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Studenten stoßen mit Solarsegel in Neuland vor

Julian Glaab und Johannes Riedel sind sich sicher: "Wir betreten absolutes Neuland." Beide Studenten gehören zu einer Gruppe angehender Wirtschaftsingenieure an der DHBW, welche beim Segeln die Energie der Sonne nutzen wollen. Erste Tests auf dem Chiemsee haben schon stattgefunden.

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  • Nur 0,02 Millimeter dick und biegbar: als zusätzliche Schicht lassen sich solche Solarzellen in Membransegel einbringen. 1/2
    Nur 0,02 Millimeter dick und biegbar: als zusätzliche Schicht lassen sich solche Solarzellen in Membransegel einbringen.
  • Versuche auf dem Chiemsee haben gezeigt, dass die Solarzellen am besten im unteren Bereich des Segels fixiert werden. 2/2
    Versuche auf dem Chiemsee haben gezeigt, dass die Solarzellen am besten im unteren Bereich des Segels fixiert werden.
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Als sich die Gruppe im Januar formiert hatte, war ursprünglich vorgesehen, im Rahmen der in diesem Studiengang verbindlichen marktorientierten Produkt- oder Prozessentwicklung, mittels Sonnenenergie die Antriebsleistung von Segelyachten zu erhöhen. Was jetzt in die „heiße Phase“ des Testens kommt, ist indes ein anderes Konzept. Unter dem Produktnamen Solarsails soll das Sonnenlicht der Energieversorgung an Bord dienen. Gesammelt werden die 200 Watt Zusatzleistung für alle Aggregate, die Strom benötigen, direkt am Segel. Dies ist die Innovation der Heidenheimer Studenten. Sie bringen beidseitig auf der Segelfläche biegsame Solarzellen auf. Am besten eignen sich dafür die derzeit noch vermehrt im Profi-Bereich geschätzten Membransegel, bei denen die Photovoltaikzellen nur zwischen Trägermaterial und lichtdurchlässiger Außenfolie eingebracht werden müssten. Zudem haben Membransegel und die Solarzellen in etwa die gleicher Lebensdauer. „So wird aus Sonnenschein und ungenutzter Segelfläche elektrische Energie für Navi und Co.“, werben die Studenten für ihre Erfindung.

Messungen bei Versuchsfahrten auf dem Chiemsee, um die beste Position für die Solarzellen zu finden, haben gezeigt, dass im unteren Bereich des Segels platzierte Streifen am meisten Energie erzeugen. Dies ist gleichzeitig ein Vorteil für den Einbau der nur 0,02 Millimeter dünnen Schicht von Siliziumsolarzellen, da sich hier das Segel am wenigsten wölbt. Eine Gewichtsbelastung für das Segel bringen die Zellen nicht mit. Eine Einheit wiegt gerade einmal fünf Gramm. „Als Segler darf man nichts spüren“, sagt Julian Glaab, „das war auch die Ausgangsbedingung für unsere Entwicklung“. Als technisch knifflig erwies sich die Aufgabenstellung, die gewonnene Solarenergie zu den Stromspeichern zu führen. Insgesamt sind sich die Studenten nach zehn Monaten sicher, „eine ziemlich gute Lösung“ für die zusätzliche Energieversorgung eines Segelschiffs gefunden zu haben. „Die Solarzellen im Segel erzeugen genügend Energie, um die autarke Versorgung der Bordelektronik sicherzustellen“, sagen die Studenten. Und sie wissen auch, dass jeder somit gesparte Liter Schiffsdiesel ein Dienst an der Umwelt ist.

Und noch einen Vorteil listen die Studenten auf, Wenn die Sonne aufs Segel scheint, muss kein lärmender Verbrennungsmotor mehr mitlaufen. „Es gab viele Zweifler am Anfang“, erinnert sich Julian Glaab, der als Segler den Anstoß für die Entwicklung gegeben hat, „weil es eben nichts Vergleichbares gab“. Doch nicht nur, dass sich diese Vorbehalten aufgelöst haben, auch die anderen Studenten in der Gruppe haben inzwischen Freude am Segelsport gefunden.

Bei Umfragen auf der Fachmesse Boot in Düsseldorf haben die Studenten viel Zuspruch für ihre Entwicklung erfahren. 80 Prozent der Befragten würden solch ein Segel nutzen, bis zu 30 Prozent Aufpreis würden dafür akzeptiert. „Dies wäre von uns zu schaffen“, weiß Johannes Riedel aus der bisherigen Kalkulation. Ein Vorseriensegel soll im kommenden Frühjahr gefertigt und erprobt werden. Auch für die Größenordnung der absetzbaren Solarsegel haben die Studenten Marktforschung betrieben. Auf 32 000 Stück pro Jahr schätzen sie das Potenzial.

Damit dieses gehoben werden kann, müssen die Studenten erst investieren. Auch hier beschreitet die Gruppe neue Wege. Erstmals an der DH wollen sie eine Crowdfunding Kampagne starten. Möglichst viele Kapitalgeber werden gesucht, die selbst mit kleinen Beiträgen zum Erfolg beitragen können. Schon ab 10 Euro können Interessenten das Vorhaben online unterstützen. Auf 14 000 Euro ist der Aufwand für die Entwicklung und Erprobung des „High-End-Produkts“ im Feldversuch angesetzt. Weiteres unter www.startnext.de/solarsails.

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