Partner der

Schauspieler Christian Friedel: "Die Rolle des Elser ist eine Ehre"

Ein Star, der ganz bodenständig geblieben ist: Christian Friedel spielt als Georg Elser die Hauptrolle im neuen, gleichnamigen Kinofilm. Und so ganz nebenher veröffentlichte er 2014 mit seiner Band auch noch ein Debütalbum. Im Interview erzählt er, warum der Film-Elser kein Schwäbisch spricht.

|
Christian Friedel als Georg Elser: Ein Neffe von Georg Elser sagte ihm, er sei seinem Onkel sehr nahe gekommen - abgesehen von seinen dicken Lippen.  Foto: 

Herr Friedel: Heute Heidenheim, morgen Ulm, dann geht's nach Konstanz. Sie sind den kompletten April jeden Tag an einem anderen Ort. Ist die Vermarktung des Film stressiger als der Dreh selbst?

Ich mache das zum ersten Mal. Bei den anderen Filmen, die ich bisher gedreht habe, habe ich nicht so viele Städte besucht. Aber der Film liegt mir sehr am Herzen. Außerdem bekomme ich sonst nie die Reaktionen des Publikums mit. Klar, Es ist anstrengend – aber eben auch wichtig. Denn „Elser“ ist ein Film, den man persönlich den Leuten nahebringen muss.

Ist der Stopp in Heidenheim etwas Besonderes für Sie? Immerhin ist es Elsers Heimat.

Ja total, denn ich war hier noch nie. Man könnte denken, der Schauspieler ist an alle Orte gefahren, wo Elser gelebt hat, aber dafür hatte ich einfach keine Zeit.
 


War Ihnen der Name Georg Elser eigentlich auch schon vor dem Film ein Begriff?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich habe sechs Jahre in München gelebt und war dort auf der Schauspielschule. Ich wusste, dass es ein Attentat auf den Bürgerbräukeller gegeben hat, aber mir war nicht bekannt, dass der Täter Georg Elser hieß. Als ich das Drehbuch gelesen habe, war ich sofort fasziniert von der Geschichte und habe mich gefragt, warum ich das eigentlich nicht weiß. Als die Zusage kam, habe ich mich näher damit beschäftigt – aber auch gemerkt, dass ich eigentlich nicht zu viel wissen will. Ich wollte nicht klüger sein als die Figur selbst.

Haben Sie sofort gesagt „klar, die Rolle will ich haben?“

Ich musste zunächst durch einen Castingprozess. Es werden immer Leute mit passenden Fähigkeiten gesucht, in diesem Fall ein Schauspieler, Anfang 30, der musikalisch ist. Das ist im Film eine wichtige Note. Ebenso, dass der Schauspieler den Anschlag in den Verhörszenen aus dem tiefsten Innen verteidigen kann. Als es dann geklappt hat, gab es nichts zu überlegen. Das ist eine tolle Geschichte und für mich eine Ehre, die Rolle spielen zu dürfen.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet, gerade auf die Verhörszenen?

Darauf kann man sich schlecht vorbereiten. Ich habe mir durchgelesen, wie andere Gefangene ihre Tortur unter der Gestapo schilderten. Das gibt einem eine Fantasie – aber es muss viel technisch ausprobiert werden, dass es für das Publikum glaubhaft wirkt. Und ich versuche, den eigenen erfahrenen Schmerz mit dem Schmerz, den Elser in dem Moment erfahren hat, zu verbinden. Man muss aber auch bedenken: Die Folterszenen sind zwar sehr eindrücklich, aber sie nehmen nur einen kleinen Teil im Film ein.

Nun war Elser ja eine reale Person. Versuchen Sie da, den Charakter zu imitieren? Geht das überhaupt?

Man vernetzt jede Figur, die man spielt, mit den eigenen Emotionen. Zu Elser gab es weder Ton- noch Videomaterial, also war der Interpretations-Spielraum größer. Es hat mich zutiefst gefreut, als der Neffe von Georg Elser mir sagte, ich sei seinem Onkel sehr nahe gekommen – abgesehen von meinen dicken Lippen.

Haben Sie sich im Laufe der Dreharbeiten gefragt: „Wie hätte ich selbst gehandelt?“

Absolut. Diesen Mut, in dieser Art und Weise: Ich weiß nicht, ob ich das selber getan hätte, ob ich überhaupt in den Widerstand gegangen wäre. Obwohl ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin und ein Problem mit Menschen habe, die ihre Autorität missbrauchen. Wenn ich also in meiner Freiheit eingeschränkt werde, dann gehe ich auf Gegenwehr. Ob ich das allerdings damals getan hätte, kann ich nicht sagen. Umso mehr bewundere ich Elsers Mut.

Der eigentlich Schwäbisch gesprochen hat. Sie im Film aber nicht.

Das war in der Diskussion – ich bin kein Gegner davon. Ich weiß nur, dass die Schwaben sehr streng sind mit ihrem Dialekt. Außerdem war die Vorbereitungszeit zu kurz, um das Schwäbisch so zu verinnerlichen, dass man beim Dreh nicht dauernd darüber nachdenkt. Und Elser sollte eine universelle Figur sein. Ein Deutscher, der jeder sein kann und der jeden anspricht. Es lag also nicht nur an meiner Unfähigkeit, Schwäbisch zu sprechen.

Haben Sie es probiert?

Ein bisschen. Es gab Leute, die wehement darauf bestanden haben, deshalb sollte ich einmal einen leicht schwäbischen Akzent versuchen. Aber das ist albern. Entweder man macht es richtig, oder man lässt es.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Elsers Widerstand gegen Adolf Hilter

Johann Georg Elser (* 4. Januar 1903 in Hermaringen, Württemberg; † 9. April 1945 im KZ Dachau) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Fotos: Der FCH gewinnt 2:1 in Sandhausen

weiter lesen