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Stadtlauf: Mit 2996 Anmeldungen knapp unter Rekord vom Vorjahr

Mit 2996 Anmeldungen ist der Rekord vom Vorjahr um ein Haar geknackt worden. 300 Helfer machten die Großveranstaltung zu einem bewegenden Ereignis.

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Heidenheim läuft. Nicht ganz Heidenheim, aber richtig viele. Die Jüngsten haben mit drei gerade mal das Laufen gelernt, die älteste Teilnehmerin hat mit 80 Jahren schon einen respektablen Lebenslauf hinter sich. Dazwischen die große Zahl der Hobbyläufer, die Spitzengruppe der Profis, die Ausgefuchsten und die Ausprobierer, die Laufwunder und auch die, die sich am Ende oder auch schon vorher gewundert haben: in Summe 2996.

Eine tolle Zahl, haben doch gerade mal 40 Teilnehmer gefehlt, den Rekord vom Vorjahr zu knacken. Als sich an diesem frühen Sonnensonntag die zum Startkanal umgewandelte Grabenstraße zum erstenmal füllt, zeigt sich bereits zum 15. Mal, dass Heidenheim die Sportstadt ist, die viel bewegt, ganze Massen auf die Beine bringt. Der ganze Auflauf scharrt ungeduldig mit den überwiegend gut beschuhten Hufen, als Andy Bader vom Stadtlaufverein punkt 9 Uhr von zehn herunterzählt und bei Null der Startschuss ertönt – für den obligatorisch und unangefochten der Oberbürgermeister höchstpersönlich sorgt, auch wenn Bernhard Ilg vor Jahren von einem durchgeknallten Zeitgenossen eine Anzeige angedroht worden war, weil – was stimmt – das Stadtoberhaupt doch über keinen Waffenschein verfügt.

„Highway to Hell...“

Nein, Eindruck hat das nicht hinterlassen. Der Rathaus-Chef gibt sich knallhart, zieht ungerührt durch, und das Echo der Starterpistole ist noch nicht verklungen, da legt die Spitze des nicht enden wollenden Lindwurms von 1814 Läufern auch schon los, während die Hintermänner und -frauen des nun nicht mehr zu stoppenden Geschehens fast noch kurz auf die Toilette gehen können. Aus den Lautsprechern dröhnt rockig „Highway to Hell“, was aber nicht als Drohung empfunden, sondern als adrenalinverstärkend geschätzt wird, denn alle sind sie heiß, den – gleichfalls heißer werdenden – Asphalt endlich unter den Sohlen zu spüren. 1539 haben die zehn Kilometer lange Strecke gewählt, 275 wagen sich ganz und gar an den Halbmarathon heran, viele laufen in Firmengruppen – die größten für Voith und Hartmann –, allein die von der HZ und der AOK initiierte Aktion „Lauf geht's“ bringt rund 200 Menschen auf die Beine.

Unmittelbar auf das auf großem Fuß daherkommende Hauptfeld folgen Akteure mit deutlich kleineren Schuhgrößen. Es sind die Laufwunder von morgen, eine wuselnde Schar von rund 250 drei- bis siebenjährigen Kindern, die im Rahmen des von der AOK mit der HSB-Leichtathletik-Abteilung organisierten Bambini-Laufes vor mehreren tausend Zuschauern die kurzen Beine unter die Arme nehmen. Die Schülerläufe mit 1152 Anmeldungen machen die Massenbewegung komplett, wenngleich in dieser Disziplin um die 200 Schüler erstaunlicherweise erst gar nicht angetreten sind, was zumindest einen Teil des gehörigen Schwundes erklärt, der sich irgendwo zwischen Start und Ziel ergeben haben muss: 2996 Anmeldungen stehen am Ende nur 2434 Ankünften entgegen.

Der Weg das Ziel?

Klar, so mancher, der frohen Mutes losgelaufen ist, bleibt an diesem Tag auch auf der Strecke, weil der Kreislauf nicht Schritt halten kann, die Pumpe aus den Latschen kippt oder aber der starke Wille vom schwachen Fleisch eingeholt wird. Am schlimmsten erwischt es eine junge Frau, die irgendwo beim Schiller–Kreisel gegen eine Mauer gelaufen sein soll, eine Kopfverletzung erleidet und vorsichtshalber ins Klinikum gebracht wird. Alle anderen kommen mit eigener, wenn auch geschwächter Muskelkraft nach Hause, auch jene zehn, die nach dem Zieleinlauf zunächst im DRK-Zelt aufgepäppelt werden müssen. Die Angst des Langstreckenläufers vor der Kurzatmigkeit, hier ist sie spürbar.

Auch wenn weise Worte mahnen, dass der Weg das Ziel ist, so bleibt heute doch die Ziellinie das Maß aller Dinge. Die Profis überschreiten sie aufrecht und irgendwie erhaben, laufen am Ende mit fast unbeteiligter Miene noch einmal zur beifallsheischenden Hochform auf. Andere siedeln ihr persönliches Glück viel weiter hinten an, machen aber am Ende nicht vor den eigenen Gefühlen halt und bringen es noch fertig, sich mit einem letzten Freudensprung auf die sichere, weil der Wertung unterzogenen Seite zu bringen. Andere, die An- und Abgeschlagenen, schleppen sich eher taumelnd und ohne Besinnung über die schon wellenförmig wahrgenommene Ziellinie, kommen im wahrsten Sinne des Wortes als Auslaufmodelle daher. Sie und auch alle anderen zählen indes mit zu den Heroes: der Mann, der mit Sandalen ankam, ein anderer, der barfuß gelaufen ist – oder jene drei jungen Männer, die für einen örtlichen Herrenausstatter Werbung gelaufen sind und die zehn Kilometer in angeblich superleichten Anzügen hinter sich gebracht haben.

Gedenken an Martin Bock

Es gibt auch traurige Momente an diesem Tag. Vor dem Start des Hauptfeldes haben alle Teilnehmer und Zuschauer in einer Minute des Schweigens an den vor wenigen Tagen verstorbenen Martin Bock gedacht, ein ebenso ambitionierter wie sympathischer Laufsportler, dessen Teilnahme am Stadtlauf schon gesetzt war. Zum Zeichen der Anteilnahme tragen viele Akteure von „Lauf geht's“ schwarze Trauerschleifen, nehmen das Andenken ihres Lauf-Trainers so mit auf die Strecke.

Bilder von der Siegerehrung gibt es hier

Der 15. Heidenheimer Sparkassen-Stadtlauf. In Erinnerung bleibt ein Tag, der nach Einschätzung von Mitorganisator Sven Profendiener rundum gelungen ist. Dazu zählt auch die neue Streckenführung und das Engagement der städtischen Straßenbauer, die nach Beobachtung des von Dr. Thomas Welt geleiteten Stadtlauf-Vereins bis zur letzten Minute mit Hochdruck daran gearbeitet hatten, dass sich den Läufern kein Hindernis in den Weg gestellt hat. „Ganz großes Kino, was die geleistet haben,“ so Andy Bader.

Schlussbilanz: alles gut gelaufen.

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