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Mordfall Bögerl: Verdächtiger stundelang verhört, DNA-Test negativ

Ein Betrunkener will die Maria Bögerl erstochen haben. Monate später wird er festgenommen – und bestreitet alles. Eine DNA-Probe fällt negativ aus.

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Der im Mordfall Maria Bögerl festgenommene Mann ist wieder auf freiem Fuß. Der Tatverdacht gegen ihn habe sich nicht erhärtet, sagte Staatsanwalt Armin Burger am Donnerstag in Ellwangen. Das Ermittlungverfahren sei allerdings damit nicht abgeschlossen, sagte Burger. Es gebe weitere Entwicklungen im Umfeld des Mannes.

Die DNA-Probe des Verdächtigen habe „keine Übereinstimmung“ mit seinerzeit gesicherten Erbsubstanzspuren ergeben. Allerdings könne man auch nicht einfach darüber hinwegsehen, dass sich der Mann selbst der Mordtat gerühmt habe, erklärte Burger.

Die Ermittler müssten bei einer Entscheidung über das weitere Vorgehen auch die Angaben des Mannes bei seiner mehrstündigen Vernehmung berücksichtigen. Einzelheiten dazu nannte Burger nicht.

In der Nacht auf Donnerstag klickten die Handschellen in Königsbronn, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt. Der im Mordfall Bögerl festgenommene 47-jährige Tatverdächtige bestreite jedoch, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Ellwangen mit.

Der Mann hat zuvor angegeben, einen Hass auf die Familie Bögerl gehabt zu haben. Dies teilte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen in Ulm mit.

Sieben Jahre nach der Entführung und Ermordung von Maria Bögerl, der Frau des früheren Kreissparkassen-Chefs, nahm die Fahndung nach dem Täter noch einmal volle Fahrt auf. Die Polizei suchte mit Phantombild und einer Tonaufnahme nach einem Mann, der sagt, dass er aus Ochsenberg (Gemeinde Königsbronn) komme. Die Polizei hatte in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ um Hinweise gebeten.

An einer Straßenkreuzung aufgetaucht

Bereits im Juli 2016 tauchte der gesuchte Mann nachts um halb eins an einer Straßenkreuzung in Hagen (Nordrhein-Westfalen) auf und sprach zwei junge Männer an. Der verwahrlost aussehende Mann Mitte Vierzig war betrunken und brüstete sich mit der Tat, die im Mai 2010 den Landkreis Heidenheim in Schockzustand versetzte. Er soll gesagt haben, dass er die Familie Bögerl hassen würde. Ein Teil des Gespräches nahmen die jungen Männer mit dem Handy auf und verständigten die Polizei.

„Nach unserer Einschätzung könnte dieser Unbekannte tatsächlich der Mörder von Maria Bögerl sein“, sagte der leitende Ermittler Michael Bauer von der Polizei in Ulm am Mittwochabend in der ZDF-Sendung.

Nach Ausstrahlung der Fernsehsendung gingen viele Anrufe bei der Hotline ein. 5,60 Millionen Zuschauer verfolgten ab 20.15 Uhr Rudi Cernes Sendung.

Seit Jahrzehnten in Tarnkleidung unterwegs

Mehrere Zeugen identifizierten bereits am Mittwoch kurz nach Bekanntwerden der Fahndung aufgrund der Sprachaufnahme einen Mann, der schon seit Jahrzehnten immer wieder in Tarnkleidung im Wald unterwegs sein soll. Dort habe er selbst erfundene Wehrspiele gemacht und sich im Verstecken geübt, heißt es.

Allerdings soll das veröffentlichte Phantombild dem Mann nur sehr wenig ähneln. Die Beschreibung der Kripo – er soll ca. 1,80 Meter groß und schlank sein, verwahrlost und ungepflegt aussehen und schwarze Haare haben – passt aber wohl zu dem Mann, der auch im Heidenheimer Stadtbild immer wieder auffiel.

Gerätselt wird von den Zeugen, ob dem Mann eine solche Tat wie die Entführung von Maria Bögerl aus deren Haus in Schnaitheim und der anschließende Versuch, Lösegeld von ihrem Ehemann zu erpressen, zuzutrauen sei. Er wird als einfach strukturiert, psychisch verwirrt und vom Suchtmittelmissbrauch gekennzeichnet beschrieben.

Jedoch soll er gegenüber den beiden Zeugen in Hagen Dinge geäußert haben, „die so in der Öffentlichkeit nicht bekannt waren“, sagt Polizeipressesprecher Uwe Krause.

Laut Staatsanwaltschaft passt der Hinweis auf das Messer, ein Aitor Jungle King III, zu der Tat. Auch die bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei legen nahe, dass an der Geschichte des Mannes etwas dran sein könnte.

Ein Messer in den Ochsenberger Wäldern

Die Soko Flagge, die mit 80 Polizeibeamten startete und vor zwei Jahren in eine kleine Ermittlungsgruppe überführt wurde, wurde wieder massiv aufgestockt. „Uns steht ein großes Kräfteaufgebot zur Verfügung“, sagt Uwe Krause.

Der Tatverdächtige spricht in der Handyaufnahme in starkem Dialekt und erzählt von einem Mann, der mit einem Bundeswehrrucksack und dem Überlebensmesser von Aitor unterwegs sei. Ein zweites solches Messer liege in den Ochsenberger Wäldern. „Aber da gehe ich nicht mehr rauf, weil ich da jeden Maulwurfshügel mit Vornamen kenne“, so der Mann.

Das Waldgebiet zwischen dem Königsbronner Teilort Ochsenberg, Neresheim, wo das Auto der entführten Frau gefunden wurde, und dem Fundort der Leiche bei Nietheim ist zusammenhängend und wird nur von der A 7 zerteilt, wo an einer Behelfsausfahrt die Geldübergabe an den Entführer hätte stattfinden sollen.

Hinweise nach der Sendung

Nach der Veröffentlichung des Phantombildes und der Sprachaufzeichung des unbekannten Tatverdächtigen gingen eine Vielzahl von Anrufen bei der Hinweis-Telefonnummer des Ulmer Polizeipräsidiums ein.

Auch über die Studio-Hotline der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“, die am Mittwochabend ausgestrahlt wurde und bei der der neue Verdächtige Thema war, erhielten die Ermittler während und nach der Sendung zahlreiche Hinweise.

Insgesamt teilten rund 180 Anrufer der Polizei Informationen mit Bezug zu dem bislang ungeklärten Verbrechen mit.

Die Chronologie: Der Mord an Maria Bögerl

Maria Bögerl wurde am 12. Mai 2010 aus ihrem Haus entführt. Der oder die Täter nutzten die schwarze A-Klasse der Entführten. Die Lösegeldübergabe an einer mit einer Deutschlandflagge gekennzeichneten Stelle an der Autobahn scheiterte, das Geld wurde nicht abgeholt.

Bögerls Auto wurde zwei Tage später im Innenhof des Klosters Neresheim gefunden. Die Leiche der Frau tauchte erst am 3. Juni in einem Waldstück bei Ebnat-Niesitz auf. Sie wurde mit zahlreichen Messerstichen getötet. Im Pkw und am Besitz des Opfers wurden DNA-Spuren einer unbekannten männlichen Person gesichert. Thomas Bögerl, der Mann der Ermordeten, nahm sich ein Jahr nach der Tat das Leben.

Das Polizeipräsidium Ulm und die Staatsanwaltschaft Ellwangen führen das Ermittlungsverfahren. Hier finden Sie weitere Details des Bundeskriminalamtes zur Fahndung.

Info Alle HZ-Artikel zum Mordfall Maria Bögerl gibt es HIER.



Die DNA-Analyse ist zusammen mit dem Fingerabdruckverfahren (Daktyloskopie) ein zentrales Instrument zur Aufklärung von Straftaten. Die DNA ist der Träger der menschlichen Erbsubstanz. Geringste Spuren wie Hautschuppen, Haare, Sperma oder Speichelreste reichen aus, um die Identität eines Menschen nahezu sicher festzustellen.

Bei der DNA-Analyse wird die am Tatort gefundene Erbsubstanz mit der eines Verdächtigen verglichen. Mithilfe der Technik konnten auch schon lange zurückliegende Verbrechen aufgeklärt werden. Die Spuren dürfen aber nur im Hinblick auf das Geschlecht und zur Feststellung der Identität analysiert werden. Die Auswertung auf weitere Merkmale wie Augen-, Haar- oder Hautfarbe ist bislang verboten.

Beim Bundeskriminalamt wurde 1998 eine zentrale DNA-Analysedatei eingerichtet. Gespeichert sind darin Daten von Beschuldigten, verurteilten Straftätern und von am Tatort gesicherten Spuren. Sie hat nach Angaben des Bundesinnenministeriums bisher dazu beigetragen, rund 1360 Tötungsdelikte, 2370 Sexualstraftaten, 8200 Raub- oder Erpressungsfälle sowie mehr als 94.000 Diebstähle aufzuklären.

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