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Neue Bibliothek: So sieht sie von innen aus

"Heidenheim baut Zukunft": Der Slogan, der inzwischen ein komplettes Jahrzehnt Stadtentwicklung beschreibt, steht nicht nur auf dem Papier, sondern hat die Silhouette Heidenheims tatsächlich verändert. Das jüngste Beispiel: die im Bau befindliche Stadtbibliothek. Ein Rundgang in Bildern.

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Besichtigung des Rohbaus Stadtbibliothek Heidenheim  Foto: 

Vor dem Blick ins Innere bleibt das Auge erst mal am äußeren Schein hängen. Und der trügt in diesem Fall nicht, ist denn auch weit mehr als nur ein architektonisches Etikett, sondern ein Versprechen, das sich in ganz besonderer Weise auf den Inhalt bezieht. Die neue städtische Bibliothek will sich nach außen hin öffnen – und diesen Anspruch machen allein schon die riesigen Fenster deutlich, die dem extrem langen und schlanken Bauwerk an seiner Ostseite ein besonderes Gepräge verleihen.

Der jetzt noch eher verstellte Blick auf die künftige Schokoladenseite dieses Solitärbaus macht eine Eigenart und damit das Unverwechselbare der hier erkennbaren Handschrift deutlich. Anders als anderswo, wo der für seine klare architektonische Formensprache bekannte und vielfach preisgekrönte Schweizer Architekt Max Dudler – wie bei der neuen Reutlinger Stadthalle – Fenster an Fenster angegliedert hat, ist die 110 Meter lange und 20 Meter hohe Ostwand des Heidenheimer Bibliotheksgebirges von vier mal vier Meter großen Fensterscheiben durchsetzt, deren Anordnung nicht gewohnt stringent ist, sondern eher zufällig daher zu kommen scheint – ein Eindruck, der sich allerdings spätestens im Innern des Gebäudes als falsch erweist. Die Außenwirkung aber sitzt, wird von Heidenheims Stadtplaner Ralf Käpplinger wie folgt empfunden: „Das gibt der Fassade eine Lebendigkeit, ohne dass sie nervös wird.“

So hat denn Heidenheim „einen besonderen Dudler,“ der dem Stadtbild in mehrerlei Hinsicht Besonderes und Sonderbares beschert. Zum Beispiel einen Stahlbetonbau, dessen Look ein ganz anderer ist, weil der bereits voll ausgewachsene Baukörper am Ende rundum mit einer Ziegelfassade ummantelt ist, insofern also ein ganz natürliches, weil von der Natur gegebenes Bild vermitteln wird. 400 000 dieser Wasserstrichziegel mit ihrem typischen Schlierendesign und teils aufgerauten Bereichen, die sie alle zu Unikaten macht, sind eigens für Heidenheim gebrannt worden und müssen in penibler Handarbeit hochgemauert werden. Stein auf Stein und das mit perfekt stimmenden Fugen, auf 20 Meter Höhe millimetergenau, weil sonst andere Bauteile und -konstruktionen nicht mehr ins Ganze passen.

Jetzt aber hinein. Das geschieht von der Ostseite her, wo es durch den bereits verglasten Eingangsbereich ins Foyer geht, das durch seine schon im Rohbau erkennbare Großzügigkeit und Helligkeit besticht. Wie ein offenes Buch liegt die Grundidee des Bibliothek-Neubaus vor dem Besucher, der schon beim Betreten des Gebäude das auf allen Ebenen umgesetzte Prinzip der Durchgängigkeit erkennen kann. Der Architekt spielt mit unterschiedlich großen Öffnungen, die den Blick bis ins zweite Obergeschoss ermöglichen, was unmittelbaren Einfluss auf die ohnehin faszinierende Raumwirkung hat. Durchschaubar, im Wortsinn, auch die vertikale Achse von ihrem Anfang bis zum Ende.

Mittendrin schließt sich dem lichtdurchfluteten Foyer der später Marktplatz genannte Bereich an, der Verteilerfunktion hat, eine Hauptinformation und eine Fläche umfasst, auf der den Besuchern Zeitungen und Zeitschriften sowie Buch-Neuerscheinungen präsentiert werden: die man auch mal in das sich anschließende Café mitnehmen kann. Der Übergang in diesen gastronomisch geprägten Teil ist fließend, die Aussicht in jedweder Hinsicht bombastisch. Ein drei Meter hohes und mehr als fünf Meter breites Panoramafenster rahmt den Vorbereich in Richtung Pauluskirche ein.

In entgegengesetzter Richtung stößt man auf einen weiteren wichtigen Schauplatz dieses großen Hauses, das sich als Schnittstelle zwischen analog und digital, darüber hinaus als Ort der Kommunikation und Inspiration versteht. Es ist ein Saal, den Heidenheim so noch nicht gesehen hat, nutzbar für Vorträge, Theater und Kleinkunst, für Filme, Musik und – natürlich – Lesungen. Die Besonderheit dieser für 156 Personen ausgelegten Spiel- und Veranstaltungsstätte, die auch anzumieten sein wird: Sie verfügt über ein fest eingebautes ansteigendes Gestühl und ist als Black Box, also als Raum ohne Außenlicht, konzipiert.
 



(Für eine Bildschirmfüllende Darstellung der interaktiven Grafik bitte hier klicken.)

Am nördlichen Ende des Erdgeschosses wird das neue Kreismedienzentrum seine Heimat finden, das hier über ein großzügiges Raumangebot samt Beratungstresen verfügen wird. An dieser Stelle findet sich eine weitere architektonische Spezialität, die schon heute auch von außen sichtbar ist und in Kreisen der Betrachter bereits eine durchaus kontroverse Diskussion ausgelöst hat. Die großen, ebenerdig direkt am Gehweg der Brenzstraße liegenden Fenster sind wider aller Erwartung nicht offen geblieben, sondern von außen mit perforiertem Mauerwerk zugemacht worden. Die dahinter steckende Absicht: Einblicke in die Büros sind nur gefiltert möglich, die dort Beschäftigten sitzen nicht auf dem Präsentierteller und haben doch einen Außenbezug. „Das ist der Gestaltung geschuldet,“ erklärt Ralf Käpplinger, wohl wissend, dass diese blickdichten Fenster in der öffentlichen Meinung auch zum Stein des Anstoßes werden können.

Zurück in den Eingangsbereich. Dort führt eine großzügig dimensionierte Treppe ins erste Obergeschoss, wo die Verwaltung der Bibliothek ihren Sitz hat und ausreichend Räume samt Reserveflächen für das bis dato aus den Nähten platzende Stadtarchiv zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Räumlichkeiten, die für Seminare und die Computerschulung genutzt werden können. Und dann gibt's in diesem Non-Book-Bereich einen Schauplatz für neue Medien. Dieser Gaming-Bereich steht für Digitalisierung und Virtualisierung, zählt in der Branche mittlerweile entgegen aller Vorurteile dem Genre gegenüber zum festen Bibliotheksangebot und ist zu einem Themenfeld geworden, das aus der täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken ist - nicht nur hinsichtlich der Ausleihe von Computer- und Konsolenspielen, sondern auch im Rahmen von Veranstaltungen, Spielmöglichkeiten vor Ort und sogenannten Makerspaces, den Hobbykellern des digitalen Zeitalters.

22 Stufen weiter oben hat man das eher klassische Herz der Bücherei, das eigentliche Bibliotheksgeschoss, erreicht. Flankiert von Lernstudios für Schüler, einem Kinderveranstaltungsraum, der Kleinkinder-Bibliothek und zwei Dachterrassen zieht sich wie der sprichwörtlich rote Faden eine 110 Meter lange Achse durch das gesamte Gebäude, wo im Herbst 2017 dann das möglicherweise längste Bücherregal Deutschlands eingeräumt wird. Und Platz braucht es: Der ausleihbare Bibliotheksbestand beläuft sich auf rund 100 000 Exemplare - davon immer noch 78 Prozent Printmedien, 22 Prozent Non-Books.

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