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Tafelladen lenkt Blick auf die jungen Gesichter der Armut

Armut hat viele Gesichter, die zudem immer jünger werden. Ein Kinder-Shop im Tafelladen der Caritas spiegelt das in Heidenheim um sich greifende Alltags-Grau wider.

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Kinderecke im Tafelladen: neue Anlaufstelle für Familien mit schmalem Geldbeutel.  Foto: 

Fast jeden Werktag das gleiche Bild. Die morgendliche Warteschlange vor dem Heidenheimer Tafelladen macht die nüchternen Statistiken lebendig, wie sie im Job-Center und an anderen Stellen staatlich verwalteter Armut geführt werden. Menschen, die nicht am Tisch der Überflussgesellschaft sitzen, der just jenen Einkaufsladen füttert, der sie ernährt. Ihnen hilft, auf ihrer Schmalspurbahn täglich die Kurve zu kriegen, im Kreislauf der wie auch immer verursachten Bedürftigkeit über die Runden zu kommen.

„Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal hier stehen würde“, sagt Karin Müller. Ihren wahren Namen will die junge Frau nicht nennen, weil sie es als demütigend genug empfindet, dort einkaufen zu müssen, wo man ohne Berechtigungsschein gar nicht hineinkommt. Der bescheinigt, dass das Einkommen zum Auskommen nicht reicht, dokumentiert mithin das, was der eine als persönliches Versagen, der andere als gesellschaftliches Übel, der Dritte als Schicksal erlebt. „In jedem Fall hat man's schwarz auf weiß, dass irgendwas schief gegangen ist.“

Und doch ist die zweimal in der Woche in die Wilhelmstraße kommende junge Mutter froh über diese Adresse, die für so manchen aus der normalen Konsumentenbahn geworfenen Zeitgenossen zum Fluchtpunkt geworden ist. „Ohne den Tafelladen sähe es sehr viel enger aus“, sagt die alleinerziehende Frau, die an diesem Tag ihre kleine Tochter mitgebracht hat. Die braucht was Warmes zum Anziehen, und mal sehen, wer weiß, vielleicht reicht's auch noch zu dem kleinen Kuscheltier, das da mit einem verlockenden Lächeln auf eine neue Freundin wartet.

Anders als manch andere mit Kinder-Artikeln handelnde Geschäfte verzeichnet der Tafelladen ungeachtet der demographischen Entwicklung einen wachsenden Zulauf. Karin Müller und ihre Tochter repräsentieren eine von im Moment 80 Familien, die sich und damit 170 Kinder in diesem Laden versorgen, wo das Kleingeld die größte Rolle spielt. Bei der Caritas hat man sich auf diese Klientel eingestellt und das Angebot im Tafelladen erweitert. Neben einer Backwarentheke und der Lebensmittelabteilung gibt es einen inzwischen gut bestückten Kinder-Shop, in dem Eltern – in der Mehrzahl alleinerziehende Mütter – ein Sortiment finden, das von der Babyausstattung über den Kinderwagen und Kleinmöbel bis hin zu Spielsachen, Kinderbüchern und Schulranzen reicht.

Während die Lebensmittelregale des Tafelladens mit all jenen Waren bestückt werden, die von einem täglich zweimal durch den Landkreis tourenden Team von Discountern, Bäckereien, Obst- und Gemüsegeschäften eingesammelt werden, lebt die von vier ehrenamtlichen Verkäuferinnen betreute Kinderabteilung größtenteils von privaten Spendern. Zusätzliche Hilfe erfahren die Akteure von den Initiatoren der seit Jahr und Tag in der Karl-Rau-Halle über die Bühne gehenden Leo-Bedarfsbörse. „Wir haben vereinbart, dass man uns all die Sachen geben kann, die am Ende des Tages dort übrig bleiben“, erzählt Karin Frech, die Leiterin des Tafelladens, die in diesem Segment überdies vom Caritas-Kaufhaus in Ravensburg unterstützt wird. Und weil das alles angesichts der wachsenden Kundenschar nicht reicht, will man sich in Zukunft verstärkt auch bei Discountern, Drogeriemärkten und anderen Geschäften darum bemühen, mit Nachschub an Kinderbekleidung sowie Erst- und Folgeausstattungen für Babys und Kleinkinder versorgt zu werden.

Derzeit sind für den seit 2008 betriebenen Tafelladen 312 Einkaufsberechtigungsausweise ausgestellt, hinter denen sich insgesamt 645 auf diese Art der direkten Hilfe angewiesenen Menschen verbergen. „Neuerdings können auch Asylbewerber kommen,“ sagt Karin Frech, die bei der jährlichen Trägerkonferenz des nicht gewinnorientiert ausgerichteten Tafelladens auch eine betriebswirtschaftlich positive Bilanz ziehen konnte. Zu den Trägern gehört neben der Caritas Ost-Württemberg mit Regionalleiter Harald Faber auch die durch Pfarrer Jürgen Zorn vertretene katholische Kirchengemeinde St. Maria – und beide vernahmen mit nicht unzufriedener Miene, dass der von alles in allem 25 ehrenamtlichen Mitarbeitern umgetriebene Tafelladen 2011 nicht nur den Geldbeutel seiner Kunden geschont, sondern im Unterschied zu vorangegangenen Jahren auch noch kostendeckend gearbeitet hat.

Info Das Verkaufs-Team des Tafelladens freut sich über weitere Frauen und Männer, die ehrenamtlich bei der Lebensmittelabholung, Sortierung, Bestückung und im Verkauf mitarbeiten wollen. Auskünfte erteilt Karin Frech unter Tel. 07321.929439.
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