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Voith-Arena für 1 Euro: Gemeinderat stimmt Stadiondeal zu

Nach langer Diskussion, vor viel Publikum und mit einigen Gegenstimmen fiel am Donnerstagabend die Entscheidung, dem 1. FC Heidenheim seine Spielstätte für einen Euro zu übereignen.

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Zu später Stunde fiel am Donnerstag die Entscheidung: Erst kurz vor 20 Uhr stimmte der Gemeinderat über die von der Verwaltung vorgeschlagene Auflösung der Pachtverträge mit dem 1. FC Heidenheim und die Übereignung von Stadion und Trainingsplätzen an den Zweitligaverein ab.

23 Stadträte stimmten dafür, fünf dagegen, einer enthielt sich. Petra Saretz und Holger Sanwald (CDU) nahmen wegen Befangenheit nicht an der Entscheidung teil.

Zuvor war nach dem Sachvortrag von Rosemarie Croonen von der Stadtverwaltung im restlos vollbesetzten Ratssaal rege und kontrovers diskutiert worden.

Nur wenige Stadträte offen dagegen

Obwohl verschiedentlich Skepsis geäußert wurde, sprachen sich am Ende nur wenige Stadträte offen gegen den Vorschlag der Verwaltung aus. Mit der Eigentumsübertragung will die Stadt sich finanziell vom Profifußballverein lösen. Nach der Eigentumsübertragung, so trug Croonen vor, muss die Stadt den Verein nur noch im Rahmen der Sportförderrichtlinien – wie alle Sportvereine – unterstützen.

Ein komplizierter Sachverhalt wurde von der Verwaltung in einfachen Kennzahlen dargestellt: Bislang hat die Stadt 16 Millionen in den Ausbau der Voith-Arena investiert, der Verein 20 Millionen. Der Anteil des Vereins wurde mit 56 Prozent beziffert. „Sonst liegt der Anteil, den die Sportvereine bei Baumaßnahmen selbst tragen, bei 27 bis 29 Prozent“, so Croonen.

Derzeit gelten Pachtverträge, die den FCH auf eine Jahrespacht von rund 2600 Euro für Stadion und Sportplätze festlegen. Diese wurden über 25 Jahre festgeschrieben.

Croonen rechnete vor, dass die Stadt unter diesen Bedingungen auf 20 Jahre gesehen 5,76 Millionen Unterhaltungskosten, 800.000 Euro Grundsteuer und 300 000 Euro Gebäudeversicherung bezahlen müsste.

Dazu käme eine jährliche Abschreibung von 320.000 Euro pro Jahr auf 50 Jahre gerechnet und mögliche weitere Investitionen. „23 Millionen Euro Folgekosten können eingespart werden“, so die Argumentation. Der Bodenwert des 80.000 Quadratmeter großen Grundstücks wird zwischen 1,6 und 2,3 Millionen Euro taxiert.

CDU: Der richtige Zeitpunkt

Für die CDU-Fraktion äußerte sich deren Vorsitzender Uwe Wiedmann. Der FCH sei solide gewachsen und nun erwachsen geworden. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für die Initiative der Stadtverwaltung, um eine künftige Überforderung der Stadt zu vermeiden.

Bei der Eigentumsübertragung würden die Vorteile überwiegen, die Möglichkeit des Rückerwerbs sei gegeben. „Wir möchten verantwortungsvoll handeln“, so Widmann, deshalb werde die CDU-Fraktion zustimmen.

SPD: Schenken oder sparen?

Für Rudi Neidlein, Chef der SPD-Fraktion, war die zentrale Frage: „Schenkt die Stadt dem FCH 16 Millionen Euro oder spart sie künftig 23 Millionen?“ Da man gemerkt habe, dass die finanziellen Forderungen des FCH an die Stadt der Öffentlichkeit immer schwerer zu vermitteln seien, sei es wichtig, eine endgültige Trennung herbeizuführen. „Es ist dankenswert, dass der FCH das so mitmacht“, so Neidlein.

Indes konnte er nicht für die ganze Fraktion sprechen, da zwei Mitglieder sich explizit gegen die Entscheidung aussprachen: Jürgen Bohnert betonte, dass der FCH inzwischen ein Wirtschaftsbetrieb sei und sich auch im Eventmanagement engagiere. Er forderte, dass der Verein wenigstens sechs Millionen Euro für den Boden bezahlen solle. Auch Dr. Waltraud Bretzger sagte, sie können es nicht mittragen, ein Grundstück zu verschenken. „Das haben wir auch bisher noch nie gemacht“, so die Stadträtin.

Grüne: Den Vertrag zu sehen bekommen

Michael Sautter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, ging mit viel Skepsis der Vereinbarung gegenüber in die Diskussion. „Wir sehen noch nicht, was nach den Sportförderrichtlinien auf uns zukommt“, meinte er. Dadurch, dass der Pachtvertrag nicht gekündigt werden könne, sei die Stadt in einer prekären Lage. „Die Entflechtung vom FCH sollte nachhaltig sein“, so Sautter. Er wünschte sich, den Kaufvertrag vor Abschluss noch einmal zu sehen zu bekommen, was ihm Oberbürgermeister Bernhard Ilg sofort zusicherte. Die Fraktion der Grünen stimmte danach der Eigentumsübertragung zu.

Freie Wähler: Stadt in glücklicher Lage

Ulrich Grath, Chef der Freien Wähler, sprach sich für die vorgeschlagene Lösung aus. „Wir sind in einer glücklichen Lage, weil wir einen Verein gefunden haben, der uns eine Belastung von 23 Millionen Euro abnimmt“, so Grath. Das Stadion sei nicht verkehrsfähig, weil dort nur Fußball gespielt werden könne. „Wir verkaufen nicht unter Wert“, meinte er. Dass dort weiter Platz sei für Frauen- und Jugendfußball, könne man vertraglich absichern.

Zwei seiner Fraktionsmitglieder sprachen sich gegen die Übertragung für einen Euro aus: „Der FCH ist ein florierendes Wirtschaftsunternehmen“, sagte Ralf Willuth. Er nannte den Vertragsentwurf sehr intelligent, sprach sich aber gegen den Preis von einem Euro aus. „Ich würde 1,846 Millionen Euro als symbolischen Preis für den Grunderwerb vorschlagen“, so Willuth. Er könne nicht nachvollziehen, wo die Nachteile für den FCH liegen sollen, schließlich würden ihm alle Grundstücke zufallen. Die vorgerechneten Kostennachteile für die Stadt „hinken ein bisschen“, meinte Willuth, da sie auf 20 Jahre hochgerechnet seien.

Auch sein Fraktionskollege Christoph Weichert wünschte sich einen deutlich höheren Kaufpreis, „der FCH hat ja dann auch die Möglichkeit der Kapitalbeschaffung.“

Die Linke: Sparen für andere Vereine

Norbert Fandrich (Die Linke) stimmte der Vorlage zu: „Wir sparen Geld, das uns sonst im Haushalt fehlt“, meinte er. Er schlug vor, einen Teil des Geldes an die Sportvereine zurückfließen zu lassen, die zu kurz gekommen seien. OB Ilg widersprach ihm, dass irgend ein Verein zu kurz gekommen sei: „Ich kenne kein Vorhaben eines Sportvereins, das wir nicht mitgetragen hätten.“

DKP: Eine Überrumpelung

Auch Reinhard Püschel (DKP) sprach sich gegen die Eigentumsübertragung aus. „Was jetzt passiert, halte ich für eine Überrumpelung der Bürger und des Gemeinderats“, sagte er. Der FCH sei kein armer Verein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, darüber müsse gründlicher diskutiert werden.

OB Ilg: Anfangs andere Preisvorstellungen

Oberbürgermeister Ilg erläuterte, dass der Vorschlag des Verkaufs für einen Euro aus der Verwaltung kam. Seit November sitze man an den Plänen, dann sei man in Gespräche mit dem FCH eingetreten. „Das Modell, das wir auf einem anderen Niveau begonnen haben, trägt nicht mehr“, so Ilg.

Anfangs hätte er sich einen Kaufpreis von ein oder zwei Millionen Euro vorgestellt, aber er habe keine faire Grundlage für so einen Preis gefunden. „Der FCH hat kein Vermögen“, sagte Ilg. Für den Kauf hätte der Verein einen Kredit aufnehmen müssen, für den die Stadt dann wiederum bürgen müsste. „Wir wollten mit dem einen Euro sagen: Wir finden keinen fairen Preis“, so Ilg.

Lesen Sie hier, wie die Pachtregelungen bislang zwischen der Stadt Heidenheim und dem 1. FC Heidenheim lauteten.

Lesen Sie hier, wie in anderen Städten Verwaltungen und Vereine die Stadionfrage klären oder geklärt haben.

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