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Neue Bibliothek: Welcher Preis ist angemessen?

Eine Stadtbibliothek modernen Zuschnitts soll her. Darin sind sich Stadtverwaltung und Gemeinderat einig. Eine spannende Frage aber ist umstritten: Wie teuer darf sie sein?

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Tiefgaragenzufahrt, Stacheldraht, Betonmauern: Es gibt wahrlich heimeligere Ecken als das Gebiet rund um die Justizvollzugsanstalt an der Helmut-Bornefeld-Straße. Insofern eilt dem Neubau einer Stadtbibliothek, der nach dem Abriss des Gefängnisses an gleicher Stelle entstehen soll, die Gewissheit voraus, eine deutliche Verbesserung des Stadtbildes mit sich zu bringen.

Das detaillierte Gesicht des Gebäudes wird zwar erst im Zuge eines am Donnerstagabend vom Gemeinderat auf den Weg gebrachten Planungswettbewerbs modelliert, wesentliche Bestandteile hat die Verwaltung aber bereits festgezurrt. Die Liste reicht von der eigentlichen Bibliothek für Kinder, Jugendliche und Erwachsene über das Stadtarchiv, eine Graphothek, digitale Medien, Veranstaltungs- und Seminarräume, eine Cafeteria sowie Verwaltung, Magazin und Technik bis hin zum Kreismedienzentrum.

Alles in allem kommt so eine Nutzfläche von 3564 Quadratmetern zusammen, die Publikumsfläche der eigentlichen Bibliothek macht 1942 Quadratmeter aus. Eine Kostenschätzung der Stadtverwaltung nennt unterm Strich ein Investitionsvolumen von 16,5 Millionen Euro, wobei eine Million auf die Tiefgarage entfällt. Für die„Sanierung“ des Gefängnisareals erhofft sich die Stadt einen Zuschuss in Höhe von drei Millionen Euro.

Sollte die Idee eines extern betriebenen gastronomischen Betriebs im Dachgeschoss mit gut 400 Quadratmetern Fläche verwirklicht werden, müssten laut Stefan Bubeck, dem Leiter des Geschäftsbereichs Hochbau, weitere 1,8 Millionen Euro in die Hand genommen werden.

Der von der Stadtverwaltung ausgearbeitete Zeitplan sieht vor, jetzt einen Architektenwettbewerb auszuschreiben (siehe Artikel: Architektenwettbewerb: Gesucht wird mehr als ein schönes Gebäude). Baubeginn soll 2014 sein, als Einzugstermin ist der Spätsommer 2016 angepeilt.

Dass sie an der Notwendigkeit einer modernen Bibliothek– als Zielmarke sind 100 000 Medien formuliert– keinen Zweifel hegen, machten die Stadträte deutlich, indem sie einstimmig für den Standort und das vorgelegte Raumprogramm wie auch für den Planungswettbewerb votierten.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Frage der Kosten das Gremium noch beschäftigen dürfte. OB Bernhard Ilg bezeichnete ihre Höhe als angemessen und verwies darauf, dass sie„nur unwesentlich vom Landratsamtsanbau entfernt“ lägen.

„Ich denke nicht, dass das zu teuer ist“, pflichtete Rudi Neidlein (SPD) bei. Ihn treibe vielmehr die Sorge um,„dass der Kostenrahmen tatsächlich eingehalten werden kann“. Bis auf wenige Ausnahmen seien während seiner Amtszeit alle Kostenvorgaben eingehalten worden, entgegnete Ilg, und auch diesmal werde sorgfältig kalkuliert. Zu einer komplett anderen Einschätzung kam Ulrich Grath (Freie Wähler). 4421 Euro pro Quadratmeter Fläche seien ein„veritabler Preis“ und alles andere als eng kalkuliert. Würde ein Bauunternehmer beauftragt, den Komplex zu diesen Bedingungen schlüsselfertig zu erstellen,„dann reibt der sich die Hände“.

Bedenken anderer Artäußerte Hans Kurowski (Grüne): Um auch nur die reinen Baukosten zu refinanzieren, müsste der Betreiber des Restaurants rein rechnerisch 90 Jahre lang jeweils 20 000 Euro Pacht bezahlen. So beeindruckend die Idee einer Gastronomie hoch droben auch sei, so groß seien seine„Zweifel, dass sich das betriebswirtschaftlich betrachtet jemand traut“. Namens der SPD-Fraktion kündigte Rudi Neidlein an, eine direkte Investition der Stadt in den Gastronomiebereich„werden wir so nicht begleiten“. Die Beteiligung eines privaten Investors sei unumgänglich.

Möglicherweise wäre anfangs eine Subvention erforderlich, sagte OB Ilg. Eine solche bedeute ein Risiko, gleichzeitig aber auch eine„Chance für eine dauerhafte Belebung“. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch nicht möglich, eine abschließende Bewertung abzugeben. Das sei jedoch auch nicht zwingend erforderlich, weil nötigenfalls bis kurz vor Baubeginn die Reißleine gezogen werden, sprich: die Idee von einer integrierten Gastronomie verworfen werden könne. In diesem Fall bleibe beispielsweise die Alternative, Wohnungen auf die Spitze des Gebäudes zu setzen.

„Das Raumkonzept lässt zu, dass das Gebäude auf Jahre hinaus atmet“, sagte Ilg und drückte damit aus, dass die künftige Stadtbibliothek auf eine sich verändernde Mediennutzung vorbereitet sei. Auch bei dieser Einschätzung wollte ihm Uli Grath nicht folgen. Er bemängelte, das Thema Onleihe, also das Ausleihen von E-Books, Hörbüchern und Ähnlichem via Internet, werde beharrlich ignoriert. Onleihe brauche aber keine Fläche, so Grath, und CDs seien„Relikte“.

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Kommentare

17.11.2012 11:54 Uhr

neue Bibliothek

Herr Uli Grath ist wohl einer der wenigen die erkannt haben, daß sich durch die Digitalisierung der Medien auch die Bibliothekslandschaft verändert hat und noch viel stärker verändern wird.
Ich befürchte, der Bibliotheksneubau kostet so viel Geld, daß für Themen wie onleihe kein Geld mehr übrig ist. Nürnberg ist ein gutes Beispiel.
Wenn die Stadt den Bibliotheksnutzer was Gutes tun will kann sie ihren Nutzern ja recht schnell, möglichst im Verbund mit anderen Bibliotheken ein onleihe Angebot machen.

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