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Rocker-Kriminalität: Trügerische Ruhe in Heidenheim?

Nach außen hin scheint es ruhig. Auch in den Polizeiberichten spielt die Rockerszene keine große Rolle mehr. Die Polizei traut dem Frieden aber nicht.

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Symbolbild  Foto: 

Nach außen hin scheint sich die Lage beruhigt zu haben. Zumindest in den Polizeiberichten taucht die Rockerszene, die Heidenheim seit geraumer Zeit zum Schauplatz ihrer Revierkämpfe gemacht hat, seit einigen Monaten nicht mehr auf. Hinter den Kulissen allerdings sieht's anders aus: Die Polizei traut dem Frieden nicht, steht weiter parat, um drohende Übergriffe schon im Keim ersticken zu können – und die Staatsanwaltschaft Ellwangen ist dabei, einen möglichen Fall von Schutzgelderpressung aufzudecken und vor Gericht zu bringen.

Motorsäge in der Disko

Diesen Ermittlungen liegt ein schon länger zurückliegender Vorfall in der Heidenheimer Innenstadt zugrunde. Ende Februar war kurz nach Mitternacht in der Diskothek Brenzclub in der Olgastraße eine Gruppe von etwa 15 Männern aufgetaucht und hatten Gäste des Lokals in Angst und Schrecken versetzt. Angehörige des Sicherheitspersonals und Besucher waren von dem Trupp mit einer Kettensäge und Baseballschlägern bedroht worden. Laut Darstellung von Augenzeugen hatte es sich bei den Eindringlingen um Mitglieder der „United Tribuns“ gehandelt – also jener rockerähnlichen Gruppierung, deren 29-jähriger Vizepräsident im April 2016 bei einer Schießerei in der Clichystraße von einem 26 Jahre alten Mitglied der „Black Jackets“ getötet worden war.

Der Vorfall in der Disko soll nicht der erste seiner Art gewesen sein, was die Stadt Heidenheim veranlasst hatte, gegen den 28-jährigen „Tribuns“-Präsidenten und drei weitere Personen ein längerfristiges Aufenthaltsverbot für diesen Bereich auszusprechen. Parallel dazu nahmen die Staatsanwaltschaft Ellwangen und die Kriminalpolizei Ermittlungen aufgenommen, in deren Verlauf sich unter anderem der Verdacht erhärtet hat, dass die Gruppe mit ihrem martialischem Auftreten Schutzgelder des Diskotheken-Betreibers erpressen wollte.

Schutzgelderpressung?

Um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und mögliche Beweismittel zu finden, wurde Ende April eine umfangreiche Polizeiaktion gestartet, in deren Rahmen zeitgleich neun Wohnungen und Firmengebäude in Heidenheim sowie ein weiteres Objekt in Böblingen durchsucht wurden.

Ob diese und weitere Aktivitäten dazu beitragen, die Szene aufzumischen, muss sich erst zeigen. Ein schnelles Ergebnis der zur Zeit im Hintergrund laufenden Arbeit der Anklagebehörde ist nicht zu erwarten. „Die Ermittlungen sind umfangreich und sehr komplex,“ sagt Erster Staatsanwalt Armin Burger, dem längst nicht allein daran gelegen ist, die Szene aufzumischen.

Immer wieder Macht demonstrieren

Auch für das Polizeipräsidium Ulm bleibt die Bekämpfung dieser Form von Kriminalität wichtig. Dort beobachtet man nicht zuletzt das Netz und stellt fest, dass es hier immer wieder zu Machtdemonstrationen kommt, um sich gegenseitig anzustacheln. Gerade in Heidenheim? „Hier sehen wir eine gewisse Virulenz,“ hatte Polizeipräsident Christian Nill erst vor wenigen Monaten gesagt und – kurz vor der groß angelegten Durchsuchungsaktion – deutlich gemacht, dass die Ermittler auch verdeckt operieren, um an die Führungsleute heranzukommen.

Einfach ist dieses Unterfangen freilich nicht: In seinem Einzugsbereich hat es das Ulmer Präsidium aktuell mit 30 Chaptern oder Chartern zu tun, wie die Ortsgruppen der verschiedenen rockerähnlichen Gruppen genannt werden.

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