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Heidenheimer Kriminalstatistik 2016: Weniger Straftaten, mehr Gewalt

Laut Polizei gehört die Region weiter zu den sichersten im Land – auch wenn im Kreis die Einbrüche nicht weniger geworden sind.

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Die Grundtendenz ist positiv, denn die Kriminalstatistik 2016 verzeichnet sinkende Fallzahlen. Dieser Rückgang fällt im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ulm deutlicher aus als im Kreis Heidenheim, doch um so mehr schlägt hier eine andere, mindestens ebenso wichtige Kennziffer zur Beurteilung der Sicherheitslage zu Buche: Die sogenannte Häufigkeitszahl, mit der die Kriminalitätsbelastung abgebildet wird, liegt mit 3969 Straftaten pro 100 000 Einwohnern merklich niedriger als im Präsidiumsbereich und auch auf Landesebene, wo diese statistische Größe bei immerhin 5599 Straftaten liegt.

Die absoluten Zahlen weisen für den Landkreis Heidenheim alles in allem 5181 Straftaten aus – 50 weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote liegt bei 61,4 Prozent, ist damit im Vergleich zu 2015 zwar um 1,4 Prozentpunkte gesunken, aber weiterhin besser als im Landesdurchschnitt.

Und noch eine erfreuliche Nachricht: Die Zahl der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden, die in der Kriminalstatistik als tatverdächtige Jungtäter geführt werden, ist – wie seit 2007 – weiter gesunken und hat jetzt mit 23 Prozent einen Tiefstwert erreicht.

Mehr Einbrüche, aber Tiefststand bei den Jungtätern

Positiv auch, dass man bei den Wohnungseinbrüchen eine Trendumkehr vermelden kann, weil die Zahl dieser Delikte im Gesamtbereich des Großpräsidiums seit langem erstmals zurückgegangen ist – und zwar gleich um satte 13 Prozent auf 779 Taten, wobei es in 41,8 Prozent der Fälle beim Einbruchversuch geblieben ist. Allerdings trifft diese Wende nicht für den Landkreis Heidenheim zu, denn hier sind mit 97 Wohnungseinbrüchen zehn mehr als noch im Jahr zuvor verübt worden.

Die Aufklärungsquote in diesem Bereich ist traditionell niedrig, erfahrungsgemäß bleiben die Täter in 80 Prozent der Fälle unbehelligt – auch wenn es gerade dem Polizeipräsidium Ulm durch intensive Ermittlungen, auch zusammen mit bayerischen Kollegen, gelungen ist, Einbrecherbanden dingfest zu machen. Und Polizeirat Joachim Heidegger, Leiter der Kriminalinspektion 2, lässt keinen Zweifel daran, dass man gerade dieses Deliktfeld weiter stark beackern wird, weiß man doch, dass Einbrecher das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung mit am stärksten beeinträchtigen.

Eine andere Entwicklung macht vor allem Polizeipräsident Christian Nill erhebliche Sorgen. Es sind die 5600 Fälle von Rohheitsdelikten, darunter rund 800 in Stadt und Kreis Heidenheim, hinter denen sich neben Raubstraftaten vor allem Körperverletzungen verbergen. Die Tendenz ist – auch im Raum Heidenheim – klar steigend, was bedeutet, dass das kriminelle Geschehen zunehmend von Gewalt dominiert wird.

Dabei macht man auch vor Polizisten nicht halt, die bei der Ausübung ihres Dienstes in wachsendem Maße angegangen und attackiert werden. „Das können und werden wir nicht tolerieren,“ sagt der Präsidiums-Chef, der mit seiner klaren Ansage auch schon dort die rote Linie zieht, wo seine Kollegen beleidigt oder angepöbelt werden – mittlerweile schon Alltag im Polizeidasein.

Dabei ist sich Nill auch sicher, dass die Bevölkerung hinter ihrer Polizei steht und dass es keinen gesellschaftlichen Konsens findet, Beamte anzufeinden oder anzugreifen: Denn „das ist unsoziales Verhalten.“

Polizeipräsident: Plädoyer für Bodycams

Gerade in diesem Zusammenhang setzt Christian Nill auf die Einführung von Bodycams, die jetzt in drei Pilotregionen des Landes getestet werden sollen und von denen sich der erfahrene Sicherheitsexperte eine deeskalierende Wirkung verspricht.

„Damit hätten wir wenigstens so etwas wie Waffengleichheit,“ so seine Position, die sich aus der Erfahrung erklärt, dass sofort mindestens drei Smartphones gezückt werden, wenn Polizisten auch nur den Streifenwagen verlassen.

In der Gesamtbetrachtung der Kriminalitätslage kommt Nill zu einem für die Bevölkerung positiven Schluss: „In der Summe leben wird im landesweiten und auch im bundesweiten Vergleich in einer sehr sicheren Region.“ Und an diesem Anspruch will die Polizei weiterarbeiten: auch wenn die Personaldecke eng gestrickt ist und nach eigener Einschätzung bis Mitte 2018 noch kürzer wird.

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