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Tarifabschluss: Was er kostet und was er bringt

Was viele der im öffentlichen Dienst Beschäftigte freut, ist der Finanzchefs Leid. Trotzdem hält sich auf Arbeitgeberseite das Lamento über den guten und damit auch teuren Tarifabschluss in Grenzen: Gehaltserhöhungen tragen schließlich dazu bei, Jobs in öffentlichen Einrichtungen aufzuwerten.

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Arbeitsplatz direkt vorm Rathaus Heidenheim: Auch Mitarbeiter der städtischen Betriebe gehören zu den Nutznießern der im öffentlichen Dienst vereinbarten Tariferhöhung.  Foto: 

Alles hat seinen Preis. Was sich an tariflich vereinbarten Verbesserungen konkret im Geldbeutel der in öffentlichen Diensten stehenden Menschen niederschlägt, macht sich auf der anderen Seite als Kostenfaktor bemerkbar. Überraschend kommt das für die Arbeitgeber nicht, hat man doch schon im Vorfeld mit Erhöhungen kalkuliert und und bei der Haushaltsplanung gewisse Steigerungen des Personalaufwands eingerechnet. Dass es so dick kommen würde, haben die meisten Kämmerer und Finanzverantwortliche jedoch nicht gedacht.

Bei der Stadtverwaltung Heidenheim tut man sich noch schwer, exakte Berechnungen vorzulegen. „Das liegt an dem Sockelbetrag von 90 Euro in den untern Lohngruppen,“ sagt Wolfgang Heinecker, Pressesprecher im Rathaus, wo man bislang zwei Szenarien durchgerechnet hat. Wenn man für 2014 annimmt, dass die Tariferhöhung einschließlich prozentualer Steigerung und Sockelbetrag 3,3 Prozent ausmacht, steigen die Personalkosten um 705 000 Euro, was gegenüber dem Haushaltsansatz ein Plus von rund 190 000 Euro ergibt. Stellt man die Modellrechnung mit einer durchschnittlichen Erhöhung um vier Prozent an, machen die Mehrkosten 855 000 Euro aus – das läge dann um 340 000 Euro über den Zahlen, die der Haushaltsplanung zugrunde liegen.

Ungeachtet der Steigerungsraten zeigt sich Oberbürgermeister Bernhard Ilg zunächst erleichtert, dass das jetzt auf dem Tisch liegende Ergebnis ohne einen teuren Arbeitskampf erzielt werden konnte. Gleichzeitig weist der Chef von 669 Tarifbeschäftigten und 51 Beamten darauf hin, dass es im Blick auf die ohnehin hohen Personalkosten eines öffentlichen Dienstleisters wie der Stadtverwaltung nicht einfacher wird, immer wieder aufs Neue die kommunalpolitischen Handlungsfähigkeit herzustellen. Für um so wichtiger hält er gutes Personal, das dem steigenden Kosten- und Handlungsdruck standhalten kann.

Der Landkreis Heidenheim hatte bei der Haushaltsberatung bereits mit einem Plus von zwei Prozent gerechnet, was einer Steigerung des Personalaufwands um 320 000 Euro entsprochen hätte. Das tatsächlich erzielte Ergebnis verursacht nach Angaben von Landratsamts-Pressesprecherin Anja Halbauer einen zusätzlichen Mehraufwand von rund 200 000 Euro. Dabei falle die Erhöhung bei vielen Beschäftigten aufgrund des Mindestbetrages von 90 Prozent höher als drei Prozent aus.

„Der hohe Tarifabschluss belastete den Kreishaushalt,“ stellt Landrat Thomas Reinhardt unumwunden fest, für den der nicht geplante Mehraufwand auch angesichts des vom Kreistag bei den Haushaltsberatungen um 200 000 Euro gekürzten Personalbudgets eine Herausforderung darstellt. „Auf der anderen Seite stehen natürlich auch unseren Mitarbeitern Gehaltssteigerungen zu,“ so der Chef von 395 Tarifbeschäftigten und 29 Azubis, der insbesondere auf die in unteren Gehaltsgruppen spürbare Verbesserungen verweist. Auch Reinhardt ist klar, dass bessere Bezahlung insgesamt dazu beiträgt, den öffentlichen Dienst als Arbeitgeber attraktiv zu halten – was angesichts der demographischen Entwicklung immer wichtiger werde.

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