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Voith-Bilanz: Volle Taschen, voller Ideen

Nicht nur der Kuka-Verkauf führt zu einem Rekord-Plus. Der Start der Digitalsparte gilt als erfolgreich, Paper hat die Trendwende geschafft und an neuen Ideen mangelt es nicht.

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    Da kann man nicht meckern: Voith-Konzernchef Dr. Hubert Lienhard (links, mit Finanzchef Dr. Toralf Haag) ist zufrieden mit dem Ergebnis – finanziell wie hinsichtlich des Konzernumbaus.
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Trendwenden kann man beschwören, besser ist es aber, wenn man sie belegen kann. Vor zwei Jahren wies die Voith-Bilanz ein Minus von fast 100 Millionen Euro aus, das war geplant und dem Konzernumbau geschuldet, aber historisch schlecht. Gestern wurde es wieder historisch: Mit fast 600 Millionen Euro nach Steuern schreibt Voith das mit weitem Abstand beste Ergebnis seiner 150-jährigen Geschichte. Eine Bilanz wie für den Gabentisch.

„Das sieht schon gut aus“, so Konzernchef Dr. Hubert Lienhard gestern bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart: Mit 27 Prozent Eigenkapitalquote ist Voith sturzsolide finanziert, rund 700 Millionen Euro Liquidität hat der Konzern angehäuft. „Das ist eine schöne Kriegskasse“, sagt Lienhard, der keinen Hehl daraus macht, dass Voith auf Einkaufstour gehen könnte. Wo, verrät Lienhard natürlich nicht, doch er macht klar, dass man bei Hydro und Paper kaum noch Wettbewerber aufkaufen kann – da machen dem Weltmarktführer Voith die Kartellwächter einen Strich durch die Rechnung. Also Turbo? Warum nicht. Und natürlich: digitale Zukäufe.

Voith Paper wächst wieder

Denn zufrieden ist Voith nicht nur mit den Zahlen unterm Strich: Natürlich geht das Rekordergebnis maßgeblich auf den Milliardenerlös aus dem Verkauf des Augsburger Robotik-Experten Kuka zurück. Doch auch der Auftragseingang kletterte wieder, legte bei Voith Paper gar um satte 24 Prozent zu – und die Papiertochter, lange ein Sorgenkind im Konzern, steigerte die Gewinne um satte 40 Prozent. „Es hat sich gelohnt, Paper neu aufzustellen“, sagt Lienhard. Mehr als 100 Millionen Euro hat Paper in diesem Jahr verdient, vor ein paar Jahren waren es nicht einmal zehn. Klar ist aber auch: Neue Maschinen baut Voith nur noch für Karton oder Tissuepapiere.

Der Rest der „klassischen“ Geschäftsbereiche ist stabil: Hydro hielt den Umsatz und hat etwas weniger Aufträge, baute aber weltweit rund 400 Mitarbeiter ab und wird wohl auch so das Ergebnis verbessern, Turbo hatte etwas weniger Umsatz, dafür stiegen nun die Aufträge deutlich. Wie immer steht Voith auf mehreren Beinen gut.

Und das jüngste dieser Beine ist die Digitalsparte. Erstmals wird Voith Digital Solutions heuer als eigener Konzernbereich ausgewiesen. Die Zahlen sind noch klein, liegen aber über den Erwartungen. 13 Millionen Euro eigenen Umsatz hat „DS“ generiert (Lienhard: „Jedes andere Startup wäre da froh“), dazu kommen nach rund 290 Millionen Euro Umsatz, die in den anderen Geschäftsbereichen anfallen. All das reicht noch nicht, um Geld zu verdienen, denn Voith steckt jährlich rund 50 Millionen in die neue Tochter. „Sonst geht da nichts“, sagt Lienhard.

Und es geht etwas, wenn man dem Konzernchef Glauben schenkt. Ein Beweis mit vier Rädern steht bei der Bilanzpressekonferenz vor der Türe: In nur acht Monaten hat Voith in Heidenheim einen rein elektrisch betriebenen Stadtbus entwickelt – von der Idee bis zum Prototyp, mit speziell angefertigtem Motor, der kompletten Steuerung, speziellem Getriebe. Das begeistert Lienhard: „Früher hätte so was Jahre gedauert, aber da ist der Voith mit seinen 150 Jahren so richtig in Schwung gekommen“.

Digital wird konkret

Und es geht nicht nur um das Tempo: Nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit der Münchner Digitalagentur Ray Sono, in die sich Voith eingekauft hat, entstand eine komplette Mobilitätslösung. Per App spricht der neue Bus mit dem Flottenmanager, kennt Steigungen und Passagierzahlen und nützt seine Batterien perfekt aus. Und Voith ist auch schon in Gesprächen mit Versorgern wie der EnBW oder den Stadtwerken Heidenheim. Die Idee: Statt riesige, schwere und extrem teure Akkus spazieren zu fahren, die einen ganzen Tag halten müssen, könnte man vielleicht kleinere Batterien verwenden, die man tagsüber an Bushalten aufladen kann – schließlich fährt einen Linienbus nicht durch die Wüste. „Von den Bussen hätte ich schon viele verkaufen können“, sagt Lienhard. Momentan wartet der Konzern auf die Behörden, eine Straßenzulassung für den Antriebsstrang (den Voith an Bushersteller liefern will) wird wohl erst Mite kommenden Jahres vorliegen. Doch dann soll es auf die Nutzfahrzeug-IAA (im September) gehen – und auf den Markt.

Ganz konkret sind die digitalen Lösungen auch schon in Form der Altpapier-Handelsplattform „Merqbiz“. Das Digitalprojekt startete mit einem einzigen Mitarbeiter in Kalifornien, nun arbeiten dort schon 50 Digitalexperten. „Wir hatten schon ein wenig Sorge, ob wir als alte deutsche Firma Mitarbeiter aus dem Silicon Valley anlocken können“, sagt Lienhard. Voith konnte, offenbar.

Und digital wird es weiter gehen: „In ein paar Jahren wird jedes Gerät sprechen können“, sagt Lienhard. Im kommenden Frühjahr will Voit eigene Apps auf den Markt bringen, die helfen, zum Beispiel Kraftwerke besser zu steuern. Auch der Altpapierhandel über Merqbiz könnte sich weiter entwickeln. Bisher hilft die Software, einen stabilen Nachschub an Altpapier zu organisieren. „Im nächsten Schritt kann die App der Papiermaschine dann sagen, welche Papierqualitäten zu erwarten sind. Dann kann sich die Maschine darauf einstellen“. Intern hat Voith bereits Clouds für die Kommunikation mit seinen Großanlagen.

Gute Politik, schlechte Politik

Wie geht es weiter? Auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz blickte Hubert Lienhard (der Ende März in den Ruhestand wechselt) optimistisch in die Zukunft. Die Weltlage sei zwar verworren („Von Jerusalem bis Nordkorea, aber das wissen Sie ja“), doch manchmal kann die Politik Voith sogar helfen: Gemeint sind nicht nur die Umweltauflagen, die die Nachfrage nach Bussen, Bahnen und Elektromobilität steigern, auch andere Entscheidungen bilden Märkte: In China müssen schwere Lkw künftig Retarder haben – ein gigantischer Markt.

Besser gerüstet als Voith könne man fast nicht sein, meint Lienhard: Eine Wachstumsphase wolle das Unternehmen nach den Jahren der Umbauten einleiten, eine Firma für hippe Digitalnerds ebenso werden wie eine für schwäbische Fachkräfte bleiben.


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