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Piratengeschichte „Tortuga“ erweist sich im Brenzpark als Volltreffer

Tempo, Tempo, Tempo! Die Piratengeschichte „Tortuga“ erweist sich im Zelt im Brenzpark als inszenatorischer, musikalischer und darstellerischer Volltreffer.

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Der Fluch der Karibik läuft sich derzeit im Kino tot. Der Segen der Karibik hingegen ist momentan im Brenzpark zu erleben. Es handelt sich dabei um „Tortuga“, die Produktion der Jungen Oper für die Heidenheimer Festspiele. Am Mittwoch war Premiere. Das Publikum zeigte sich begeistert. Und in der Tat zündet die mit prächtig viel Seemannsgarn geladene Räuberpistole mächtig.

Die Treffer zeigen Wirkung sowohl bei den Kindern im Publikum als auch bei den Erwachsenen. Alle haben ihren Spaß am quietschbunten Treiben auf der von Aylin Kaip gebauten Bühne, die nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch auf jede der zahlreichen technischen und dramaturgischen Herausforderungen scheinbar ungefragt eine Antwort weiß.

Es ist was Wahres dran

Das ist die Basis, auf der Regisseur Martin Philipp „Tortuga“ erzählt, ein Stück von Paul Steinmann, das Martin Philipp und der musikalische Leiter der Produktion, Nico A. Stabel, noch ein wenig für Heidenheim bearbeitet haben. Es treten auf die See, zahlreiche Schiffe, noch mehr Piraten – und vor allem das Mädchen Mary-Anne O'Malley, dem das Leben nichts anderes übrig lässt, als sich als Mann zu verkleiden und Matrose, Soldat und schließlich, da schon als Frau erkannt und respektiert, Piratin zu werden.

Solche Lebensläufe gab's ja tatsächlich, vor allem im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Und das Piratennest Tortuga sowie der Pirat Calico Jack (Jack Rackham soll auch den Jolly Roger, die schwarze Totenkopfflagge, kreiert haben und segelte mit gleich zwei Frauen: Anne Bonny und Mary Read) sind auch nicht erfunden. Es ist also was Wahres dran an dieser Geschichte. Umso interessanter.

Mit Gags gespickt

Martin Philipps mit höchstwertigen Gags und Anspielungen nur so gespickte Inszenierung läuft wie am Schnürchen. Und selbst in den in grandios gespielter Zeitlupe gehaltenen Momenten dieser schier atemlos gestalteten fünfundsiebzig Minuten wird, was sich dem Betrachter beinahe schon körperlich spürbar mitteilt, gnadenlos aufs Tempo gedrückt. Und jeder noch so kleine der vielen, vielen inszenatorischen Einfälle wirkt als zusätzlicher Treibsatz.

Das reißt jeden und alles mit, auch das Stück selbst, das zu Beginn noch etwas sperrig wirkt. Und insbesondere das junge Publikum geht bald ganz in der Vorstellung auf, singt aus voller Kehle mit – und mischt sich dann zeitweise sogar ein.

Die Frau wird der Boss

Da müssen die Piratin und die Piraten auf der Bühne mächtig aufpassen, dass nichts aus dem Ruder läuft, denn mit der Demokratie im Theater ist das so eine Sache. Doch zum großen Glück decken sich der Wunsch der jungen Zuschauer und die so vorgesehene Geschichte der wackeren Mary-Anne O'Malley. Sie wird der neue Big Boss auf dem Schiff.

Einem Schiff, das mit seiner Ladung in etwa auf der Route segelt, die auch die neue Art von Animationsfilmen im Kino für sich entdeckt hat. Hier werden Geschichten so erzählt, dass Kinder und Erwachsene unabhängig voneinander und doch auch gleichermaßen bedient werden. „Tortuga“ funktioniert ebenso. Nicht alles also, woran sich Eltern oder Großeltern bei Martin Philipp nahezu unentwegt delektieren können, ist hier dazu da, von Kindern nachvollzogen oder gar verstanden zu werden. Da Kinder nun aber dazu neigen, schlicht auszublenden, was sie nicht verstehen, schafft „Tortuga“ am Ende das nicht kleine Kunststück, wirklich alle im auch von den Temperaturen her karibisch aufgeheizten Opernzelt auf höchstem Niveau zu interessieren, mitzunehmen und zu begeistern.

Sagenhafte Darsteller

Was an und für sich ja schon als Erfolg ausreichen würde, der im Falle dieser Produktion allerdings schier noch ins Maßlose gesteigert wird durch die darstellerischen Leistungen von Robin Bohn, Daniel Pohnert und Lisa Katarina Zimmermann, die in einer Art und Weise in und mit ihren Figuren durch das Stück fegen, dass es kaum zu fassen ist. Dieses Trio – Lisa Katerina Zimmermann und Daniel Pohnert segeln darüber hinaus auch noch in ihrer Eigenschaft als Sänger volle Fahrt voraus – ist so sagenhaft gut, dass man sich zwischendurch fast mal gern die Augen reiben würde, gäbe es nicht so viel zu schauen und zu sehen.

Und zu hören auch: Die für Klavier (Nico A. Stabel) und Percussion (Fabian Kawohl) adaptierte musikalische Seite der goldglänzenden Medaille ist im Fahrwasser von Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ unterwegs und macht auch in so manch piratenmäßiger Taktverschiebung rundum riesigen Spaß.

In diesem Sinne: auf in die Karibik. Bloß nicht das Schiff verpassen.

„Tortuga“ zeigt die Junge Oper im Brenzpark in weiteren zwölf Vorstellungen am 24. und 25. Juni sowie am 1. und 2. Juli ab 15 Uhr, am 28. und 29. Juni und am 4. Juli ab 9.30 und 11.30 Uhr sowie am 27. Juni und am 5. Juli ab 9.30 Uhr. Eintrittskarten sind im Vorverkauf in Heidenheim im Ticketshop des Pressehauses und bei der Tourist-Information erhältlich.

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