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Randale vor der Disco: Brüderpaar verurteilt

Besinnliche Weihnachten sehen anders aus: Am 25. Dezember vergangenen Jahres randalierte ein Brüderpaar vor einem Club an der Olgastraße. Jetzt folgte die Bescherung vor dem Heidenheimer Amtsgericht.

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Symbolfoto  Foto: 

Zum Kassenschlager taugt die knapp viertelstündige Sequenz nicht, wohl aber zum Lehrstück in Sachen angemessenes Auftreten: Als Amtsrichter Eberhard Bergmeister gestern auf den Startknopf der Fernbedienung drückte, spielt es keine Rolle, dass ein Stummfilm über den Flachbildschirm flimmerte. Auch ohne Ton verfehlten die von einer Überwachungskamera festgehaltenen Bilder ihre Wirkung nicht, wie die Reaktionen des hauptsächlich aus Giengener Realschülern bestehenden Publikums belegten.

In der Hauptrolle des Streifens: zwei Brüder, 33 und 31 Jahre alt, denen für ihren unrühmlichen Auftritt kein Darstellerpreis zuteil wurde. Im Gegenteil. In Anbetracht des eigenen Verhaltens hätte es den beiden bestimmt besser gefallen, das Geschehen im nächtlichen Rampenlicht wäre nicht festgehalten worden.

Die Brüder werden nicht eingelassen

Das Drehbuch, das die Realität an jenem ersten Weihnachtstag 2012 schrieb, sieht im Rückblick folgendermaßen aus: Kurz nach 22 Uhr werden die alkoholisierten Brüder aus dem Eingangsbereich des noch geschlossenen Clubs gewiesen. Von einem mobilen Absperrgitter wollen sie sich aber nicht abhalten lassen, drücken die Türsteher damit gegen das Gebäude, schlagen zwei von ihnen ins Gesicht.

Der Jüngere der Angeklagten wirft mit einem mitgebrachten Longdrinkglas auf einen der Angestellten. Der kann sich zwar rechtzeitig wegducken, stürzt aber im Zuge der Handgreiflichkeiten eine Treppe hinab und zieht sich Verletzungen zu, die ihm teilweise bis heute zu schaffen machen. „Die standen unter dem Eindruck von Drogen und haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Es gab kein Halten, die waren wirklich in keinster Weise zu beruhigen“, erinnerte sich der junge Mann gestern. Ein anderer Türsteher bestätigte diese Schilderung: „Die waren richtig außer sich, und das ging mindestens zehn Minuten so.“

Heftige Ausdrücke aus der Gossensprache

Als die Polizei eintrifft, ergehen sich die Brüder in Verbalinjurien. Sie beleidigen Polizeikräfte beiderlei Geschlechts mit Ausdrücken aus der Gossensprache, die es als hinnehmbar erscheinen lassen, dass das Überwachungsfilmchen ohne Tonspur auskommen muss. Das Schauspiel endet schließlich im polizeilichen Gewahrsam, weil die Brüder auf dem Revier ankündigen, sofort zum Ort des Geschehens zurückkehren zu wollen.

Schon zu Beginn der Verhandlung im Amtsgericht waren die Angeklagten gestern darum bemüht, das Bild reuiger Sünder abzugeben und entschuldigten sich mehrfach. „Ich weiß, dass es dumm war, und kann mir das alles nicht erklären. Ich war nicht ich selbst, hatte hinterher auch keine Erinnerung an den Vorfall“, sagte der Jüngere, in dessen Taschen Marihuana gefunden worden war. Einige Ecstasy-Pillen waren's beim Älteren, der ebenfalls einen Filmriss geltend machte.

Was blieb, war der Abspann des schlechten Films in Gestalt des Urteils. Bei der Suche nach demselben war die Aussage, aufgrund eines bereits nachmittags begonnene Alkoholgenusses unerklärlicherweise die Kontrolle über sich verloren zu haben, das eine – der Blick ins Bundeszentralregister das andere. Zahlreiche teils einschlägige Voreintragungen warfen ein wenig schmeichelhaftes Licht auf die Brüder, die beide schon im Gefängnis saßen, nachdem Bewährungsstrafen widerrufen worden waren.

Staatsanwältin verweist auf die vielen Vorstrafen

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft anerkannte zwar die Entschuldigungen der Angeklagten, verwies aber auf das lange Vorstrafenregister und forderte für den 31-Jährigen eine 14-monatige, für den 33-Jährigen eine sechsmonatige Freiheitsstrafe – jeweils ohne Bewährung.

Der Anwalt des jüngeren Täters akzeptierte die Haftdauer, plädierte aber für eine Bewährungsstrafe, zumal angesichts des starken Alkohol- und möglicherweise auch Marihuanakonsums seines Mandanten die Frage der Schuldfähigkeit im Raum stehe.

Bergmeister wertete diese aufgrund der Aussage eines Polizeibeamten als nicht erheblich vermindert. Er verurteilte den älteren der Brüder wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Außerdem muss der 33-Jährige eine Geldbuße von 1000 Euro an den Hilfs- und Wohltätigkeitsverein entrichten. Der 31-Jährige, der das Glas geworfen und dadurch eine Eingangstür beschädigt hatte, erhielt ein Jahr und zwei Monate. Die Geldbuße beläuft sich bei ihm auf 3000 Euro.

In beiden Fällen setzte der Richter die Strafe für die Dauer von vier Jahren zur Bewährung aus, da die letzten aktenkundigen Taten der Männer bereits drei bzw. fünf Jahre zurück lägen. Außerdem sei allen mehr gedient, wenn die Verurteilten weiterhin an sich arbeiteten, als wenn sie aufgrund eines Gefängnisaufenthalts ihre Arbeit verlören, „und dann vielleicht gar nicht mehr auf die Beine kommen“.

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