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Pannen auf der Brenzbahn: Die Bahn schweigt

Die Pannen reißen nicht ab. Zuletzt schlug ein Dieseltank leck. Meistens jedoch wissen die Bahnreisenden im Landkreis nicht, warum sie warten. Eine Antwort bleibt die Bahn schuldig.

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Ein Punkt bewegt sich auf einer Karte auf dem Smartphone. Er stellt den Zug dar, der pünktlich im Ulmer Bahnhof gestartet ist und nun seit zehn Minuten auf der Brenzbahn Richtung Norden unterwegs ist. Noch fünf Minuten und er ist an einer Haltestelle im Landkreis Heidenheim, wo etwa zehn Menschen warten, um zur Arbeit zu fahren. Fünf Minuten später: der Punkt im DB-Zugradar ist da, wo der Zug sein sollte, der echte Zug jedoch nicht. Plötzlich springt der Punkt wieder zurück nach Ulm.

Die Leute am Bahnhof warten weiter. Warum der Zug nicht fährt, erfahren sie kurz später über die Lautsprecher-Durchsage: ein Fehler in der Bereitstellung führe zur Verspätung.

Die Störungen auf der Brenzbahn kommen und gehen. Mal scheint es, die Bahn hat die Sache im Griff, doch dann häufen sich die Verspätungen und Zugausfälle wieder. In welcher Phase sich die Brenzbahn im Moment befindet, bleibt unklar. Seit zehn Tagen bleibt eine Anfrage bei der Deutschen Bahn nach den technischen Störungen und dem Stand der Reparaturen unbeantwortet.

Dauerbrenner: defekte Türen

Ende Mai zum Beispiel war eine Verbindung komplett ausgefallen. Der Grund: ein defekter Türmechanismus. Drei Tage vorher das gleiche. Die Reisenden, erfahren vom Ausfall erst kurz vor knapp. Einen Ersatz gibt es oftmals nicht, wer Glück hat, fährt mit dem nächsten Zug. Wer noch mehr Glück hat, findet jemanden, der mit dem Auto abgeholt wird und kann sich anschließen.

Geschlossene und gesperrte Türen waren vor allem im Frühjahr auf der Brenzbahn eine auffallende Erscheinung. Betroffen waren, so zumindest der Eindruck, vor allem die Züge der Baureihe 644 vom Typ Talent des Herstellers Bombardier. Erst im März 2016 waren sie neu auf die Brenzbahn gekommen. Zwei Monate später war ein Teil wieder in der Werkstatt.

Die Türen klemmen weiter: erst am Freitag erreichte die Redaktion ein Foto aus dem Innern eines Triebwagens, wo gelbe Absperrbänder die verriegelten Türen zierten.

Mindestens dreimal mussten dieses Jahr Menschen auf offener Strecke aus dem Zug aussteigen oder befreit werden.

Am Montag, als der Tank leck schlug, Ende Mai, als ein Stellwerk ausfiel und in Unterelchingen Schluss war. Und Anfang April, als das Bremssystem defekt war und der Zug zwischen Herbrechtingen und Giengen liegen blieb.

Sehr oft pünktlich laut Statistik

An vier von 20 Tagen kommt es zu Problemen, berichtet ein Pendler seinen Eindruck. Die Bahn führt eine andere Statistik. Nach einem Wutbrief des Heidenheimer Landrats Thomas Reinhardt im Sommer 2016, als die Bahn so wenig Wagen hatte, dass nicht alle Reisenden mitfahren konnten, gelobte die Bahn Besserung.

Im Herbst meldete sie für die Brenzbahn eine Pünktlichkeit von 94 Prozent. In einer Bahn-Statistikm wird die Brenzbahn in der vorigen Woche sogar mit einer Zugpünktlichkeit von 98 Prozent geführt bei Null Zugausfällen.

Das ist Spitze im Land und besser als der Landesdurchschnitt, der bei 91 Prozent liegt. Schlechteste Zeit auf der Brenzbahn in den vergangenen zehn Wochen war Ende April, da waren nur 92,9 Prozent der Züge pünktlich. Jeder Zug mit fünf und weniger Minuten Verspätung, wird nicht in der Statistik geführt.

Blickt man jedoch auf das Netz 5, sieht die Sache etwas anders aus. 83,7 Prozent Pünktlichkeit sagt die Bahn für vorige Woche, auch in diesem Paket fahren Brenzbahn-Züge bis von Ulm nach Ellwangen.

Landrat pocht auf Entschädigung

Die Statistik ist die eine Seite, die Wahrnehmung vor Ort eine andere. Als die Bahn Ende vorigen Jahres den Dauer-Fahrern auf der Remsbahn Entschädigungen zahlte, forderte Landrat Thomas Reinhardt dies auch für die Brenzbahn.

Die DB Zugbus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH, die für die Brenzbahn zuständige Bahn-Tochter, lehnte ab, weil die Störungen auf der Brenzbahn wesentlich geringer gewesen seien.

Doch Reinhardt blieb dabei. Nach dieser Abfuhr wandte er sich an an Verkehrsminister Winfried Hermann. Er schlug vor, dass den Pendlern aus dem Topf der Vertragsstrafen, die die Bahn seines Wissens nach wegen der Zugausfälle an das Land bezahlt, entschädigt werden. Eine Entschädigung wäre ein wichtiges Signal und könnte dazu beitragen, einen aufgrund der Vorfälle zu erwartenden Fahrgastrückgang zu stoppen, argumentierte er.

Eine Antwort steht noch immer aus. „Unser Beschwerdeschreiben ist bestimmt nicht das einzige, das vorliegt“, sagt Landratsamt-Pressesprecherin Anja Halbauer. „Wir werden nachhaken“, lässt sie vom Landrat ausrichten. Dieser will, sollte er beim Ministerium auf Granit beißen, in eine nächsten Stufe bei der Deutschen Bahn Beschwerde führen.

Probleme in der Werkstatt

Auch Grünen-Politiker Matthias Gastel, Mitglieds im Bundestags-Verkehrsausschuss blickt immer wieder auf die Brenzbahn und hakt nach.

Als ärgerlich und unakzeptabel sieht er nach wie vor uneinheitlichen Einsatz der Zuggarnituren. Die Reisenden wüssten nie, welcher Zug fährt, ob dieser barrierefrei ist oder genügend Fahrrad-Abstellmöglichkeiten hat.

Offensichtlich, so Gastel, sei die Problematik in der Werkstatt in Ulm noch immer nicht behoben. Dort stünden viele Wagen, die gewartet gehörten. Der Grund für den Reparatur-Rückstand sei zu wenig Personal. Aber auch das Eisenbahnbundesamt brauche oftmals zu lange, um das reparierte Material wieder zuzulassen.

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