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Streik: Edelmann stand fast ganz still

Im größten Faltschachtel-Werk Europas standen am Mittwoch fast alle Räder still: Weil es die Gewerkschaft wollte, die die Beschäftigten der Firma Edelmann zu einem ganztägigen Warnstreik aufgefordert hatte.

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Das Gasthaus »Zum Alten Sägewerk« als Streiklokal der Edelmann-Beschäftigten: Schlange stehen für den Eintrag in die Streiklisten.  Foto: 
Der Arbeitskampf hat mit der laufenden Tarifrunde in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie zu tun. Die Gewerkschaft Verdi fordert ab sofort 5,5 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten. Der Arbeitgeberverband bietet erst in den nächsten beiden Jahren jeweils zwei Prozent mehr. Nach Auffassung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ist dies völlig unzureichend, so dass am Montag bundesweit in nahezu 40 Betrieben mit befristeten Arbeitsniederlegungen begonnen worden ist.

Seit Mittwoch – am Tag der zweiten Verhandlungsrunde – ist auch der Heidenheimer Stammsitz der international operierenden Verpackungsgruppe Edelmann von dieser Warnstreikwelle erfasst worden. Nach übereinstimmenden Angaben von Firmenleitung und Gewerkschaft haben sich an dem Ausstand gut 400 aller knapp am Standort beschäftigten Mitarbeiter beteiligt – und dies am Mittwoch ab 6 Uhr bis Donnerstag in der Früh. Nur die Angestellten, so die Mitteilung aus der Firmenzentrale, waren größtenteils an ihrem Arbeitsplatz.

A uch wenn in der Fertigung fast nur noch Leiharbeiter anzutreffen waren und die Produktion größtenteils lahmgelegt war, der gewerkschaftliche Treffer also durchaus saß, vermochte Edelmann als internationaler Konzern mit 13 Standorten die Streikfolgen zumindest für die Kunden offenbar gering zu halten. „Einige Druckaufträge konnten ins Ausland verlagert werden,“ so Geschäftsführer Dierk Schröder, der in diesem Zusammenhang darauf verweist, dass Heidenheim mittlerweile nur noch 30 Prozent des Konzernumsatzes erbringt, der zu mehr als der Hälfte im Ausland generiert wird.

Während Gewerkschaftssekretär Hans-Joachim Beyer vom Verdi-Bezirk Ostwürttemberg-Ulm am Mittwoch das bislang vorgelegte Arbeitgeberangebot als schiere Frechheit bezeichnete, konnte der von der Wucht der Ereignisse sichtlich überraschte Edelmann-Geschäftsführer die harte gewerkschaftliche Gangart nicht nachvollziehen. Gerade mal 1,5 Prozent lägen zwischen Forderung und Angebot – das rechtfertige keinesfalls das bei Edelmann bislang noch nie gekannte Ausmaß dieses Warnstreiks.

Die Enttäuschung bei Schröder sitzt tief. Nur wenige Tage ist es her, dass die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat vereinbart hat, entgegen ursprünglichen Planungen nicht aus dem Arbeitgeberverband auszutreten. Dies war angedacht, um rechtliche Rahmenbedingungen für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit zu schaffen, die nach Angaben Schröders helfen sollten, den internationalen Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden.

„Nachdem das aber Irritierungen bei der Belegschaft auslöste, hat Edelmann diesen Plan sofort verworfen,“ erklärte der Geschäftsführer am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung – und wollte und will nicht verstehen, dass Verdi und Betriebsrat wenige Tage nach dieser Vereinbarung so harte Streikmaßnahmen initiiert haben. Für Edelmann und die Mitarbeiter des gut aufgestellten Unternehmens sei es wichtig, den Dialog zu suchen – Maßnahmen, die auf Konfrontation zielten, könnten allen Beteiligten nur schaden.

Auf Gewerkschaftsseite schätzt man die Situation ganz anders ein. Dass Edelmann im Blick auf den Verbands-Austritt den Rückzug angetreten und eingelenkt hat, ist nach den Worten von Verdi-Mann Beyer allein dem Druck der Belegschaft zu verdanken. So habe man beispielsweise angekündigt, keine freiwilligen Überstunden mehr zu leisten, und insgesamt ein klares Zeichen gesetzt, dass man auch in Zukunft die Tarifbindung will. Daraus leite sich nicht zuletzt die hohe Streikbereitschaft ab.
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