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Benefizfahrt zum Gardasse: „Nächstes Mal fahren wir bis ans Meer“

470 Kilometer mit Höhen und Tiefen auf dem Rennrad für einen guten Zweck: Am längsten Tag des Jahres stellten sich sieben Fahrer des Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim einer außergewöhnlichen sowie anspruchsvollen Herausforderung.

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Als Ziel hatte man sich eine Strecke mit 470 Kilometern und 3300 Höhenmetern von Heidenheim nach Torbole (Gardasee) gesetzt. Der Erlös, welcher durch Spendengelder von begeisterten Sponsoren kommt, wird dem Förderverein der Kinder und Jugendklinik in Heidenheim zugutekommen.

„Die Grundidee dieser Aktion kam von unserem Teamgründer und der Nattheimer Radsport Legende Gerd Mayr“, schreibt Teammanager Thomas Lehner. Dieser hatte sich vorgenommen einmal am längsten Tag des Jahres von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit dem Rad zu fahren. In geselliger Runde im Trainingslager in der Toskana im Frühjahr 2017 nahm die Idee dann Ihren Lauf und sieben Fahrer des Persis Racing Team hatten sich entschlossen, an diesem Tag von Heidenheim bis an den Gardasee mit dem Rad zu fahren.

Da dies doch eine außergewöhnliche Aktion war beschloss man gemeinsam auf die Suche nach Sponsoren zu gehen und eine Spendenaktion für einen guten Zweck daraus zu Formen.

Nach einer intensiven Vorbereitung standen die Fahrer Gerd Mayr, Stephan Schiele, Ralf Fischer, Andreas Schwäble, Florian Knoblauch, Stefan Frank (König) und Andreas Nieß zusammen mit vier Betreuern (Jochen Kleinert/Vorstand, Markus Steckbauer, Udo Rziha und Thomas Lehner) am 21. Juni am Startpunkt beim Verwaltungsgebäude der Persis GmbH.

Nach einer kurzen und teilweise unruhigen Nacht klingelte bereits um 3 Uhr der Wecker und um 4.40 Uhr wurden die Fahrer von etwa 20 Frühaufstehern mit einem Countdown auf den Weg in Richtung Torbole geschickt. Die Teamkollegen Tobias Horsch, Jürgen Kohn und Tobias Deroni waren ebenfalls mit am Start und begleiteten die Fahrer bis nach Kötz bei Günzburg.

Auch das Betreuerteam machte sich um kurz nach 5 Uhr auf den Weg, um an den ersten Treffpunkt nach 83 Kilometer in Zaisertshofen zu fahren und die Verpflegungsstelle aufzubauen.

Mit einem faszinierenden Tempo wurde das Projekt angegangen und die Radler kamen 15 Minuten vor dem Plan mit einem Durchschnitt von knapp 35 km/h an Verpflegung 1 an. Die Stimmung war sehr gut und die Motivation ausgezeichnet. Die Trinkflaschen wurden ausgetauscht und die erste feste Nahrungsaufnahme stand auf dem Plan (Obst, Kuchen, belegte Brötchen und Müsli). Nach guten 10 Minuten ging die rasante Fahrt auch schon weiter Richtung Oberammergau.

Bei Kilometer 105 musste Stephan Frank ins Begleitfahrzeug aufgenommen werden, um einen Defekt am Vorderrad zu beheben. Nach nicht einmal fünf Kilometern hatten die Betreuer das Rad wieder flott und er konnte mit den Kameraden weiterfahren.

In Oberammergau konnten durch eine spontane Aktion mit Bürgermeister Arno Nunn zusätzlich 70 EUR Spendengeld und einige Energie-Gels übergeben werden. Die Fahrer erreichten die zweite Verpflegung nach einem Wahnsinns Tempo (KM 168 / 34,9 Schnitt) bereits um 9.40 Uhr und damit über eine Stunde vor dem erstellten Zeitplan. Doch diese Etappe hatte bei manchen Fahrern schon ihr Spuren hinterlassen. Mayr kommentierte: „Wenn wir in diesem Tempo weiterfahren, werde ich das so nicht durchhalten und evtl. nicht ankommen“. Auch das Betreuerteam hatte ordentlich Schweiß auf der Stirn, da nicht viel Zeit für die Vorbereitung von Pasta, Kuchen, Obst und Getränkeflaschen übrig geblieben war.

Der Stop dauerte ca. 20 Minuten ehe die Radler das nächste Teilstück mit 71 Kilometern bis nach Innsbruck unter die Räder nahmen. Hier stand der erste lange Anstieg zur Olympiastadt Seefeld mit 1.100 Höhenmetern auf dem Programm. Das Tempo war weiterhin hoch und nach einer rasanten Abfahrt mit Geschwindigkeiten von bis zu 82 km/h kamen die Nattheimer Athleten eine Stunde und 20 Minuten vor der Marschtabelle an Verpflegung 3 an (KM 239/ Schnitt 33,9 km/h). Auch die Betreuer legten sich mächtig ins Zeug und hatten nicht nur das Essen und Trinken vorbereitet, sondern empfingen die Fahrer verkleidet als Blues Brothers mit dem Hit „Everybody – needs Somebody““ und einer Choreo. „Ihr seid der Hammer, was ihr alles für uns macht ist unbeschreiblich“ meinte Schwäble. Kurz darauf hatte Gerd Mayr auch schon den SWR in der Leitung, um ein dreiminütiges Live-Interview zu geben. Die Moral war weiterhin sehr gut und es wurden schon neue Pläne geschmiedet: „Beim nächsten Mal fahren wir dann bis ans Meer“ so Fischer.

Bereits um 13 Uhr war Innsbruck passiert und der lange Anstieg über die alte Brennerstraße mit insgesamt 1.200 Höhenmetern wurde in Angriff genommen. Das Tempo war weiterhin sehr hoch und das Betreuerteam benötigte knapp eine Stunde, bis die Gruppe bei Kilometer 290 wieder eingeholt wurde. Die erste Schwächephase ereilte Mayr aufgrund der großen Hitze und des enormen Tempos machten ihm starke Krämpfe zu schaffen. Ein ungeplanter Stop war nötig und mit ordentlich Flüssigkeit, Salztabletten, Magnesium und einer Massage konnte er wieder aufs Rad steigen. Fischer stellte sich in den Dienst des Teamkollegen und unterstützte ihn moralisch und teilweise mit schieben bis zum Gipfel. Nachdem die Gruppe am Gipfel wieder vereint war, ging es in die Abfahrt durch das schöne Eisacktal. Knapp 40 Kilometer bergab bis zur Verpflegung Nr. 4 in Feldthurns. Ankunftszeit war um 15.50 Uhr und damit weiterhin deutlich vor der ursprünglich kalkulierten Zeit (km 328 / Schnitt 33,3 km/h). Die Betreuer hatten die Fahrer mit Gemüsebrühe, Pasta, Obst und Kuchen erwartet. Außerdem wurde frischer Kaffee bzw. Espresso serviert. „Ich habe extreme Probleme mit dem Magen und ich fühle mich schwach“ sagte Schwäble. „Meine Knie ziehen immer wieder und ich spüre die Anstrengungen in meinem Körper“ berichtete Nieß.

Nach einer längeren Pause ging es um 16.20 Uhr wieder aufs Rad um die vorletzte Etappe mit 79 Kilometern bis nach Nave San Felice in Südtirol auf sich zu nehmen. Dies war die Teilstrecke, welche am meisten gefürchtet war, da der Wind hier erheblich einen Strich durch die Rechnung machen kann. Ab Bozen wurde dann auf den Radweg gewechselt, da die Konzentration und Aufmerksamkeit der Athleten deutlich nachgelassen hatte. Außerdem musste nochmals ein ungeplanter Zwischenstop eingelegt werden, bei welchem einige Fahrer einfach nur vom Rad wollten und sich hinlegen mussten. Starker Gegenwind und Temperaturen von deutlich über 30 Grad verlangten den Fahrern nochmal alles ab und es konnte teilweise nur noch mit 26 km/h gegen den Wind gekämpft werden. Die Betreuer wussten vom zusätzlichen Stop nichts und waren besorgt um ihre Schützlinge. Um 18.45 Uhr fuhren sie dann an der letzten Verpflegung ein (Km 407 / Schnitt 33,2 km/h). Sichtlich gezeichnet kamen sie an und absolute Stille herrschte unter den Fahrern. Nun waren die Betreuer gefordert, die Jungs wieder auf Spur zu bringen. „Ich habe extreme Magenkrämpfe, habe absolut keinen Appetit, weiß aber dass ich Energie zuführen muss“ so Knoblauch. „Solche Strapazen hatte ich in meinem Leben bisher noch nie auf mich genommen“, quittierte Mayr. Auch Fischer, Schwäble, Nieß und Frank waren am Ende ihrer Kräfte angelangt. Schiele war der Fahrer, der die Anstrengungen und Strapazen bisher am besten verkraftet hatte. Nach guten 30 Minuten und einer mentalen Vorbereitung durch den Teammanager Thomas Lehner stiegen alle Sieben Fahrer in den Sattel um das Ziel in Torbole (53km) in Angriff zu nehmen. Ab diesem Zeitpunkt blieb das zweite Begleitfahrzeug ständig dicht am Fahrerfeld.

Die Betreuer Kleinert und Lehner machten sich direkt auf den Weg zum Ziel um einen gebührenden Empfang vorzubereiten. Hier war auch der Co-Sponsor Stefan Finsinger von der Physiopraxis in Heidenheim vor Ort, welcher einige Fahrer im Vorfeld sehr gut auf diese Aktion vorbereitet hatte. Die Spannung ist deutlich gestiegen und im Ziel fieberten alle der Ankunft entgegen.

Mehrere kurze Pausen waren nun noch nötig, um alle Kräfte zu mobilisieren und gemeinsam anzukommen. In Nago stand noch eine Rampe mit 16 Prozent Steigung auf dem Programm, bevor der entschädigende Blick auf den Gardasee frei wurde. Die Athleten wurden von ihren Gefühlen übermannt und kreischten und jubelten. Um 21.08 Uhr waren dann alle 7 gestarteten Fahrer nach 470km sichtlich gezeichnet aber überglücklich in Torbole ohne Sturz und Blessuren angekommen. Der Erfolg wurde mit kühlem „Radler“ und der Musik „An Tagen wie diesen“ gefeiert. „Zwischendurch hätte ich nicht mehr daran geglaubt, dass ich es schaffen werde“ berichtete ein überaus glücklicher Mayr. Außerdem waren sich alle einig, dass es eine sensationelle Leistung war. „Insgesamt war es eine unglaubliche Teamleistung zu der alle Fahrer, Betreuer, Sponsoren und Fans beigetragen haben“, meint Thomas Lehner. Nach einer erfrischenden Dusche im Hotel/Camping ging es noch etwas zum Feiern und um 1 Uhr fielen alle todmüde ins Bett.

Der Gesamtspendenbetrag beläuft sich derzeit auf ca. 2.000 EUR. Der Bike Sport Nattheim e.V. hat nun aber beschlossen, die Aktion noch bis nach dem Straßenrennen „Nattheimer Strassenpreis“ am 8. Juli fortzuführen, um den Betrag noch zu erhöhen. Aktuell hat das Team noch einige Sachpreise (hochwertige Handschuhe, Brillen und einen Zeitfahranzug) von den Sponsoren zur Verfügung, welche in diesem Rahmen versteigert werden sollen.

Radparameter:

Gesamtkilometer 470

Höhenmeter 3.400

Durchschnittsgeschwindigkeit 32,8 km/h

Fahrzeit 14h 13Minuten

Kalorienverbrauch ca. 12.000

Durschnittsgeschwindigkeit Begleitfahrzeuge 57 km/h

Verpflegung:

Wasser ca. 70 Liter

Cola ca. 10 Liter

Bananen 25 Stück

Äpfel 10 Stück

Pasta 3,5 kg

Gemüsebrühe

1 Melone

Kuchen 4 Stück

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