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Tatort Juweliergeschäft: Warum immer wieder Kopp?

Nach dem jüngsten Einbruch gibt's noch keine heiße Spur, aber Hinweise darauf, was potenzielle Täter am ehesten anlockt.

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Jetzt zum fünften Mal: Im Mai 2016, als unser Bild entstand, war die Hauptstraße zweimal hintereinander zum Tatort geworden. Die Ermittlungen im aktuellen Fall haben noch keine heiße Spur ergeben.  Foto: 

Der Täter kehrt immer wieder an den Tatort zurück. In Heidenheim lässt sich diese wissenschaftlich nicht belegte, aber oft angeführte kriminalistische Binsenweisheit in geradezu klassischer Weise nachvollziehen.

Zum fünften Mal schon ist das Juweliergeschäft Kopp von Raubtätern und Einbrechern heimgesucht worden - ein gewiss spektakulärer Fall und doch kein Einzelfall in der Schmuck- und Uhrenbranche, die in Deutschland pro Jahr im Schnitt 100 Überfälle auf Juweliere verzeichnet.

Die meisten Täter, die sich im Laufe der zurückliegenden vier Jahre bei Kopp in der Hauptstraße bedient haben, laufen bis zum heutigen Tage frei herum. Noch gilt dies auch für die Verbrecher, die in der Nacht zum Montag zugeschlagen haben. Ob sie freilich auf Dauer unerkannt bleiben, scheint in diesem Fall fraglich, denn dem Vernehmen nach ist das nächtliche Geschehen im Innern des Juweliergeschäfts von mindestens einer Videokamera aufgenommen worden. Auf dem Film, der jetzt von Sachverständigen des Landeskriminalamts in Stuttgart ausgewertet wird, sind offenbar mehrere Personen zu sehen, die nur zum Teil maskiert gewesen sein sollen.

Keinerlei Hinweise von Zeugen

Im Polizeipräsidium Ulm macht man derzeit weder zur Vorgehensweise noch zur Schadenshöhe Angaben. Nur soviel: Die Resonanz auf die von der Kripo Anfang der Woche erbetenen Zeugenaufrufe war gleich Null. „Es gibt keine relevanten Hinweise und keine heiße Spur,“ sagt Pressesprecher Wolfgang Jürgens, lässt lediglich verlauten, dass die Täter mit hoher krimineller Energie vorgegangen seien und die noch am Anfang stehenden Ermittlungen auf Hochtouren laufen. Das Verfahren selbst werde wegen des Vorwurfs des besonders schweren Diebstahls geführt.

Während frühere Täter entweder mit einem Auto ins Schaufenster gefahren waren oder am helllichten Tage Verkaufspersonal gefesselt und mit einer Waffe bedroht hatten, sind die Urheber der jüngsten Tat über einen anderen Weg an ihr Ziel gekommen. Sie knackten die Hintertür des Geschäfts, aus dem sie – wie schon früher – gezielt hochwertige Uhren und Schmuck mitgehen ließen. Der Wert der Beute bewegt sich nach Informationen unserer Zeitung in einem sechsstelligen Bereich, während sich der am Gebäude und Inventar angerichtete Sachschaden diesmal eher in Grenzen hält.

Einbruch in nur zwei Minuten

Nach Einschätzung von Geschäftsinhaber Hansjörg „Joggl“ Kopp hat das ganze Geschehen gerade mal ein bis zwei Minuten gedauert. Der Juwelier geht davon aus, dass die Täter diesmal früher als geplant abgerückt sind, was er auf die rasche Präsenz der offenbar automatisch alarmierten Sicherheitskräfte zurückführt – und im Übrigen mit einem dicken Lob quittiert: „Die Polizei war richtig gut und ganz schnell da.“

Aber warum wird immer wieder ausgerechnet dieses Juweliergeschäft zur Zielscheibe verbrecherischer Machenschaften? Die Antwort ergibt sich unter anderem aus dem dort bestehenden Angebot. Dass die Täter scharf auf ganz bestimmte Marken sind, entspricht nicht nur einer allgemeinen polizeilichen Feststellung. Als aufmerksamer Beobachter des Geschehens gilt auch Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst mit Sitz im nordrhein-westfälischen Lünen.

Der Spezialist stützt sich auf die Auswertung von mehr als 10 000 Straftaten und weiß von dem Phänomen immer wiederkehrender Schauplätze krimineller Umtriebe, die aus zwei Gründen ins Visier von Raubtätern und Einbrechern kommen: „Weil es dort genau das gibt, was sie haben wollen – und weil sie die Chance sehen, besonders leicht an die Beute zu kommen, ohne erwischt zu werden.“

Riskant: Rolex und Breitling

Klingt simpel, wird aber näher erklärt. Das höchste Risiko bestehe für Juweliere, die Rolex oder Breitling führen. Damit stehe man in jedem Fall im Fokus der Täter, die häufig aus Südosteuropa, bevorzugt aus Litauen kämen. Täter aus diesem Raum sind auch im Tatkomplex Kopp schon festgenommen und verurteilt worden, aber, so die Erfahrung Winckels, „die wachsen schneller nach als wir sie einsperren können“.

Und sie tun sich relativ leicht, die geeigneten Objekt auszubaldowern. Dazu müssten sie sich entgegen landläufiger Annahme gar nicht mehr vor Ort begeben, reiche doch oft schon ein Blick auf die Homepages der sich mit schönen hochauflösenden Innen- und Außenansichten präsentierenden Juwelierläden, um nicht nur das Warenangebot zu sichten, sondern auch den Sicherheitsstandard zu checken.

Hilfreich sei dann auch Google Earth, mit dessen Hilfe sie auch Fluchtwege erkennen und planen können. Im Falle Heidenheims könnte der Tatort Hauptstraße mit seiner unmittelbaren Nähe zum Schlossberg punkten.

Solche aus Tätersicht einladenden Muster finden sich öfter als gedacht, und so zeigt sich denn auch aus polizeilicher Sicht, dass der Fall Kopp bei weitem kein Einzelfall ist. Nächstgelegene Beispiele finden sich in Ulm, wo Juwelier- und Schmuckgeschäfte ebenfalls schon zu Mehrfach-Tatorten geworden sind.

Um die Serie zu stoppen, ist man dort und anderswo inzwischen übergegangen, die Anreize zu mindern, indem die teuersten Stücke abends entweder aus den Auslagen genommen oder überhaupt nicht mehr ausgestellt, sondern nur noch auf Verlangen präsentiert werden. Eine solche Möglichkeit zieht jetzt auch Juwelier Kopp in Erwägung, der zudem ankündigt, sicherheitstechnisch nochmal aufzurüsten, obwohl er den bestehenden Standard schon als sehr hoch einschätzt.

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