Sie glauben tatsächlich das das jemand liest

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05.07.2017 16:44 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Festredner weichen der zentralen Frage aus””

In meinem vor wenigen Minuten online gestellten Leserkommentar müsste es "ihres betrieblichen Daseins" im letzten Satz heißen und nicht "bestrieblichen".

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05.07.2017 16:40 Uhr

Antwort auf „Festredner weichen der zentralen Frage aus”

In den vergangenen Monat erschienenen "Mitteilungen aus dem SOFI" stellen Baethge/Kuhlmann gleich eingangs darauf ab, dass die Prämisse von der Zentralität der Arbeit für die gesellschaftliche Entwicklung zwar immer wieder der Überprüfung und Diskussion ihrer Wirkungsweise bedarf, um der virulenten Gefahr einer dogmatisch von Menschenhand gemachten Setzung zu entkommen. Weil aber eine autoritative Setzung (siehe D'Alessio/Oberbeck/Seitz, 2000: 11), die sich eingesteht, dass wir das Beste nicht selbst zu verantworten haben (vgl. FAZ v. 5.5.2017), von vornherein keinerlei Risiken in sich birgt, müsste es für die Geschäftsleitung der künftig als Kommanditgesellschaft auf Aktien firmierenden Voith GmbH ein Leichtes sein, sich arbeitspolitisch für das Richtige zu entscheiden. Abzuwarten bleibt also, ob die dortigen Belegschaften der besagten Anforderung in den nächsten 150 Jahren gewachsen sind oder sich nicht doch bloß um des eigenen Vorteils willen für die Alternative aussprechen. Allemal unbenommen bleibt ihnen jedoch in jeder Sekunde ihres bestrieblichen Daseins die stets freie Auswahl zwischen Opportunismus und einem gleichsam aufrechten Gang.

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05.07.2017 13:13 Uhr

Festredner weichen der zentralen Frage aus

Insofern allein für unzurechnungsfähig erklärte Personen von der allgemeinen Pflicht entbunden sind, Leben zu schonen, sollten dem anlässlich des 150-jährigen Bestehens allseitig an die Voithianer ausgesprochenen Dank endlich die dementsprechenden Taten folgen. Ansonsten könnte es wohlfeiler nicht sein, wenn der Minister des Bundes für die Finanzen, Schäuble, deren "ungeheure Leistung" in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten hervorhebt, solange die Träger menschlicher Arbeitskraft in Wahrheit ihrer Zerstörung entgegengehen. Vor allem mit einem wie auch immer digital praktizierten Taylorismus, der unter dem scheinbar harmlosen Kürzel "Industrie 4.0" daherkommt, gilt es, notwendig einen Bruch zu vollziehen, falls die Würdigungen der Firma nicht zuletzt aus dem Mund des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann kein leeres Gerede sein sollen. Wenn man so will, lässt sich angesichts dessen schlussfolgern, dass der Festakt zuvörderst dem fremden Zweck diente, der Beantwortung solch einer zentralen Frage möglichst weiträumig auszuweichen. Zukunftsträchtiges Handeln sieht demnach anders aus.

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