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SPD-Kandidatin Leni Breymaier: „Ich will nach Berlin, um zu regieren“

SPD-Bundestagskandidatin Leni Breymaier will sich bei der Bundestagswahl im Herbst nicht nur auf Listenplatz 1 verlassen

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„Reiner Listenwahlkampf ist Quatsch“: Leni Breymaier.  Foto: 

Von zwei Klischees hat Leni Breymaier schon jetzt die Nase voll. Da wäre die Frage, ob man nicht in dem Wahlkreis wohnen muss, für den man kandidiert. „Also ich komme aus Ulm, mein Mann aus Oberkochen, wir wohnen in Eislingen. Wie nahe soll es denn sein?“

Und als reine „Listenkandidatin“ kommt Breymaier nicht infrage: „Das wäre Quatsch“, sagt sie. Sie habe mehrere Wahlkreise aussuchen können, und sie haben den gewählt, der ihr buchstäblich am nächsten lag – Aalen-Heidenheim.

Ebenso ein Klischee ist für sie die Frage, ob man denn überhaupt Wahlkampf machen müsse, wenn man als Parteichefin auf Platz1 der Landesliste steht. „Natürlich mache ich Wahlkampf, alles andere kommt nicht infrage“, sagt sie. Hat man dazu denn überhaupt Zeit als Landesvorsitzende der SPD? Breymaier ist amüsiert: „Also Nils Schmid war Landesvorsitzender und dazu noch Finanz- und Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Der Landesvorsitz ist nicht wirklich ein Full-time-Job“, sagt sie.

Immer durchgeschafft wie ein Mann

Aber sind die 35 000 Genossen in Baden-Württemberg nicht eine Aufgabe zu viel neben dem angestrebten Mandat in Berlin? „Bei Verdi war ich in der Region für 225 000 Mitglieder zuständig“, lacht Breymaier.

Angst hat die langjährige Gewerkschaftsfunktionärin nicht, auch wenn sie seit der Übernahme des Parteivorsitzes allerhand Erfahrungen mit dem neuen Amt machte.

Das enorme mediale Interesse sei neue gewesen, sagt Breymaier, die man inzwischen auch mal in Polit-Talks im Fernsehen sehen kann. Ein nicht korrekt wiedergegebener Ausspruch über Amtszeit und Körperform der Bundeskanzlerin sorgte für enormes Echo und empörte Leserbriefe. „Das hätte niemanden interessiert, als ich noch Gewerkschaftssekretärin war“, sagt Breymaier.

Und sie erklärt, dass sie als Gewerkschaftlerin nun mal knackigere Ansagen erlernt hat: „Wenn man auf einer Betriebsversammlung abends um halb zehn noch das Wort erteilt bekommt, ist man entweder unterhaltsam oder es hört niemand zu“.

Leni Breymaier – das heißt eine Frau, die nach eigenen Worten noch nie eine 35-Stunden-Woche hatte und stets im Beruf stand. Breymaier hat keine Kinder, konnte „immer so durchschaffen wie ein Mann“ – genau darum macht sie sich für Quotenlösungen stark.

Breymaier heißt auch das Bekenntnis zu einer SPD, die machen, gestalten, regieren will. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Malu Dreyer findet Breymaier gut, genauso SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz, dessen Effekt anhalten werde: „Die Themen rund um soziale Gerechtigkeit sind schon lange da und werden auch Themen bleiben“, sagt Breymaier.

„Der Schulz-Effekt bleibt“

Der Wahlkampf-Kalender ist bereits gut gefüllt und füllt sich weiter, für Breymaier wird das viel Zeit auf der Straße bedeuten. „Ich achte aber darauf, dass ich nicht direkt von Stuttgart anfahren muss – da stehen Sie ja abends immer im Stau“.

Von Eislingen aus geht es besser, weiß Breymaier, die die Gegend nicht nur beruflich aus der Ulmer „Verdi“-Zeit, sondern auch privat kennt. Wandern auf den Volkmarsberg? „Wenn mein Mann mich mal überredet hat, mache ich das gerne“, sagt sie. Und Nichten und Neffen führt Tante Leni schon mal ins Steiff-Museum nach Giengen aus.

Aalen-Heidenheim ist ein großer Wahlkreis, und er wird im Herbst ein sehr umstrittener sein. CDU-Kandidat Roderich Kiesewetter hat gute Chancen, Leni Breymaier auch, und auch Margit Stumpp hat einen realistischen Listenplatz, und von Linkspartei und AfD ist da noch gar nicht die Rede.

Breymaier setzt auf alte Bekanntschaften ebenso wie neue Begegnungen, setzt auf Nähe ebenso wie auf Bekanntheit aus dem Fernsehen. „Es ist erstaunlich, wer alles Plasberg schaut“, sagt sie.

Und welches Ziel hat sich die 57-Jährige gesetzt bei der Wahl? „Ein gutes Ergebnis, für mich und für die SPD“. Klingt das jetzt nicht zu wenig markig für die Frau mit den markigen Worten? Breymaier legt nach: „Ich will nach Berlin, um zu regieren.“ Klar? Klar.

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