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Psychiatrie: Chefärzte aus ganz Deutschland in Heidenheim

Psychiatrie ist ein von Wachstum geprägter Markt, auf dem sich auch zahlreiche Fachkliniken an Allgemeinkrankenhäusern bewegen. Um dort ihre Position zu bestimmen, haben sich namhafte Chefärzte aus ganz Deutschland im Klinikum Heidenheim zu einem fachlichen Austausch getroffen.

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Namhafte Referenten vermochte das Heidenheimer Klinikum auf dem Schlossberg zu versammeln: Darunter (v. links) Chefarzt Professor Dr. Karl H. Beine (Hamm) neben Klinik-Geschäftsführer Reiner Genz, Heidenheims Psychiatrie-Chefarzt Dr. Martin Zinkler, Prof. Dr. Stefan Priebe (Queen Mary University of London), DGPPN-Präsidentin und Chefärztin Dr. Iris Hauth (Berlin) und BDK-Vorstand und Chefarzt Professor Dr. Thomas Pollmächer (Ingolstadt).  Foto: 

Rund 70 Teilnehmer verzeichnete dieser zweitägige Psychiatrie-Gipfel auf dem Schlossberg, der in Form der ACKPA-Jahrestagung ausgerichtet wurde. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich ein bundesweiter Arbeitskreis, der die Vertretung der Chefärzte psychiatrischer Kliniken an Allgemeinkrankenhäusern repräsentiert.

Auch Heidenheim gehört zu diesen insgesamt etwa 230 Klinikstandorten in Deutschland. Chefarzt der hiesigen Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ist Dr. Martin Zinkler. Das von ihm geführte Haus bietet ein psychiatrisch-psychotherapeutisches Behandlungsangebot bei allen einschlägigen Problemen – sei es Depression, Psychose, Abhängigkeit oder Demenz. „Wir stehen für gleichen Zugang zur Behandlung für körperliche und psychische Erkrankungen“, berichtete er am Freitag der aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Kollegenschar und wies auf die besondere Aufgabenstellung der Heidenheimer Kliniken hin: die optimale Behandlung für psychische Probleme, die im Rahmen schwerer körperlicher Erkrankungen auftreten, aber auch die bestmögliche Behandlung bei psychischen Störungen.

Die größte Herausforderung für die Erfüllung dieses Aufgabenspektrums sieht Zinkler bei der aktuell betriebenen Einführung eines neuen Entgeltsystems für die Psychiatrie. Damit werden nach Einschätzung des renommierten Heidenheimer Chefarztes die gleichen Fehler wiederholt wie bei der Einführung der diagnosebezogenen Fallgruppen. Die von ihm beschriebenen Folgen dieses Klassifikationssystems, das einem pauschalierten Abrechnungsverfahren dient: Quantität geht vor Qualität, personelle und infrastrukturelle Ressourcen werden von der klinischen Arbeit in organisatorische und Kontrollaufgaben verschoben, und die schwerkranken Patienten haben bei verkürzter Aufenthaltsdauer im Krankenhaus das Nachsehen.

In diese auch für Heidenheim geltende Standortbestimmung passte denn auch das Thema der Jahrestagung. „Ist die Psychiatrie noch zu retten?“ hieß die Fragestellung, die nicht zuletzt einer von Martin Zinkler als wirkungslos bezeichneten Gesundheitspolitik entspringt. Die Krise der Psychiatrie sehen die Akteure in veränderte Rahmenbedingungen eingebettet: Große Hoffnungen auf wissenschaftliche Erklärungen für psychische Erkrankungen wurden enttäuscht, und bis heute sehen die auf diesem Feld tätigen Ärzte keine pharmakologischen oder psychotherapeutischen Behandlungsverfahren, die denen von vor 20 Jahren überlegen wären.

Im Kontext der Globalisierung, internationaler Konflikte und sozialer Spannungen ergibt sich eine höhere Nachfrage nach psychischen Gesundheitsdiensten, mit der ein großes Bestreben einhergeht, aus diesem wachsenden Markt wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen. Auf diesem Spannungsfeld bewegt sich auch das Heidenheimer Klinikum. Dessen Geschäftsführer Reiner Genz wies in seinem Grußwort zur Jahrestagung darauf hin, dass in der Gesellschaft viele Dinge geschehen, die das Wirken in und um die Psychiatrie mittel- und unmittelbar beeinflussen. Dies gelte für den medizinischen wie für den pflegerischen Sektor, für den gesundheitspolitischen und den kommerziellen Bereich, nicht zuletzt auch für die Technik der Krankenhausfinanzierung. Alles spiele ineinander, alles beeinflusse einander, so Genz, der allen Verantwortlichen für die Sicherstellung einer qualitätsorientierten psychiatrischen Versorgung riet, sich mit diesen Aspekten frühzeitig auseinanderzusetzen.

Dass dieses Bemühen bei allen sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen nicht ganz neu ist, zeigt ein Blick auf das Jahr 1996, in dem das Heidenheimer Klinikum schon einmal Schauplatz der Jahrestagung der Psychiatrie-Chefärzte war. Damals stand unter anderem die Notwendigkeit der Fortbildung im Mittelpunkt, doch das eigentliche Thema verdeutlicht, dass die wahren Zwänge immer noch dieselben sind: „Psychiatrie und Geld“.

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