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SPD-Kandidatin Sünder: Jetzt will sie es schaffen

Kein guter Listenplatz, kein gutes Umfrageklima für die SPD, kein Rückenwind aus Stuttgart: Vieles scheint auf den ersten Blick ähnlich zu sein wie vor vier Jahren – nicht gerade die besten Voraussetzungen für Claudia Sünder, den Sprung in den Bundestag zu schaffen. Doch diesmal soll es klappen.

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SPD-Politikerin Claudia Sünder.  Foto: 

Claudia Sünder versteht Spaß. Auch wenn es dabei um sie selbst geht. Dass sie für ihre bevorstehende Wahlkampfkampagne keinen neuen Slogan, sondern denselben wie vor vier Jahren verwendet, erklärt sie zum Beispiel so: „Ich heiße einfach ,Sünder‘ – so viel Gutes können Sie mit dem Namen ja nicht anstellen“.

So wird also im Sommer 2013, wie schon 2009, auf den SPD-Wahlplakaten von Ellwangen bis Niederstotzingen wieder zu lesen sein: „Ge(h)Sünder wählen“. Und auch sonst ist Sünder keine, die im Wahlkampf Wert auf Experimente legt. Neue Medien wie Twitter oder Facebook hält sie „am Ende nicht für wahlentscheidend“ – Sünder trifft die Menschen lieber in echt. Auf Marktplätzen, bei Podiumsdiskussionen oder wenn sie zu Besuch bei Unternehmern oder sozialen Einrichtungen ist. Eben auf die traditionelle Art.

Auch mal gegen den Strom schwimmen

Abgesehen davon aber ist die 44-Jährige eine, die durchaus gerne mal gegen den Strom schwimmt, auch in der eigenen Partei. So ist Sünder „fast ein bisschen stolz darauf“, auch dafür bekannt zu sein, dass sie mit klaren Worten sagt, was aus ihrer Sicht in der SPD falsch läuft. Zum Beispiel die Frauenpolitik. Die zweifache Mutter macht keinen Hehl daraus: Sie findet, dass bei diesem Thema in den vergangenen Jahren wenig passiert ist. „Da war die SPD früher mal sehr fortschrittlich, doch das Thema ist ziemlich in Vergessenheit geraten“, sagt sie. Auch, dass sie statt Peer Steinbrück lieber Hannelore Kraft als Kandidatin für das Kanzleramt gesehen hätte, gibt sie gerne zu. Wenn auch sie anschließend – und das klingt dann fast ein wenig brav – noch anfügt, dass Steinbrück aber jetzt „der Beste“ sei, der momentan für den Job zu Verfügung stehe.

Von der besten Ausgangsposition, von der aus Sünder in den Wahlkampf startet, kann man indes nicht sprechen. Beim Nominierungsparteitag der Landes-SPD im März wurde sie nur auf Platz 24 der Liste gewählt. Das ist aussichtsreicher als noch vor vier Jahren als Sünder gar keinen Listenplatz hatte, doch ein sicheres Sprungbrett nach Berlin ist es nicht. Sünder selbst wiegelt zwar ein wenig ab und sagt dazu: „Es ist nicht der schlechteste Platz, den man haben kann.“ Doch sie hat auch die dazugehörigen Rechenspiele schon gemacht. In ihrem Fall bedeutet dies, dass die SPD in Baden-Württemberg einen Zweitstimmenanteil von mehr als 30 Prozent einfahren muss, damit Sünder in den Bundestag einzieht. „Das wird hart“, räumt sie ein.

Unterm Strich auf sich allein gestellt

Hoffnungen, dass sie thematische Schützenhilfe vonseiten der Landesregierung in Stuttgart bekommt, macht sie sich überdies keine allzu großen. Denn obwohl Kultusminister Andreas Stoch „einen tollen Job“ mache, sei das Thema Bildung heftigst umstritten, so Sünder. Aufwind oder gar Rückenwind vonseiten ihres Landesverbands, nur weil ein Minister von der Ostalb in Stuttgart mitregiere, erwartet sie nicht. Unterm Strich ist sie auf sich allein und die Unterstützung der SPD im Wahlkreis gestellt. An Ansporn dazu, es trotzdem zu schaffen, fehlt es ihr aber nicht.

„Für mich ist es eine Ehre, dass man mich aufgestellt hat – auch wenn das vielleicht etwas pathetisch klingt“, sagt sie. Unabhängig von ihrem eigenen Ergebnis geht es ihr um den Regierungswechsel. „Schwarz-Gelb hat die Wähler dazu erzogen, nichts mehr zu erwarten“, kritisiert sie. Dabei gebe es genug Themen, die angepackt werden müssten.

Sünder konzentriert sich bei ihren eigenen Schwerpunkten auf die Kernthemen der SPD: faire Löhne, bezahlbarer Mietwohnraum und gerechte Chancen bei der Bildung. Wichtige Anliegen sind ihr aber auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr Verteilungsgerechtigkeit zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gegenden. Gerade bei diesem Thema pocht Sünder darauf: „Wir liefern Windenergie, Wasser und klare Luft und müssen im Gegenzug um jeden Euro für die medizinische Versorgung oder für Infrastrukturprojekte kämpfen.“

Wird sie gewählt, kann sich Sünder gut vorstellen, diese und andere Themen für den Wahlkreis auch mit den anderen Abgeordneten gemeinsam anzupacken. „Es wäre ja Quatsch, wenn sich Herr Kiesewetter oder Frau Stumpp und ich nicht über Parteigrenzen hinweg absprechen würden, was für uns auf der Ostalb am besten ist.“ Doch bevor es so weit ist, muss Sünder gewählt werden. Dafür will sie jetzt kämpfen. Und dafür nimmt sie nicht nur den noch anstehenden Terminmarathon bis zur Wahl am 22. September in Kauf, sondern hat auch in den vergangenen vier Jahren bei zahlreichen Veranstaltungen Präsenz gezeigt.

Ob es sich auszahlt, wird erst am 22. September feststehen. Dass es etwas gebracht hat, weiß die gebürtige Mecklenburgerin aber schon jetzt. Denn war es vor einigen Jahren für sie noch mitunter das größte Problem, mit dem hartgesottenen Schwäbisch vieler Bürger im Wahlkreis klarzukommen, klappt das inzwischen wesentlich besser, sagt sie. Und mit einer guten Portion Selbstironie fügt sie noch an: „Aber ich selbst werde das wohl niemals können.“

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