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Polizeichef Volker Lück in den Ruhestand verabschiedet

36 Jahre war Volker Lück Polizist, neun Jahre hat er die Polizeidirektion Heidenheim geleitet: Am Freitag wurde Heidenheims Polizeichef offiziell in den Ruhestand verabschiedet – die Debatte um die Polizeireform zog sich dabei auch durch die Ansprachen.

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  • „So jemanden bringt nichts so schnell aus der Ruhe“: Innenminister Reinhold Gall (rechts) lobte Volker Lück als „besonnenen und geschätzten Polizeichef“, der erfolgreich Arbeit geleistet habe. 1/2
    „So jemanden bringt nichts so schnell aus der Ruhe“: Innenminister Reinhold Gall (rechts) lobte Volker Lück als „besonnenen und geschätzten Polizeichef“, der erfolgreich Arbeit geleistet habe.
  • Schlussakt für 36 Jahre Polizeiarbeit: Vor Politikern und Kollegen aus der Polizei wurde Volker Lück gestern in den Ruhestand verabschiedet. 2/2
    Schlussakt für 36 Jahre Polizeiarbeit: Vor Politikern und Kollegen aus der Polizei wurde Volker Lück gestern in den Ruhestand verabschiedet. Foto: 
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Bei der Feierstunde im Marstall auf Schloss Hellenstein würdigte Innenminister Reinhold Gall die 36-jährige Dienstkarriere Lücks, der 1975 von der Universität (Mathematik und Physik) zur Polizei gekommen war. Während der Stammheimer Prozesse gegen RAF-Terroristen seien es „lebensgefährliche Zeiten“ für Polizisten gewesen, die Männer wie Volker Lück aber auch geprägt hätten: „So jemanden bringt nichts mehr so schnell aus der Ruhe.“

Höherer Dienst, Landespolizeischule, schließlich der Wechsel zum Spezialeinsatzkommando (SEK) des Landes: gerade diese Zeit sei wie ein Charakteristikum Lücks, den Gall als „SEK-Mann“ bezeichnete – wobei die drei Buchstaben bei Volker Lück für „stoische Ruhe und Verlässlichkeit, Ethik und Einsatzbereitschaft sowie höchste Konzentration“ stünden.

Neun Jahre an der Spitze der PD Heidenheim seien die Krönung in Lücks beruflicher Laufbahn gewesen: Stets besonnen und allseits geschätzt habe Lück vor Ort für exzellente Polizeiarbeit gesorgt, so Gall, der auch den jüngst wieder diskutierten Fall Bögerl nicht ausklammerte: „Die Akten werden nicht geschlossen“, so der Minister: Man werde weiter alles daransetzen, den Fall aufzuklären.

Nicht nur in schweren Stunden sei Lücks Familie stets hinter ihm gestanden. „Sie helfen mit“, so Gall zur anwesenden Familie des Polizeichefs: „Und dabei stehen Sie nicht einmal auf unserer Gehaltsliste.“

Zuvor hatte auch der Stuttgarter Polizeipräsident Christian Nill Lücks Verdienste hervorgehoben. Lück sei stets „wohltuend ruhig und sachlich“ gewesen, habe aber auch mit Herz und Verstand Polizeiarbeit betrieben. Auch auf Ebene des Regierungspräsidiums habe er in den Runden der PD-Chefs stets ebenso anregende wie angenehme Impulse gesetzt.

Ein „Gefühl von Wehmut“ beschrieb Landrat Thomas Reinhardt angesichts von Lücks Abschied – und kam dann schnell auf die ungewisse Zukunft der Polizeidirektion zu sprechen. „Wenn man ein bewährtes Konzept ersetzt, sollte es besser werden – dieser Beweis ist für mich noch nicht erbracht“, so Reinhardt an die Adresse des Innenministers. Volker Lück jedenfalls habe sich vor Ort stets eingebracht und auch in seiner Arbeit für den Förderverein „Sicherer Landkreis“ die kurzen Wege vor Ort für Erfolge nützen können. Im Landkreis lebten die Menschen erwiesenermaßen sicherer als in vielen anderen Gegenden – dies sei auch das persönliche Verdienst von Volker Lück.

Kriminalhauptkommissar Günter Ortlieb, Chef des Personalrats bei der PD Heidenheim, widmete sich in seinem Grußwort wiederum der anstehenden Polizeireform. Besonders die Entwicklung bei der Kriminalpolizei, der womöglich am Ende nurmehr 15 Beamte vor Ort blieben, müsse man genau verfolgen – die bisherigen Pläne bedeuteten einen „Rückzug aus der Fläche“. Lange Wege seien manchen Beschäftigten schon hinsichtlich ihrer Einkommen nicht zuzumuten, Sozialverträglichkeit an der Basis werde bei der Reform entscheidend sein. „Seien Sie froh, dass Sie diese Unsicherheit und Unruhe nicht mehr mitmachen müssen“, so Ortlieb zu Lück, dem er freilich seinen wohlverdienten Ruhestand gönne: „Sie haben jetzt Ihre ganz persönliche Strukturreform – gestalten Sie sie sozialverträglich.“

Volker Lück selbst blieb auch bei seinen persönlichen Worten zum Abschluss gewohnt sachlich und kurz, obwohl er nach eigenen Worten ja Zeit habe: „Die übliche Rede meines Nachfolgers fällt ja aus“, so Lück (dessen Nachfolge inzwischen ausgeschrieben ist).

Lück skizzierte, dass er den ungeklärten Fall Bögerl so wenig abstreifen könne wie alle anderen in dem Fall ermittelnden Polizisten, machte auch klar, dass er die Polizeireform grundsätzlich positiv sehe. Vor allem aber bedankte sich Lück bei einer Reihe von Adressen, die die vielfältigen Beziehungen der Polizei in ganz eigener Weise deutlich machten – von der Politik über Justiz und Staatsanwaltschaft bis zu Feuerwehr und Rettungskräften, die Lück als „Profis an unserer Seite“ würdigte. Auch für die lokalen Medien hatte Lück ein Wort des Dankes parat. Die objektive und faire Berichterstattung habe er nicht erst in den vergangenen zwei Jahren stets geschätzt.

Besonders bedankte sich Lück aber bei „seinen“ Polizistinnen und Polizisten. „Ich habe stets bewusst Freiheiten gewährt, weil ich davon überzeugt bin, dass man so eine gute Polizeiarbeit leisten kann“, so Lück.

Und persönlich wurde Lück dann doch noch, als er sich bei seiner Familie und besonders bei seiner Frau bedankte. Oft sei er kaum zu Hause gewesen, in den vergangenen zwei Jahren bisweilen noch weniger. „Liebe Gisela, ich gelobe Besserung“, so Lück.

Unmittelbar vor der Verabschiedung hatten Landrat Reinhardt, OB Bernhard Ilg und die Landtagsabgeordneten Andreas Stoch und Bernd Hitzler Innenminister Gall ein Schreiben überreicht, in dem sich die Politiker hinsichtlich der Polizeireform für die Ansiedlung einer der neuen Polizeidirektionen (Verkehrsdirektion oder die Direktion für Polizeireviere) in Heidenheim aussprechen.

Mehr zu den Vorschlägen für eine künftige Polizeidirektion in Heidenheim in der gedruckten Ausgabe der Sonntagszeitung. Darin auch ein großes Abschieds-Interview mit Volker Lück.
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