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Tagesmütterverein: "Man braucht Nerven wie breite Nudeln"

Wer Tagesmutter werden will, muss nicht nur flexibel sein, starke Nerven und ein großes Herz für Kinder haben, sondern auch einen Qualifizierungskurs machen. In 160 Unterrichtseinheiten bekommen die angehenden Tageseltern gelehrt, auf was man dabei alles achten muss und welche Rechte und Pflichten sie haben.

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Die Sozialpädagogin Sandra Hirner (links) und die Geschäftsführerin Karin Keller (rechts) vom Tagesmütterverein Heidenheim haben im Laufe der Jahre ein Auge dafür bekommen, welche Eigenschaften welche Tageseltern haben.  Foto: 

Die Nachfrage nach engagierten Tagesmüttern oder -vätern hat in den letzten Jahren zugenommen. Der Grund dafür sei die zunehmende Berufstätigkeit von Eltern und der Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres, sagt Karin Keller, Sozialpädagogin und Geschäftsführerin des Tagesmüttervereins Heidenheim. Doch auch die öffentlichen Angebote wie Kindertagesstätten, Krippen und die Nachmittagsbetreuung an Grundschulen haben zugenommen. „Die Eltern müssen einfach wissen, wie die Betreuung ihrer Kinder aussehen soll“, sagt Keller.

Der Tagesmütterverein Heidenheim hat derzeit rund 200 Tageseltern in der Kartei. Aber nicht alle sind vermittelt. Die Altersspanne der Tageseltern reiche dabei von Mitte 20 bis 70 Jahre, sagt Keller. Auch zwei Tagesväter sind dabei. Wer sich bewerben möchte, muss volljährig sein und einen Schulabschluss haben. „Sehr jungen Frauen ohne Berufsausbildung, die sich hier bewerben und hauptberuflich als Tagesmutter arbeiten wollen, raten wir meistens ab“, sagt Keller. Denn die Ausbildung zur Tagesmutter sei kein Ersatz für eine richtige Berufsausbildung, erklärt sie. „Und da sind wir ganz ehrlich zu den Bewerbern“, sagt sie weiter.

Insgesamt dürfen maximal fünf Kinder gleichzeitig von einer Tagesmutter betreut werden. Das sei gesetzlich vorgeschrieben, sagt Keller. Im Durchschnitt werden im Landkreis Heidenheim rund zwei Kinder gleichzeitig von einer Tagespflegeperson betreut, fügt die Sozialpädagogin hinzu. Der Job als Tagesmutter verlangt hohe Flexibilität, Idealismus und viel Liebe zu Kindern. „Man muss oft Nerven haben wie breite Nudeln“, sagt Keller. Wer sich bewirbt, wird von den Sozialpädagoginnen des Tagesmüttervereins ganz genau unter die Lupe genommen. „Dabei schauen wir vor allem auf die familiäre Situation; ob der Job als Tagesmutter in die Lebenssituation passt“, erklärt Keller den Vorgang.

Doch das allein reicht nicht aus, um letztendlich eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt zu bekommen. Wer Tagesmutter werden will, muss einen Qualifizierungskurs machen. In 160 Unterrichtseinheiten lernen die Frauen und Männer, die Tageseltern werden wollen, worauf es ankommt. „Die ersten 30 Stunden, also der erste Kursblock, dient zur Orientierung“, erklärt Sozialpädagogin Sandra Hirner, die einen Teil des Kurses leitet.

In diesen ersten Stunden bekommen die angehenden Tageseltern vermittelt, wie ein Alltag mit einem Tageskind aussieht und mit welchen Gefühlen das Kind und dessen Eltern an die Sache herangehen.

Auch die Sicherheit spielt in den ersten Kursstunden eine große Rolle. „Wir erklären, was man tun kann, um den Haushalt für ein Kind sicher zu machen, sowohl im Haus als auch draußen“, sagt Hirner. Außerdem sei es auch sehr wichtig, wie die Kennenlernphase zwischen den Eltern und der Tagespflegeperson abläuft. Auch darauf werden die angehenden Tageseltern vorbereitet.

Der komplette Qualifizierungskurs dauert in der Regel ein gutes Jahr. Ein großer Block in dem Kurs ist der rechtliche Aspekt. „Es ist wichtig zu wissen, welche Rechte und Pflichten man als Tagesmutter hat“, sagt Hirner. Auch wenn die meisten Tagesmütter eigene Kinder haben, werden pädagogische und erzieherische Themen im Kurs durchgenommen. „Das ist alles sehr praxisorientiert“, erklärt Sandra Hirner. Zusätzlich müssen die angehenden Tageseltern auch einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder vorweisen. Die neuen Tagesmütter werden von den Sozialpädagoginnen anfangs sehr intensiv betreut. „Wir besuchen sie in der Anfangsphase öfter, um eventuell Hilfestellung geben zu können“, sagt Hirner.

Und auch das Jugendamt macht Besuche und stellt die Pflegererlaubnis aus. Immerhin ist auch die Bezahlung der Tagesmütter über das Jugendamt geregelt. Im Anschluss an den einjährigen Qualifizierungskurs gibt es pro Jahr noch 15 zusätzliche Unterrichtseinheiten für die Tagesmütter. „Die Tagesmütter können dabei selbst wählen, welche Themen sie noch durchnehmen wollen“, sagt Hirner.

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