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Unerwarteter Fund bei Grabungen im Fürsamen

Bei den archäologischen Grabungen im Fürsamen ist ein Fund gemacht worden, mit dem auf diesem Areal wohl niemand gerechnet hätte.

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Der Fund ist einigermaßen spektakulär und kam völlig unerwartet. Dass der Boden im Fürsamen – zwischen Brenzpark und Schnaitheim an der Brenz gelegen – überaus geschichtsträchtig ist, ist seit langem bekannt. Aber dass er hier das Grab eines Kriegers aus der Bronzezeit entdecken würde, damit hatte Archäologe Hardy Prison nicht gerechnet. „Wir haben hier sehr viele alamannische, aber auch römische und einige eisenzeitliche Spuren. Aber das Grab ist der einzige Hinweis auf die bronzezeitliche Besiedlung.“

Rund 3000 Jahre lang lag das Grab etwa einen Meter unter der heutige Oberfläche verborgen. Etwa 1000 v. Chr. muss der Mann gestorben sein, der hier bestattet wurde. Mit zahlreichen Grabbeigaben, die dem Archäologen heute wertvolle Hinweise liefern. Da sind zum einen das Schwert, das wohl mal um die 60 Zentimeter lang war, und der 25-Zentimeter-Dolch aus Bronze, die dem Mann mit ins Jenseits gegeben wurden – nicht ohne vorher für die Lebenden unbrauchbar gemacht worden zu sein. Dazu gehören aber auch fünf Beigefäße wie Schüsseln und Teller, die um die Urne platziert waren.

Nur noch Scherben übrig

„In der Bronzezeit wurden die Menschen nach ihrem Tod auf Scheiterhaufen verbrannt, danach wurden ihre Knochen aus der Asche ausgelesen und in einer Urne beigesetzt“, erklärt Prison. „So konnte man zweimal feiern, bei der Einäscherung und bei der Bestattung“ fügt er lachend hinzu. Freilich sind von den Gefäßen heute nur noch Scherben übrig.

Dass es sich um einen bedeutenden Menschen gehandelt haben muss, ist für Prison unstrittig. Zu wertvoll wären die Grabbeigaben für einen „normalen“ Menschen. „Das ist bisher das einzige bronzezeitliche Grab eines Kriegers im gesamten Landkreis“, so der Archäologe.

Doch eigentlich gräbt er im Fürsamen nach ganz anderen Spuren. Denn hier, am Ufer der Brenz, stand in der Zeit Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. eine ungewöhnlich große alamannische Siedlung. Über die Jahre hinweg haben Prison und seine Vorgänger hier die Grundrisse von mehr als 30 Häusern freigelegt. Die waren nicht selten mehr als 20 Meter lang, Mensch und Tier lebten meist unter einem Dach. Das deutet darauf hin, dass hier auf jeden Fall mehr als 600 Menschen gelebt haben – und das in einer Zeit, in der eher auf einzelnen Gehöften gewohnt wurde.

Ein frühes Gewerbegebiet

Weitere Erkenntnisse zeigen, dass es in der alamannischen Siedlung sogar eine Art Gewerbegebiete gab, denn während in manchen Bereichen des Fürsamens Spuren früher Metallverarbeitung gefunden wurden, gibt es in anderen viele Hinweise auf Textilverarbeitung oder auf Töpferei.

Zu einer solch großen Siedlung passt auch die jüngste Entdeckung Prisons: „Wir haben die Pfostengruben eines sehr großen Gebäudes gefunden, das aller Wahrscheinlichkeit nach zweistöckig war und allein deshalb sehr außergewöhnlich ist. „Es könnte sich dabei um einen Versammlungsraum, eine Art Dorfhaus gehandelt haben“, mutmaßt der Archäologe. Die ungewöhnlich tiefen und sehr breiten dunklen Verfärbungen im Boden, die von den Pfosten der Fachwerkgebäude erhalten geblieben sind, lassen diesen Schluss zu. „Außerdem können wir davon ausgehen, dass die Häuser nicht nur mit Lehm abgedichtet, sondern tatsächlich verputzt und teils auch bemalt waren, wir haben entsprechende Putzreste gefunden.“

Während die Bedeutung des großen, sehr zentral gelegenen Gebäudes noch unklar ist, kann Prison eines mit Sicherheit sagen: Irgendwann ist es abgebrannt. Dafür gibt es ausreichend Beweise, etwa in Form von verbranntem Lehm und von durch Hitzespuren verfärbten Steinen.

Doch wie groß war die alamannische Siedlung wirklich, wie viele Menschen lebten hier, nachdem die Römer abgezogen waren, von denen auch noch jede Menge Überbleibsel wie Münzen und Bruchstücke von keramischen Gefäßen im Erdboden vorhanden sind? Das wird man voraussichtlich nie erfahren, denn noch ist Prison nicht auf den Rand der Besiedlung gestoßen. Auch wurde noch kein Friedhof aus alamannischer Zeit auf dem Grabungsgelände gefunden, der Aufschluss über die Größe der Siedlung, die wohl eher eine Stadt war, geben könnte.

Und was geschieht mit all diesen Erkenntnissen? „Wir kartographieren alles und können uns dadurch ein ziemlich genaues Bild machen“, erklärt Prison. Außerdem werden die Funde aufbewahrt und restauriert. Ist das Gelände untersucht, entstehen hier Bauplätze. So wie auf jenem rund 4000 Quadratmeter großen Gelände, das rund eineinhalb Jahre lang auf Spuren der Vergangenheit unter die Lupe genommen wurde und jetzt kurz vor der Freigabe steht. Hier sind sieben Bauplätze geplant.

Doch schon ist Hardy Prison dabei, ein neues Grabungsfeld zu eröffnen. Mit Hilfe eines Baggers wurde begonnen, die Humusschicht abzutragen, und schon jetzt sind die dunklen Verfärbungen im Boden deutlich erkennbar. „Pfostengruben und Feuerstellen“, sagt der Archäologe“ mit Kennerblick. Und damit ein weiterer Baustein in der Siedlungsgeschichte des Fürsamens.

Seit 7000 Jahren leben Menschen im heutigen Fürsamen

Im Fürsamen zwischen Brenzpark und Schnaitheim finden seit 1999 großflächige archäologische Siedlungsgrabungen statt. In dieser Zeit wurde deutlich mehr als die Hälfte der acht Hektar großen Fläche untersucht. Noch sind die Untersuchungen längst nicht abgeschlossen, aber schon jetzt lässt sich sagen, dass es sich hier um die wohl größte zusammenhängende frühalamannische Siedlungsgrabung in ganz Deutschland handelt.

Schon weit vor alamannischer Zeit war der Fürsamen als Wohngebiet beliebt. Die frühesten Siedlungsspuren stammen aus der Zeit der Bandkeramik (etwa 5000 v. Chr.) und sind damit jungsteinzeitlich. Darüber hinaus wurden im Fürsamen auch Scherben und Siedlungsstrukturen der Urnenfelderkultur (1000 bis 800 v. Chr.), der Hallstattzeit (750 bis 600 v. Chr.) und der Spätlatenezeit (120 bis 50 v. Chr.) nachgewiesen. Die Bronzezeitlichen Funde schließen nun eine weitere Lücke.

Außerdem haben die Grabungen der vergangenen Jahre ergeben, dass auch die Römer Mitte des 2. bis Mitte des 3. Jahrhunderts im Fürsamen siedelten und hier zumindest einen Gutshof für das nahe Reiterkastell unterhalten haben. Später (Ende des 3. bis Ende des 4. Jahrhunderts) kamen dann die Alamannen in den Fürsamen, der wohl bis ins frühe Mittelalter besiedelt blieb.

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